Zwei Brüder, ein Albtraum: Wie die Hamas Gali und Ziv Berman zerbrach – und nicht besiegteZwei Brüder, ein Albtraum: Wie die Hamas Gali und Ziv Berman zerbrach – und nicht besiegte
Sie erschossen den Hund, sie schossen auf Emily, sie zerrissen eine Familie. Gali und Ziv Berman überlebten mehr als zwei Jahre in der Gewalt der Hamas. Ihre Geschichte ist kein Einzelfall, sondern ein erschütterndes Zeugnis dessen, was Terror bedeutet – jenseits von Parolen und Verharmlosung.
Der Morgen des 7. Oktober begann für die Zwillingsbrüder Gali und Ziv Berman wie für so viele Israelis im Süden des Landes mit Angst, Sirenen und der Hoffnung, dass die sichere Tür des Schutzraums ausreichen würde. Sie lebten im Kibbuz Kfar Aza, wenige Kilometer von Gaza entfernt. Was dann geschah, hat sich unauslöschlich in ihr Gedächtnis eingebrannt.
Gali erhielt früh am Morgen einen Videoanruf von seiner langjährigen Freundin Emily Damari. Ihre Stimme zitterte. Sie hatte Angst und bat ihn, zu ihr zu kommen. Gali verließ seinen Schutzraum, bewaffnet mit nichts weiter als einem Küchenmesser. Er schickte seiner Mutter noch ein Foto von sich und Emily. Minuten später wurden beide von Terroristen der Hamas verschleppt.
Die Szene, die Gali später schilderte, ist kaum zu ertragen. Die Terroristen erschossen Emilys Hund, schossen auf Emily selbst und brüllten sie an, aufzustehen. Gewalt als Machtdemonstration, Entmenschlichung als Methode. Kurz darauf wurde auch Ziv gefasst. Sein Haus war in Brand gesetzt worden, der Rauch zwang ihn aus dem Schutzraum direkt in die Hände seiner Entführer.
Was folgte, waren mehr als zwei Jahre Gefangenschaft. Hunger, Misshandlungen, ständige Angst. Die Brüder wurden an getrennten Orten festgehalten. Sechs Monate lang wusste keiner von beiden, ob der andere noch lebte. Diese Ungewissheit war Teil der Folter. Die Hamas hielt sie bewusst auseinander, um jede Hoffnung zu kontrollieren.
Erst nach einem halben Jahr kam es zu einem Moment, der selbst in diesem Dunkel herausstach. Gali wurde an einen neuen Ort gebracht, mit Kamera und Mikrofon ausgestattet. Dann führten die Terroristen Ziv herein. Die Brüder erkannten einander sofort und fielen sich in die Arme. Zehn Minuten lang hielten sie sich fest, als wollten sie sicherstellen, dass dieser Augenblick real war. Zwei Tage durften sie zusammenbleiben. Dann wurden sie wieder getrennt. Die Begründung der Entführer war kalt und zynisch: Wenn ihnen etwas passiere, müsse ihre Mutter nicht zweimal trauern.
Ziv schilderte später einen Moment, in dem er sicher war, nicht lebend herauszukommen. Über ihnen operierten israelische Soldaten. Er und der ebenfalls gefangene Omri Miran hörten, wie die Terroristen ihre Waffen luden. Die Beine zitterten, der Atem ging flach. Abschiedsworte wurden gesprochen. Ziv dachte an andere Geiseln, von denen er gehört hatte, die ermordet worden waren. Das Gefühl, ausgeliefert zu sein, ohne jede Kontrolle über das eigene Leben.
Gali überlebte nicht nur, er dokumentierte innerlich. Er führte heimlich eine Liste. Darauf standen Erinnerungen, Vorlieben, Abneigungen, Gedanken an ein Leben nach der Gefangenschaft. Dieses Stück Papier schmuggelte er in seiner Kleidung hinaus. Es ist ein stilles Dokument menschlicher Würde gegen die systematische Entmenschlichung durch die Hamas.
Währenddessen kämpfte ihre Mutter Talia ihren eigenen Krieg. Öffentlich trat sie kaum auf, mied Kameras und Schlagzeilen. Die politische und mediale Auseinandersetzung überließ sie ihrer Schwester. Die Familie erfuhr erst am elften Tag, dass es Hinweise auf das Überleben der Zwillinge gab. Gewissheit brachte erst der fünfzigste Tag, als freigelassene Geiseln berichteten, sie gesehen zu haben. Für den Vater Doron, der an Parkinson leidet, war diese Zeit verheerend. Er hörte auf zu essen, zu trinken, Medikamente zu nehmen. Schließlich musste er ins Krankenhaus eingeliefert werden.
Als die Brüder nach ihrer Freilassung das Krankenhaus verlassen durften, stand Doron vor ihnen und sah sie an, als könne er es nicht glauben. Seine grünen Augen wanderten von einem zum anderen. Dieser Moment, so beschreibt es die Familie, war wortlos und überwältigend.
Heute versuchen Gali und Ziv, nach vorne zu schauen. Ziv übernimmt den Humor, sagt man. Gali erledigt den Rest. Sie sprechen nicht aus Verdrängung, sondern aus Überlebenswillen. Zwei verlorene Jahre seien genug, sagen sie. Man müsse nicht im Dunkel verharren, um die Wahrheit zu benennen.
Ihre Geschichte ist mehr als ein persönliches Schicksal. Sie ist eine direkte Antwort auf jene, die die Hamas relativieren, verharmlosen oder als politische Akteure romantisieren. Was Gali und Ziv erlebten, war kein Unfall des Krieges. Es war Terror, kalkuliert und gezielt, gegen Zivilisten, gegen Familien, gegen das Menschliche selbst.
Wer nach dem 7. Oktober noch immer versucht, diese Realität umzudeuten, muss sich den Stimmen derer stellen, die zurückgekehrt sind. Den Brüdern Berman. Und all jenen, die nicht zurückgekehrt sind.
Autor: Redaktion
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Dienstag, 06 Januar 2026