Hamas rekrutiert mit Geld, Drohungen und Angst, ein palästinensischer Vater bricht das SchweigenHamas rekrutiert mit Geld, Drohungen und Angst, ein palästinensischer Vater bricht das Schweigen
Während international über Waffenstillstand und Wiederaufbau gesprochen wird, arbeitet Hamas im Inneren des Gazastreifens an ihrer eigenen Zukunft. Ein palästinensischer Vater schildert, wie Jugendliche systematisch angeworben, manipuliert und festgehalten werden nicht aus Ideologie, sondern aus Not.
Mustafa lebt heute im Raum Ramallah. Sein Herz jedoch ist in Gaza geblieben bei seinen Kindern. Was er erzählt, ist keine politische Analyse, sondern ein nüchterner Bericht aus dem Inneren einer Gesellschaft, die von einer Terrororganisation kontrolliert wird. Mustafa ist Palästinenser, Fatah Anhänger und ehemaliger Angehöriger der palästinensischen Sicherheitskräfte in Gaza. Nach der gewaltsamen Machtübernahme durch die Hamas im Jahr 2007 musste er fliehen. Seine Familie blieb zurück.
Sein 16 Jahre alter Sohn wurde vor einigen Monaten auf offener Straße angesprochen. Drei Männer, zivile Kleidung, kein Abzeichen. Sie gaben ihm umgerechnet rund 200 Schekel. Kein Vertrag, kein Befehl, kein Logo. Nur ein Satz: „Kauf dir etwas.“ Als der Junge fragte, warum, antworteten sie schlicht, man helfe den Menschen. Kurz darauf folgte das eigentliche Angebot. Weitere 1.500 Schekel, wenn er bereit sei, für sie zu arbeiten – bei der Polizei oder in anderen Strukturen der Hamas.
Der Junge war verunsichert, ging nach Hause, erzählte seinem älteren Bruder davon. Dieser erkannte sofort die Gefahr. Der Rat war klar: nichts annehmen, nicht reden, Abstand halten. In Gaza ist das keine Selbstverständlichkeit, sondern ein Risiko.
Mustafa beschreibt die Methode als systematisch. Hamas nutze Armut, Perspektivlosigkeit und den Zusammenbruch sozialer Strukturen gezielt aus. Jugendliche, vor allem Minderjährige, seien besonders anfällig. Viele Familien hätten kaum Nahrung, kein stabiles Einkommen, keine Zukunftsperspektive. Geld werde zur Eintrittskarte in eine Abhängigkeit, aus der es kaum ein Zurück gebe.
Es blieb nicht bei Geld. Wenig später erschienen Hamas Aktivisten im Haus seiner Familie und boten Lebensmittel, Mehl, Unterstützung an. Seine Frau lehnte ab und erklärte, ihr Mann sende Geld aus dem Westjordanland. Auch das sei ungewöhnlich. Ablehnung werde registriert.
Ein Onkel der Familie ging schließlich direkt zu einem der Hamas Männer und warnte ihn, sich fernzuhalten. Es kam zu einem Streit. Danach hörten die Kontaktversuche auf. Nicht jede Familie hat diesen Spielraum.
Mustafa spricht von gezielter Indoktrination. Zuerst materielle Hilfe, dann ideologische Erzählungen, schließlich offene Drohungen. Wer aussteigen will, soll alles zurückzahlen. Geld, Lebensmittel, Unterstützung. Für die meisten Jugendlichen unmöglich. Die Folge ist Zwang durch Schulden. Hamas verspreche Sicherheit, Schutz, ein Dach über dem Kopf und erkläre zugleich, der Kampf gegen Israel sei heroisch und alternativlos.
Dabei, so Mustafa, gehe es Hamas nicht um das Leben dieser Jugendlichen. Er habe seinen Kindern erklärt, dass es einen politischen Konflikt gebe, aber Gewalt keine Zukunft schaffe. Er habe sie erzogen, um zu leben, Familien zu gründen, nicht um zu sterben. Diese Haltung sei in Gaza gefährlich offen auszusprechen.
Neben finanziellen Anreizen nutzt Hamas laut Mustafa auch Erpressung. Jugendliche würden wegen kleiner Delikte festgenommen und anschließend vor die Wahl gestellt. Zusammenarbeit oder Gewalt. Ein 17 Jahre alter Verwandter sei nach einem Diebstahl verhaftet worden. Die Drohung war eindeutig: Mitarbeit oder gebrochene Beine. Er schloss sich Hamas an.
Ein weiterer junger Mann aus Gaza bestätigt, dass viele Rekruten aus sogenannten Moschee Kreisen stammen – Jugendlichen, deren Familien bekannt sind und die früh ideologisch geprägt wurden. Manche schließen sich freiwillig an, aus Hass, aus Rache, aus Überzeugung. Doch auch diese Motivation entsteht nicht im luftleeren Raum, sondern in einem Umfeld aus Zerstörung, Dauerpropaganda und fehlender Alternative.
Nach der Zerstörung vieler Moscheen im Krieg habe Hamas ihre Rekrutierung auf die Straße verlagert. Öffentliche Räume, Hilfsstellen, Lebensmittelverteilungen. Besonders stark sei der Einfluss im zentralen Gazastreifen, wo Hamas laut palästinensischen Quellen weiterhin nahezu ungehindert agiere und zivile Infrastruktur zur Neuorganisation nutze.
Mustafa zieht daraus eine klare Schlussfolgerung. Solange Hamas in diesen Gebieten die Kontrolle behält, werde jede andere Ordnung scheitern. Nicht aus politischer Theorie, sondern aus Alltagserfahrung. Wer verhindern wolle, dass sich der 7. Oktober wiederholt, müsse Hamas die Fähigkeit nehmen, Jugendliche zu rekrutieren, zu erpressen und zu bewaffnen.
Sein Bericht ist kein israelisches Narrativ, keine externe Einschätzung. Es ist die Stimme eines palästinensischen Vaters, der versucht hat, seine Kinder vor einer Organisation zu schützen, die sich als Widerstand verkauft, aber ihre eigene Gesellschaft von innen zerstört.
Autor: Redaktion
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Donnerstag, 01 Januar 2026