Bank Israel senkt Leitzins überraschend auf vier ProzentBank Israel senkt Leitzins überraschend auf vier Prozent
Entgegen nahezu allen Erwartungen lockert die israelische Notenbank erneut ihre Geldpolitik. Die Entscheidung signalisiert vorsichtigen Optimismus, markiert aber zugleich eine klare Absage an eine Rückkehr zur Nullzinspolitik vergangener Jahre.
Mit einem Schritt, den viele Marktbeobachter erst für später im Jahr erwartet hatten, hat die israelische Zentralbank den Leitzins um 0,25 Prozentpunkte auf nun vier Prozent gesenkt. Es ist bereits die zweite Zinssenkung in Folge und ein deutliches Signal, dass sich die wirtschaftliche Lage Israels aus Sicht der Währungshüter stabilisiert.
Die Entscheidung wurde von Bank of Israel unter Führung von Notenbankchef Amir Yaron getroffen. Sie fällt in eine Phase, in der sich mehrere zentrale Indikatoren verbessert haben. Die Inflation ist zuletzt auf rund 2,5 Prozent zurückgegangen und bewegt sich damit innerhalb des Zielkorridors der Notenbank. Gleichzeitig hat sich der Schekel spürbar gefestigt, was den Preisdruck auf importierte Güter reduziert.
Noch vor rund anderthalb Monaten hatte die Zentralbank erstmals seit fast zwei Jahren den Leitzins gesenkt, damals von 4,5 auf 4,25 Prozent. Nun folgt der nächste Schritt, der zeigt, dass es sich nicht um eine einmalige Korrektur, sondern um den Beginn eines vorsichtigen Lockerungszyklus handelt. In der aktuellen Prognose rechnet die Notenbank mit bis zu zwei weiteren Zinssenkungen im Verlauf des Jahres 2026. Zum Jahresende könnte der Leitzins demnach bei etwa 3,5 Prozent liegen.
Trotz dieser Perspektive dämpfte Yaron Erwartungen an eine rasche Rückkehr zu extrem niedrigen Zinsen. Die Phase der Null- und Negativzinsen, die vor der Corona-Pandemie weltweit verbreitet war, werde sich nach Einschätzung der Zentralbank nicht wiederholen. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen hätten sich grundlegend verändert, sowohl global als auch in Israel selbst.
Seit 2022 war der Leitzins schrittweise angehoben worden, um die stark steigende Inflation zu bekämpfen. Nach dem Ausbruch des Krieges am 7. Oktober blieb der Zinssatz über Monate hinweg auf hohem Niveau, da Unsicherheit, hohe Staatsausgaben und angespannte Lieferketten die Preisentwicklung belasteten. Erst in den vergangenen Monaten begann sich das Bild zu drehen. Die Inflation kühlte sich ab, die Konjunktur zeigte trotz der sicherheitspolitischen Lage Widerstandskraft, und der Finanzmarkt reagierte zunehmend stabil.
Gleichzeitig machte die Notenbank deutlich, dass sie keine aggressive Lockerung anstrebt. Weitere Zinsschritte sollen schrittweise und datenabhängig erfolgen. Ziel bleibt es, die Inflation dauerhaft unter Kontrolle zu halten und zugleich ein erneutes Überhitzen der Nachfrage zu verhindern.
Für private Haushalte und Unternehmen bedeutet die Entscheidung dennoch eine spürbare Entlastung. Kredite könnten in den kommenden Monaten günstiger werden, Hypothekenzahlungen langsamer steigen oder sogar sinken, und Investitionen erhalten neue Impulse. Zugleich bleibt die Botschaft der Zentralbank klar: Die Zeit des billigen Geldes ist vorbei, auch wenn der geldpolitische Druck langsam nachlässt.
Israel bewegt sich damit in einem Spannungsfeld zwischen vorsichtiger Erholung und anhaltender Unsicherheit. Die Zinssenkung ist ein Signal des Vertrauens, aber kein Freibrief. Sie zeigt, dass die Wirtschaft stabil genug erscheint, um etwas Luft zu holen, ohne die Lehren der vergangenen Krisen zu vergessen.
Autor: Redaktion
Bild Quelle: By אורי פרקש - Own work, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=130337300
Dienstag, 06 Januar 2026