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Libanesische Armee erklärt Kontrolle im Süden – Zweifel bleiben

Libanesische Armee erklärt Kontrolle im Süden – Zweifel bleiben


Beirut meldet Fortschritte südlich des Litani. Doch das Schweigen über die Hisbollah und Israels klare Warnungen zeigen, wie brüchig diese Erklärung ist.

Libanesische Armee erklärt Kontrolle im Süden – Zweifel bleiben

Die libanesische Armee hat am Donnerstag erklärt, sie habe außerhalb der von Israel kontrollierten Zonen die operative Kontrolle über den Süden des Landes bis zum Litani-Fluss übernommen. Zugleich teilte das Militär mit, man befinde sich in einer fortgeschrittenen Phase der Waffenmonopolisierung und sei entschlossen, künftig zu verhindern, dass bewaffnete Akteure das Grenzgebiet erneut als Ausgangspunkt militärischer Angriffe nutzen.

In der Erklärung bekräftigt die Armee ihren Anspruch, alleiniger Garant der inneren Sicherheit im Libanon zu sein. Besonders hervorgehoben wird dabei der Raum südlich des Litani, jener sensiblen Zone, die seit Jahrzehnten Schauplatz bewaffneter Auseinandersetzungen und internationaler Vereinbarungen ist. Nach Angaben des Militärs sei die erste Phase eines umfassenden Sicherheitsplans erfolgreich abgeschlossen worden. Die gesetzten Ziele seien erreicht, operative Kontrolle hergestellt.

Aus libanesischer Sicht ist diese Botschaft klar. Der Staat beansprucht Autorität. Waffen sollen ausschließlich in den Händen staatlicher Kräfte liegen. Angriffe über die Grenze hinweg sollen der Vergangenheit angehören. Doch genau hier beginnen die Zweifel.

Nach Darstellung der Armee gilt die erklärte Kontrolle nicht für Gebiete, die weiterhin unter israelischer Aufsicht stehen. Dort operiert die Israel Defense Forces nach eigenem Ermessen. Das allein zeigt, dass die Sicherheitslage im Süden des Libanon weiterhin fragmentiert ist.

In Israel wurde die Erklärung mit deutlicher Skepsis aufgenommen. Der ehemalige Verteidigungsminister Yoav Gallant warf der libanesischen Armee öffentlich vor, bewusst Konfrontationen mit der Hezbollah zu vermeiden. Trotz wohlklingender Erklärungen werde das bestehende Abkommen nicht umgesetzt, schrieb Gallant. Terrorinfrastruktur werde nicht konsequent neutralisiert.

Gallant erinnerte daran, dass Israels Maßnahmen im Norden einen hohen Preis hatten. Die Zerschlagung des Raketenarsenals, die Ausschaltung der Hisbollah-Führung und die Zerstörung von Stellungen entlang der Grenze seien mit erheblichen Belastungen für die israelische Zivilbevölkerung erkauft worden, insbesondere für die Bewohner des Nordens. Daraus leite sich eine klare Pflicht ab. Israel müsse die Aktivitäten der Hisbollah weiter überwachen und dort eingreifen, wo neue Bedrohungen entstehen.

Diese Haltung ist nicht neu, aber sie ist unmissverständlich. Worte aus Beirut reichen Jerusalem nicht. Entscheidend ist, ob sich die Realität vor Ort verändert.

Besonders bemerkenswert ist, was in der Erklärung der libanesischen Armee fehlt. Die Hisbollah wird mit keinem Wort erwähnt. Dabei ist sie der zentrale Akteur, um den sich alle Sicherheitsfragen im Süden drehen. Der Waffenstillstand vom November 2024, der nach schweren israelischen Schlägen gegen Führung und Infrastruktur der Miliz zustande kam, sah ausdrücklich vor, dass nur staatliche Sicherheitskräfte bewaffnet sein dürfen.

Die erneuten Kämpfe hatten begonnen, nachdem die Hisbollah am 8. Oktober 2023 Angriffe auf Israel gestartet hatte, einen Tag nach den Massakern der Hamas in Israel. Seitdem ist der Süden des Libanon erneut zum Brennpunkt geworden.

Ein libanesischer Sicherheitsvertreter erklärte, die Armeemitteilung solle signalisieren, dass künftig keine Gruppe mehr von libanesischem Boden aus angreifen könne. Doch diese Zusicherung steht im Widerspruch zu fortlaufenden israelischen Luftschlägen gegen Hisbollah-Aktivisten, die versuchen, ihre Strukturen im Süden wieder aufzubauen.

Nach israelischen Angaben wurden seit Inkrafttreten des Waffenstillstands hunderte Kämpfer der Miliz getötet. Geheimdienstliche Einschätzungen gehen zudem davon aus, dass die libanesische Armee strukturell nicht in der Lage ist, die Hisbollah wirksam zu kontrollieren. Berichte über eingeschleuste Doppelagenten innerhalb der Armee verstärken diese Zweifel.

Der libanesische Staat steht damit vor einem altbekannten Dilemma. Er beansprucht Souveränität, verfügt aber nicht über die Durchsetzungskraft, sie gegen eine tief verankerte Miliz tatsächlich auszuüben. Solange diese Lücke besteht, wird jede Erklärung aus Beirut als vorläufig gelten.

Für Israel bleibt der Norden ein sicherheitspolitisches Risiko, das nicht auf Ankündigungen, sondern nur auf überprüfbare Veränderungen reagieren kann. Die libanesische Armee mag Fortschritte melden. Ob sie die entscheidende Machtprobe besteht, ist eine andere Frage.


Autor: Redaktion
Bild Quelle: Symbolbild KI generiert


Donnerstag, 08 Januar 2026

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