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Israel zieht die Reißleine bei Hilfsorganisationen, Sicherheit gegen Moralappelle

Israel zieht die Reißleine bei Hilfsorganisationen, Sicherheit gegen Moralappelle


Der angekündigte Lizenzentzug für dutzende Hilfsorganisationen im Gazastreifen löst internationale Empörung aus. Die Kritik ist laut, die Vorwürfe scharf. Doch wer die israelische Entscheidung verstehen will, muss genauer hinsehen und unbequeme Fragen zulassen.

Israel zieht die Reißleine bei Hilfsorganisationen, Sicherheit gegen Moralappelle

Israel steht erneut im Zentrum heftiger internationaler Kritik. Ab dem 1. Januar 2026 sollen 37 internationale Hilfsorganisationen ihre Arbeit im Gazastreifen nicht mehr fortsetzen dürfen, sofern sie sich nicht einer neuen staatlichen Registrierung unterwerfen. Betroffen sind bekannte Akteure wie Ärzte ohne Grenzen ebenso wie kleinere Netzwerke. Die Vereinten Nationen sprechen von einem unrechtmäßigen Eingriff in humanitäre Arbeit. Israel hingegen sieht sich zu diesem Schritt gezwungen, um Missbrauch, Unterwanderung und Sicherheitsrisiken zu begrenzen.

Kern der Auseinandersetzung ist eine neue Regelung des israelischen Außenministeriums. Sie verpflichtet Hilfsorganisationen, detaillierte Informationen über ihre lokalen Mitarbeiter offenzulegen. Auch sensible Daten sollen vorgelegt werden, um eine sicherheitsbehördliche Prüfung zu ermöglichen. Organisationen, die sich weigern, verlieren ihre Zulassung für den Gazastreifen bis spätestens März.

Für Israel ist das kein bürokratischer Formalismus, sondern eine Konsequenz aus Erfahrungen der vergangenen Jahre. Wiederholt wurde nachgewiesen, dass Mitarbeiter internationaler Hilfswerke Verbindungen zur Hamas unterhielten, Logistik zweckentfremdet wurde oder Infrastruktur indirekt der Terrororganisation zugutekam. In einem Gebiet, das vollständig von einer Terrororganisation kontrolliert wird, existiert aus israelischer Sicht keine saubere Trennung zwischen Zivilverwaltung, Hilfsarbeit und bewaffneten Strukturen.

Die Kritik kam prompt. Der UN Hochkommissar für Menschenrechte United Nations, Volker Türk, sprach von einem empörenden Schritt und von einer weiteren Einschränkung des humanitären Zugangs. Mehrere Außenminister europäischer Staaten sowie Kanadas und Japans wandten sich in einem gemeinsamen Schreiben an Jerusalem und forderten ein Umdenken. Der Tenor ist bekannt. Israel schade mit seinem Vorgehen der notleidenden Zivilbevölkerung.

Diese Darstellung greift jedoch zu kurz. Israel untersagt nicht pauschal humanitäre Hilfe. Es verlangt Transparenz und Kontrolle in einem Kriegsgebiet, in dem Hilfsstrukturen nachweislich missbraucht wurden. Das Außenministerium betont, Ziel sei es, terroristische Beteiligung zu verhindern und die Integrität humanitärer Arbeit zu schützen. Eine Aussage, die in internationalen Stellungnahmen auffällig selten aufgegriffen wird.

Besonders scharf äußerte sich die Organisation Ärzte ohne Grenzen, international bekannt als Médecins Sans Frontières. Sie lehnt die Offenlegung sensibler Mitarbeiterdaten ab und warnt vor einem Bruch humanitärer Grundsätze wie Neutralität und Unabhängigkeit. Vertreter mehrerer Organisationen argumentieren, Israel wolle Einfluss auf Personalentscheidungen nehmen, ohne Begründungen liefern zu müssen. Aus ihrer Sicht drohe Willkür.

Doch auch hier stellt sich eine entscheidende Frage. Wie neutral kann humanitäre Arbeit in einem Gebiet sein, das von einer Terrororganisation kontrolliert wird, die systematisch zivile Infrastruktur für militärische Zwecke nutzt. Israel verlangt nicht die Kontrolle humanitärer Programme, sondern die Überprüfung von Personen. In jedem anderen sicherheitsrelevanten Kontext wäre dies selbstverständlich.

Die betroffenen Organisationen boten an, Mitarbeiter durch neutrale Drittparteien überprüfen zu lassen. Israel lehnte dies ab. Der Grund liegt auf der Hand. Für israelische Sicherheitsbehörden ist die Auslagerung von Sicherheitsprüfungen in einem aktiven Kriegsumfeld keine Option. Verantwortung für mögliche Folgen würde dennoch bei Israel liegen.

Was in der internationalen Debatte ebenfalls fehlt, ist der zeitliche Kontext. Die Maßnahme tritt nicht sofort in Kraft. Organisationen haben Monate Zeit, sich zu registrieren oder ihre Arbeit geordnet zu beenden. Israel setzt auf eine Übergangsphase, nicht auf einen abrupten Stopp der Hilfe. Diese Differenzierung geht in der Empörungsrhetorik unter.

Der Konflikt offenbart ein grundlegendes Dilemma. Humanitäre Organisationen pochen auf Prinzipien, die in stabilen Regionen funktionieren. Israel agiert in einem Umfeld, in dem diese Prinzipien systematisch missbraucht wurden. Die Hamas profitiert seit Jahren von internationaler Hilfe, sei es durch Material, Infrastruktur oder politische Schutzschirme. Diese Realität wird in vielen Stellungnahmen bewusst ausgeklammert.

Israel bewegt sich mit seiner Entscheidung auf einem schmalen Grat. Jede Einschränkung humanitärer Arbeit wird international sofort moralisch bewertet. Gleichzeitig trägt der Staat die Verantwortung, seine Bevölkerung zu schützen und eine Wiederholung des systematischen Missbrauchs von Hilfsstrukturen zu verhindern. Diese Verantwortung kann nicht an die Vereinten Nationen oder an Nichtregierungsorganisationen delegiert werden.

Die Debatte ist damit weniger eine Frage von Recht oder Unrecht als von Perspektive. Für viele internationale Akteure ist Israel der Störfaktor. Für Israel selbst ist die Maßnahme ein Akt staatlicher Selbstbehauptung in einem asymmetrischen Konflikt. Wer ernsthaft über humanitäre Hilfe in Gaza sprechen will, muss auch über Hamas sprechen. Und genau das geschieht zu selten.


Autor: Redaktion
Bild Quelle: Symbolbild KI generiert


Donnerstag, 01 Januar 2026

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