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Türkei vor Beitritt zu saudisch-pakistanischem Verteidigungspakt: Entsteht eine islamische NATO gegen Westen und Israel?

Türkei vor Beitritt zu saudisch-pakistanischem Verteidigungspakt: Entsteht eine islamische NATO gegen Westen und Israel?


Ankara verhandelt laut internationalen Berichten über den Beitritt zu einem gegenseitigen Verteidigungsabkommen mit Saudi-Arabien und Pakistan. Was als strategische Kooperation beginnt, könnte zu einer machtvollen militärischen Achse mit nuklearer Dimension werden und das geopolitische Gleichgewicht im Nahen Osten dauerhaft verschieben.

Türkei vor Beitritt zu saudisch-pakistanischem Verteidigungspakt: Entsteht eine islamische NATO gegen Westen und Israel?

Der Nahe Osten steht vor einer tektonischen Verschiebung. Während der Westen noch über Stabilisierung, Deeskalation und alte Bündnisse spricht, formiert sich im Hintergrund ein neues Machtzentrum. Die Türkei bereitet sich offenbar darauf vor, einem Verteidigungspakt beizutreten, den Saudi-Arabien und Pakistan bereits geschlossen haben. Das Kernprinzip dieses Abkommens ist eindeutig und brisant: Ein Angriff auf einen der Partner gilt als Angriff auf alle.

Damit entsteht faktisch ein kollektives Sicherheitsbündnis islamisch geprägter Staaten, das in Struktur und Logik an die NATO erinnert - nur ohne westliche Wertebindung, ohne demokratische Kontrollmechanismen und ohne Rücksicht auf bestehende regionale Sicherheitsarchitekturen. In Jerusalem, Washington und europäischen Hauptstädten dürfte diese Entwicklung mit wachsender Sorge verfolgt werden.

Im Zentrum dieses neuen Dreiecks stehen drei sehr unterschiedliche, aber sich ergänzende Machtressourcen. Saudi-Arabien bringt enorme finanzielle und wirtschaftliche Stärke ein, Pakistan verfügt über nukleare Abschreckung, ballistische Raketen und eine kampferprobte Armee, und die Türkei steuert militärische Erfahrung, eine hochentwickelte Rüstungsindustrie und das zweitgrößte Heer der NATO bei. Zusammen ergibt das eine Kombination, die nicht nur regional, sondern global Wirkung entfalten kann.

Für Ankara ist dieser Schritt mehr als nur taktisch. Unter Präsident Recep Tayyip ErdoÄŸan verfolgt die Türkei seit Jahren eine Politik strategischer Autonomie. Das Verhältnis zu den USA ist belastet, das Vertrauen in westliche Sicherheitsgarantien geschwächt. Gleichzeitig positioniert sich Ankara zunehmend als eigenständige Führungsmacht der islamischen Welt - zwischen Neo-Osmanismus, militärischem Pragmatismus und ideologischer Ambivalenz.

Saudi-Arabien wiederum befindet sich unter der Führung von Mohammed bin Salman in einem tiefgreifenden Transformationsprozess. Riad will militärisch unabhängiger werden, seine Sicherheitsarchitektur diversifizieren und sich nicht länger ausschließlich auf Washington verlassen. Der Pakt mit Pakistan war ein erster Schritt, die Öffnung gegenüber der Türkei der logische nächste.

Pakistan schließlich spielt in diesem Gefüge eine Schlüsselrolle. Als einzige islamische Atommacht verleiht Islamabad dem Bündnis eine nukleare Abschreckung, die weit über symbolische Politik hinausgeht. Die enge militärische Kooperation mit Ankara, etwa bei Drohnentechnologie, Marineprojekten und der Modernisierung der Luftwaffe, ist seit Jahren etabliert und wird nun auf eine neue politische Ebene gehoben.

Besonders alarmierend ist dabei nicht nur die militärische Dimension, sondern die strategische Stoßrichtung. In den zugrunde liegenden Gesprächen wird offen über neue Mechanismen zur Definition von Freunden und Feinden gesprochen. In diesem Kontext fällt immer wieder ein Name: Israel. Auch wenn das Bündnis offiziell defensiv deklariert ist, richtet sich seine Logik gegen bestehende regionale Allianzen, zu denen Israel zunehmend gehört - sei es über die Abraham-Abkommen oder über sicherheitspolitische Kooperationen mit Golfstaaten.

Hinzu kommt ein weiterer Aspekt, der kaum öffentlich diskutiert wird: Die Türkei ist weiterhin Mitglied der NATO. Ein Beitritt zu einem parallelen Verteidigungsbündnis mit Staaten, die eigene strategische Agenden verfolgen und teilweise offen antiwestliche Positionen vertreten, stellt die Bündnistreue Ankaras fundamental infrage. Es entsteht eine Doppelrolle, die langfristig nicht tragfähig sein dürfte.

Was hier entsteht, ist kein loses Gesprächsformat, sondern der Versuch, eine alternative Sicherheitsordnung zu etablieren. Eine Ordnung, in der wirtschaftliche Macht, religiöse Legitimation und militärische Härte miteinander verschmelzen. Für Europa und die USA bedeutet das einen weiteren Verlust an Einfluss. Für Israel bedeutet es eine strategische Herausforderung, die weit über klassische Bedrohungsszenarien hinausgeht.

Noch ist nichts unterschrieben, noch wird offiziell von Gesprächen gesprochen. Doch die Richtung ist klar. Sollte die Türkei diesem Bündnis tatsächlich beitreten, wäre das ein Einschnitt von historischer Tragweite nicht nur für den Nahen Osten, sondern für das globale Machtgefüge.


Autor: Redaktion
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Sonntag, 11 Januar 2026

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