Synagoge in Kadima-Zoran schwer beschädigt: Verdächtiger nach Torah-Schändung festgenommenSynagoge in Kadima-Zoran schwer beschädigt: Verdächtiger nach Torah-Schändung festgenommen
In Kadima-Zoran wurde eine jemenitische Synagoge verwüstet, die heiligsten Gegenstände zerrissen, die Gemeinde traumatisiert. Ein Verdächtiger sitzt inzwischen in Haft – doch das Vertrauen der Menschen ist schwerer wiederherzustellen als jede beschädigte Schriftrolle.
In Israel sind Angriffe auf jüdische Gebetsstätten nicht nur Straftaten – sie reißen an den Fundamenten des Zusammenhalts. Genau das geschah in Kadima-Zoran, einem Ort, der sich bislang als ruhige, familiäre Gemeinde verstanden hatte. Als die ersten Beter am vergangenen Schabbat die jemenitische Synagoge Mishkan Shalom betraten, standen sie vor einem Bild, das sie nicht vergessen werden. Über den Boden verstreut: zerrissene Gebetbücher, aufgeschnittene Seiten, zerstörte Schriftstücke. Und mitten im Chaos die entweihten Torahrollen, achtlos auf den Boden geworfen.
Für die Menschen vor Ort war es ein Schock, der tiefer ging als der materielle Schaden. Es war eine gezielte Entwürdigung – ein Angriff auf das Herzstück jüdischen Lebens.
Ein Tatverdächtiger in Haft – und viele offene Fragen
Nur wenige Tage nach der Tat nahmen Beamte der Zentralregion einen 30-jährigen Mann aus Even Yehuda fest. Nach Angaben der Polizei soll er die Torahrollen beschädigt, Gebetsbücher zerrissen und Hunderte Seiten einzeln herausgerissen haben. Nichts deutet auf einen Raub oder auf impulsive Zerstörungswut hin. Alles spricht dafür, dass der Täter Zeit hatte und jeden Handgriff bewusst ausführte.
Die Ermittler wollen seine Untersuchungshaft verlängern lassen, um die Hintergründe und das mögliche Motiv vollständig zu klären. Doch selbst wenn die Justiz schnell handelt – die seelische Wunde in der Gemeinde lässt sich nicht in einem Gerichtssaal schließen.
Ein Bild, das nicht verschwindet
Gemeindemitglied Chai Ratzabi beschrieb das Geschehen mit einer Fassungslosigkeit, die sich tief in seine Stimme eingegraben hatte. Er erzählte von Torahrollen, die nicht nur auf den Boden fielen, sondern offenbar mit Füßen getreten wurden. Von Büchern, die in derart viele Teile zerfetzt wurden, dass man kaum noch erkennen konnte, wozu sie einst dienten. Für die Gläubigen war das ein Moment, der an die dunkelsten Kapitel jüdischer Geschichte erinnerte – Kapitel, von denen sie glaubten, sie lägen weit hinter ihnen.
Nicht ein Gegenstand wurde entwendet. Nichts wurde gestohlen. Alles wurde nur zerstört. Damit steht im Raum, was viele auszusprechen zögern: Diese Tat war kein Vandalismus, wie man ihn aus Jugendstreichen kennt. Sie zielte darauf, zu verletzen – religiös, kulturell, menschlich.
Was ein solcher Angriff wirklich bedeutet
Eine Synagoge ist in Israel mehr als ein Gebetsraum. Sie ist der Ort, an dem Familien ihre wichtigsten Momente teilen: Bar-Mizwot, Hochzeiten, Trauergebete, die ersten Schritte der Kinder in der hebräischen Schrift. Wer eine Torahrolle mutwillig beschädigt, greift nicht nur ein religiöses Symbol an, sondern die Identität eines ganzen Volkes.
Gerade die jemenitische Gemeinde in Kadima-Zoran, tief verwurzelt in Tradition, Musik, Sprache und gelebter Geschichte, spürt diesen Angriff besonders. Ihre Torahrollen sind nicht einfach religiöse Gegenstände. Sie sind lebendige Zeugnisse einer jahrhundertealten Kultur, die Verfolgung überstanden hat und dennoch weitergetragen wurde – von Generation zu Generation.
Dass so etwas in Israel geschieht, in einem Land, das zu Recht stolz darauf ist, jüdisches Leben nicht nur zu schützen, sondern zur Blüte zu bringen, hinterlässt eine Wunde im Vertrauen: Vertrauen in die Nachbarschaft, Vertrauen in die Sicherheit, Vertrauen in das Gefühl, im eigenen Haus sicher zu sein.
Autor: Redaktion
Bild Quelle:
Sonntag, 30 November 2025