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Israelischer Prüfbericht zum Zivilschutz: Ein Befund, der im europäischen Vergleich kaum außergewöhnlich ist

Israelischer Prüfbericht zum Zivilschutz: Ein Befund, der im europäischen Vergleich kaum außergewöhnlich ist


Ein aktueller Bericht des israelischen Staatskontrolleurs zur zivilen Schutzinfrastruktur hat in Israel Aufmerksamkeit erregt. Der Bericht stellt fest, dass ein Teil der Bevölkerung keinen normgerechten Schutz vor Raketenbeschuss hat. Die Zahlen wirken auf den ersten Blick hoch, verlieren jedoch an Dramatik, sobald sie in einen internationalen Kontext eingeordnet werden.

Israelischer Prüfbericht zum Zivilschutz: Ein Befund, der im europäischen Vergleich kaum außergewöhnlich ist

Nach Angaben des Berichts verfügen rund 3,2 Millionen Menschen in Israel nicht über einen baulich normierten Schutzraum. Betroffen sind unter anderem etwa 42.000 Einwohner in Grenzregionen zu Syrien und zum Libanon. Der Bericht untersucht dabei Wohngebäude, Bildungseinrichtungen und Krankenhäuser.

Was dabei oft ausgeblendet wird: Israel ist eines der wenigen Länder weltweit, das überhaupt flächendeckende Schutzraumvorgaben für zivile Gebäude besitzt. In Deutschland, Frankreich, Spanien oder Großbritannien existiert kein vergleichbares System verpflichtender privater Schutzräume. Der überwiegende Teil der europäischen Bevölkerung verfügt über keinerlei baulichen Schutz gegen Raketen oder Marschflugkörper, weder in Wohnhäusern noch in Schulen oder Krankenhäusern.

Auch die im Bericht genannten Defizite in israelischen Krankenhäusern sind im internationalen Vergleich nicht ungewöhnlich. Laut Bericht sind 56 Prozent der Krankenhausbetten und 41 Prozent der Operationssäle nicht speziell gegen Raketenbeschuss geschützt. Zum Vergleich: In Deutschland gibt es keine öffentlich zugängliche Statistik, weil Krankenhäuser grundsätzlich nicht für militärische Bedrohungsszenarien ausgelegt sind. Ein direkter Raketenschutz ist dort praktisch nicht vorgesehen.

Ähnlich verhält es sich im Bildungsbereich. Der Bericht nennt rund 466.000 Schülerinnen und Schüler in Israel, die tagsüber keine normgerechten Schutzräume zur Verfügung haben. In Europa existieren in Schulen grundsätzlich keine Schutzräume gegen militärische Angriffe. Evakuierungs- und Katastrophenpläne beziehen sich dort fast ausschließlich auf Brände, Unwetter oder technische Störungen.

Der israelische Bericht beschreibt somit keinen Ausnahmezustand, sondern eine strukturelle Realität, die sich aus der besonderen Sicherheitslage des Landes ergibt. Israel misst und dokumentiert Schutzlücken, weil es als eines der wenigen Länder überhaupt systematisch Schutzstandards definiert hat. In den meisten europäischen Staaten existieren solche Standards nicht, weshalb entsprechende Berichte dort auch nicht erstellt werden.

Auch die Kritik an Verzögerungen bei Entschädigungszahlungen für zivile Schäden bewegt sich im internationalen Rahmen. Lange Bearbeitungszeiten bei staatlichen Entschädigungen sind kein israelisches Spezifikum, sondern ein bekanntes Problem in vielen europäischen Verwaltungen, insbesondere bei großflächigen Krisenlagen.

Der Bericht des Staatskontrolleurs ist daher weniger als Alarmmeldung zu verstehen, sondern als technischer Prüfbericht innerhalb eines Systems, das im internationalen Vergleich bereits ungewöhnlich weit entwickelt ist. Er zeigt nicht, dass Israel schlecht geschützt ist, sondern dass Israel Schutz überhaupt misst, bewertet und öffentlich überprüft.

In Europa würde ein vergleichbarer Bericht vermutlich deutlich gravierendere Lücken offenlegen, sofern er überhaupt erstellt werden könnte.


Autor: Redaktion
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Dienstag, 06 Januar 2026

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