Von Israel unterstützte palästinensische Miliz tötet Hamas-Kämpfer in RafahVon Israel unterstützte palästinensische Miliz tötet Hamas-Kämpfer in Rafah
Erstmals seit Monaten tritt in Gaza offen bewaffneter Widerstand gegen die Hamas auf. Eine palästinensische Miliz meldet gezielte Tötungen und verschärft damit den innerpalästinensischen Machtkampf unter israelischer Kontrolle.
Im Süden des Gazastreifens ist eine neue sicherheitspolitische Realität sichtbar geworden. Eine palästinensische Miliz, die nach übereinstimmenden Berichten von Israel unterstützt wird, hat erklärt, zwei Hamas-Mitglieder bei einem bewaffneten Einsatz in Rafah getötet zu haben. Der Vorfall markiert eine neue Phase der Konfrontation in Gaza, nicht zwischen Israel und der Hamas, sondern innerhalb der palästinensischen Gesellschaft selbst.
Die Gruppe, die sich Popular Forces nennt, erklärte, ihre Kämpfer hätten eine Razzia in Rafah durchgeführt. Zwei Hamas-Operative hätten sich geweigert, die Waffen niederzulegen, und seien daraufhin erschossen worden. Ein weiterer Mann sei festgenommen worden. Zur Untermauerung ihrer Darstellung veröffentlichte die Miliz ein Foto eines der Getöteten. Eine unabhängige Bestätigung liegt bislang nicht vor.
Die Hamas reagierte erwartungsgemäß scharf, allerdings ohne konkrete Stellungnahme zum Vorfall. Solche Gruppen werden von ihr pauschal als Kollaborateure bezeichnet. Rafah liegt in einem Gebiet, das seit dem Abkommen vom Oktober unter israelischer Kontrolle steht. Genau dort agieren diese Milizen außerhalb der Reichweite der Hamas.
Die Popular Forces gelten als größte bewaffnete Gruppierung, die derzeit in von Israel kontrollierten Zonen aktiv ist. Gegründet wurde sie von dem beduinischen Anführer Yasser Abu Shabab, einem erklärten Gegner der Hamas. Abu Shabab wurde im Dezember getötet. Die Miliz spricht von einem internen Familienstreit. Nachfolger wurde sein Stellvertreter Ghassan Duhine, der öffentlich ankündigte, den Kampf gegen die Hamas ohne Einschränkungen fortzusetzen.
Israel selbst hält sich offiziell bedeckt. Ministerpräsident Benjamin Netanyahu hatte bereits im Juni eingeräumt, dass Israel in Gaza gezielt lokale Clans aktiviert habe, um den Einfluss der Hamas zu schwächen. Details nannte er nicht. Die Popular Forces bestreiten weiterhin, direkte Unterstützung aus Israel zu erhalten. In der Realität operieren sie jedoch ausschließlich in Gebieten unter israelischer Militärkontrolle.
Aus israelischer Sicht fügt sich dieses Vorgehen in eine längerfristige Strategie ein. Die Hamas soll nicht nur militärisch geschwächt, sondern politisch und gesellschaftlich untergraben werden. Lokale Rivalen, Clans und Milizen dienen dabei als Hebel. Dass diese Gruppen innerhalb der Bevölkerung kaum Rückhalt genießen, wird in Kauf genommen.
Trotz massiver Verluste während des Krieges kontrolliert die Hamas weiterhin den Großteil des Gazastreifens. Schätzungen zufolge leben fast zwei Millionen Menschen in Gebieten, die sie beherrscht. Interne Hamas-Quellen sprechen davon, dass noch immer mehrere Tausend Kämpfer unter Waffen stehen. Die Organisation hat ihre Machtstrukturen in vielen Teilen Gazas wiederhergestellt.
Gleichzeitig bleibt Israel in mehr als der Hälfte des Gebiets präsent. Ein umfassender Rückzug ist nicht absehbar, auch weil der von US Präsident Donald Trump vorgestellte Plan für Gaza nur schleppend vorankommt. In diesem Machtvakuum entstehen neue Akteure.
Die anti-Hamas-Milizen erhöhen den Druck auf die Islamisten, bergen jedoch erhebliche Risiken. Sie erschweren jede politische Stabilisierung Gazas und vertiefen die innerpalästinensische Spaltung. Für viele Bewohner gelten sie als Instrument Israels, nicht als legitime Alternative zur Hamas.
Der Vorfall in Rafah zeigt dennoch eine klare Entwicklung. Die Hamas ist nicht mehr unangefochten. Erstmals seit Langem wird sie in Gaza selbst bewaffnet herausgefordert. Ob daraus eine dauerhafte Schwächung entsteht oder ein neuer Kreislauf innerer Gewalt, bleibt offen.
Für Israel ist diese Dynamik zweischneidig. Kurzfristig bindet sie Hamas-Kräfte und reduziert deren Handlungsspielraum. Langfristig droht ein fragmentiertes Gaza, in dem bewaffnete Gruppen ohne politische Perspektive agieren. Die Tötung zweier Hamas-Mitglieder durch palästinensische Gegner ist daher mehr als eine Randnotiz. Sie ist ein Signal für eine neue, unübersichtliche Phase des Konflikts.
Autor: Redaktion
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Mittwoch, 07 Januar 2026