Scheinrückzug der Hamas: Gaza-Verwaltung soll wechseln, Terrorstruktur bleibtScheinrückzug der Hamas: Gaza-Verwaltung soll wechseln, Terrorstruktur bleibt
Die Terrororganisation Hamas kündigt an, die zivile Verwaltung im Gazastreifen an ein neues Gremium unter amerikanischer Führung zu übergeben. Präsentiert wird der Schritt als „palästinensisches Interesse“. In Wahrheit offenbart er vor allem eines: taktisches Kalkül, internationalen Druck und den Versuch, Verantwortung abzustreifen, ohne Macht zu verlieren.
Zum ersten Mal seit ihrer gewaltsamen Machtübernahme im Gazastreifen signalisiert die Hamas offiziell die Bereitschaft, administrative Kontrolle abzugeben. Nach Angaben ihres eigenen Sprachrohrs SAFA wurden sämtliche Behörden und Institutionen angewiesen, sich auf eine Übergabe der Verwaltung an eine sogenannte technokratische palästinensische Regierung vorzubereiten. Dieses Konstrukt soll unter der geplanten „Board of Peace“ entstehen, einer Initiative von US-Präsident Donald Trump, die Gaza nach dem Krieg in eine neue politische Ordnung überführen soll.
Die Wortwahl der Hamas ist dabei bezeichnend. Man spreche von einem Schritt im „höheren palästinensischen Interesse“ und von der Umsetzung eines Plans, der den Krieg beendet habe. Was fehlt, ist jede Form von Selbstkritik, jede Anerkennung der eigenen Verantwortung für Zerstörung, Terror und das systematische Missbrauchen der Zivilbevölkerung als menschliche Schutzschilde. Die Hamas inszeniert sich einmal mehr nicht als Täter, sondern als vermeintlich verantwortungsbewusster Akteur, der Raum für andere schafft.
Kern des Plans ist ein technokratisches Verwaltungsmodell für Gaza. Die Mitglieder dieses Gremiums sollen von Palästinensern ausgewählt, jedoch erst nach einer Sicherheitsüberprüfung durch Israel eingesetzt werden. Die Aufsicht übernimmt das Board of Peace, dessen Zusammensetzung in den kommenden Tagen erwartet wird. Als Leiter ist der frühere UN-Gesandte Nickolay Mladenov vorgesehen.
Aus israelischer Sicht ist dabei eine rote Linie unmissverständlich gezogen. Ministerpräsident Benjamin Netanyahu hat klargemacht, dass eine Übergabe ziviler Strukturen nur dann akzeptabel ist, wenn sie mit der vollständigen Entwaffnung der Hamas und der Demilitarisierung des Gazastreifens einhergeht. Diese Forderung ist kein diplomisches Detail, sondern die zentrale Lehre aus Jahren gescheiterter Arrangements. Eine zivile Fassade bei gleichzeitigem Fortbestand bewaffneter Terrorstrukturen ist für Israel keine Option mehr.
Genau hier liegt der Kern des Problems. Die Hamas spricht von Verwaltung, nicht von Macht. Sie redet über Ministerien, nicht über Waffen. Über Behörden, nicht über Brigaden. Nichts deutet darauf hin, dass sie bereit wäre, ihre militärischen Strukturen, ihre Tunnel, ihre Raketen oder ihre ideologische Kontrolle über große Teile der Bevölkerung aufzugeben. Die angekündigte Übergabe wirkt daher weniger wie ein Abschied, sondern wie ein taktischer Rückzug aus einem Bereich, der nach dem Krieg politisch, finanziell und moralisch nicht mehr zu halten ist.
Für die internationale Gemeinschaft ist dieser Schritt dennoch verführerisch. Nach Monaten der Zerstörung, des Leids und der festgefahrenen Debatten klingt jede Bewegung nach „Nachkriegsordnung“ wie Fortschritt. Doch genau hier liegt die Gefahr. Wer Verwaltung von Sicherheit trennt, wer Wiederaufbau denkt, ohne Entwaffnung durchzusetzen, bereitet den nächsten Konflikt bereits vor.
Auch die Einbindung der Palästinensischen Autonomiebehörde bleibt heikel. Gespräche zwischen Mladenov und PA-Vertretern zeigen, wie komplex und fragil das Konstrukt ist. Gaza ist politisch, gesellschaftlich und sicherheitlich kein neutrales Verwaltungsproblem, sondern das Epizentrum einer Ideologie, die Gewalt nicht als Mittel, sondern als Identität begreift.
Die Hamas versucht nun, sich dieser Verantwortung zu entziehen. Indem sie die zivile Last abgibt, hofft sie, internationalen Druck zu mindern, Sanktionen zu umgehen und sich neu zu positionieren. Die Waffen jedoch sollen offenbar bleiben. Das ist kein Friedenssignal, sondern ein Warnzeichen.
Ein echter Neuanfang für Gaza ist nur möglich, wenn die Terrorherrschaft nicht nur aus den Büros, sondern aus dem gesamten Streifen verschwindet. Alles andere wäre eine gefährliche Illusion bezahlt von den Menschen in Gaza und bedrohend für Israel.
Autor: Redaktion
Bild Quelle:
Montag, 12 Januar 2026