Liebe Leserinnen und Leser,
haOlam.de arbeitet ohne Verlag und ohne institutionelle Unterstützung.
Das vergangene Jahr hat uns deutlich gezeigt, wie wichtig unabhängige Berichterstattung ist.
Um unsere Arbeit 2026 vollständig fortführen zu können, müssen wir weiterhin auf Ihr Mitwirken bauen. Unser Ziel liegt bei 8.000 Euro, ideal wären 10.000 Euro. Wir sind noch nicht am Ende angekommen jede Unterstützung hilft uns jetzt besonders. Kontakt bei Fragen: kontakt@haolam.de
Libanons Außenminister erkennt Israels Angriffsrecht an – Hisbollah attackiert Regierung und droht offen

Libanons Außenminister erkennt Israels Angriffsrecht an – Hisbollah attackiert Regierung und droht offen


Eine Aussage, die in Beirut wie ein politisches Erdbeben wirkt. Libanons Außenminister erklärt offen, dass Israel Angriffe fortsetzen dürfe, solange die Hisbollah nicht entwaffnet ist. Die Reaktion der Terrororganisation folgt prompt und zeigt die Machtverhältnisse im Land.

Libanons Außenminister erkennt Israels Angriffsrecht an – Hisbollah attackiert Regierung und droht offen

Mit einem einzigen Satz hat der libanesische Außenminister Youssef Rajji eine innenpolitische Lawine ausgelöst. In einem Interview mit Sky News Arabia erklärte er, dass Israel das Recht habe, seine militärischen Angriffe fortzusetzen, solange die Hisbollah nicht vollständig entwaffnet sei. Für einen amtierenden Außenminister des Libanon ist diese Feststellung außergewöhnlich. Für Hisbollah ist sie ein Affront.

Die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten. Die Terrororganisation, die sich seit Jahren als Schutzmacht des Libanon inszeniert, reagierte mit wütender Rhetorik. Die ihr nahestehende Zeitung Al-Akhbar bezeichnete Rajji als „Sprecher des Feindes innerhalb der Regierung“ und stellte offen die Loyalität des Außenministeriums infrage. Der Tonfall ist bezeichnend für ein Land, in dem bewaffnete Milizen politische Aussagen mitentscheiden.

Ein Satz, der das Machtgefüge offenlegt

Rajji hatte ausgesprochen, was im Libanon viele wissen, aber kaum jemand öffentlich formuliert. Solange Hisbollah über ein eigenes Raketenarsenal, autonome Kommandostrukturen und faktische Kontrolle ganzer Landesteile verfügt, bleibt der libanesische Staat unvollständig souverän. Dass Israel militärisch reagiert, wird selbst von Teilen der libanesischen Elite als Konsequenz dieses Zustands gesehen.

Doch genau diese Wahrheit trifft den Nerv der Hisbollah. In ihrer Sicht untergräbt jede Anerkennung israelischer Sicherheitsargumente den eigenen Anspruch, als „Widerstandsbewegung“ zu gelten. Deshalb wird Rajjis Aussage nicht als diplomatische Analyse gewertet, sondern als Verrat.

Hisbollahs Gegenangriff auf den Staat

In der scharfen Stellungnahme warf Al-Akhbar dem Außenminister vor, er habe Israels „Aggression legitimiert“ und diene systematisch einer israelischen Agenda. Seine Worte seien kein Versprecher, sondern Teil einer Linie, die das libanesische Außenministerium zu einem Instrument des Gegners mache. Diese Wortwahl ist mehr als Polemik. Sie ist eine Machtdemonstration.

Denn sie zeigt, wer im Libanon definiert, was sagbar ist. Ein demokratisch eingesetzter Minister wird öffentlich delegitimiert, weil er eine Position äußert, die der bewaffneten Terrororganisation nicht passt. Die implizite Botschaft ist klar: Außenpolitik ist im Libanon nur so lange legitim, wie sie den Interessen der Hisbollah dient.

Parlamentarische Drohungen und politische Einschüchterung

Auch innerhalb des Parlaments folgte harsche Kritik. Der Hisbollah-Abgeordnete Ali Ammar sprach von einem „politischen, nationalen und moralischen Versagen“ und forderte Präsident und Premierminister auf, Rajji in die Schranken zu weisen. Es ist die bekannte Strategie: öffentlicher Druck, moralische Anklage, Androhung politischer Konsequenzen.

Dabei geht es nicht um einzelne Worte, sondern um eine grundsätzliche Frage. Kann der libanesische Staat überhaupt unabhängig handeln, solange eine bewaffnete Terrororganisation jede abweichende Position als feindlich brandmarkt?

Die eigentliche Debatte wird vermieden

Auffällig ist, worüber Hisbollah nicht spricht. Nicht über die Resolutionen der Vereinten Nationen, die ihre Entwaffnung fordern. Nicht über die Zerstörung, die ihre militärische Strategie über Jahre über den Libanon gebracht hat. Nicht über die Tatsache, dass ihr Waffenarsenal Israel immer wieder Vorwände für Angriffe liefert.

Stattdessen richtet sich der Zorn gegen einen Minister, der einen Zusammenhang benennt. Dass Hisbollah nicht argumentiert, sondern diffamiert, sagt viel über ihre Position aus. Sie verteidigt nicht den Libanon, sondern ihre bewaffnete Sonderrolle.

Die Affäre um Rajji macht sichtbar, wie eingeschränkt der politische Handlungsspielraum in Beirut ist. Wer öffentlich anerkennt, dass Sicherheit und Souveränität nur ohne Milizen möglich sind, wird zum Ziel. Hisbollah reagiert nicht wie ein politischer Akteur, sondern wie das, was sie ist: eine Terrororganisation mit staatlichem Einfluss.

Für Israel bestätigt die Episode eine alte Erkenntnis. Der Libanon ist nicht der Gegner, sondern Geisel einer bewaffneten Struktur. Für den Libanon selbst ist es ein weiterer Beweis dafür, wie schwer es ist, staatliche Autorität zurückzugewinnen, solange Kritik an der Hisbollah als Hochverrat gilt.


Autor: Redaktion
Bild Quelle: By © European Union, 2026, CC BY 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=178418774


Donnerstag, 15 Januar 2026

haOlam via paypal unterstützen


Hinweis: Sie benötigen kein PayPal-Konto. Klicken Sie im nächsten Schritt einfach auf „Mit Debit- oder Kreditkarte zahlen“, um per Lastschrift oder Kreditkarte zu unterstützen.
empfohlene Artikel
weitere Artikel von: Redaktion
Newsletter


meistgelesene Artikel der letzten 7 Tage