Washington zögert noch, aber die Option Iran-Schlag bleibt auf dem TischWashington zögert noch, aber die Option Iran-Schlag bleibt auf dem Tisch
Die Vereinigten Staaten verlegen massiv militärische Kräfte in den Nahen Osten. In Jerusalem geht man davon aus, dass ein amerikanischer Angriff auf Iran keineswegs vom Tisch ist, sondern lediglich auf den richtigen Moment wartet. Hinter den Kulissen laufen intensive Abstimmungen militärisch wie politisch.
In Israel herrscht die klare Einschätzung, dass eine amerikanische Militäraktion gegen Iran weiterhin realistisch ist. Nicht als spontaner Schlag, sondern als kalkulierter Schritt. Nach Informationen aus israelischen Sicherheitskreisen sucht Washington derzeit nach dem passenden Zeitpunkt, um maximalen Effekt zu erzielen - militärisch wie politisch.
Die Vereinigten Staaten bauen ihre maritime und luftgestützte Präsenz in der Region systematisch aus. In den kommenden Tagen sollen zusätzliche Flugzeugträger, Begleitschiffe und weitere militärische Fähigkeiten in den Nahen Osten verlegt werden. Ziel ist es, Handlungsfreiheit zu schaffen - unabhängig davon, ob sich Präsident Donald Trump letztlich für einen Angriff oder für einen diplomatischen Kurs entscheidet.
Kein schneller Sturz des Regimes
In israelischen Analysen gilt als gesichert, dass ein Sturz des iranischen Regimes nicht mit einem einzigen Schlag erreichbar wäre. Wer ernsthaft auf einen Machtwechsel in Teheran abzielt, muss langfristig planen, Kräfte bündeln und vor allem den Tag danach mitdenken. Genau diese Überlegung prägt derzeit das amerikanische Zögern.
Ein zentraler Faktor bleibt die Lage im Inneren Irans. Nach israelischen Schätzungen wurden seit Beginn der Proteste bis zu 3.000 Demonstranten getötet, rund ein Drittel davon in Teheran. Zwar ist die Intensität der Proteste zuletzt zurückgegangen, doch von einer Befriedung kann keine Rede sein. Sicherheitsdienste gehen davon aus, dass neue Ausbrüche jederzeit möglich sind - ebenso wie eine weitere Eskalation der Gewalt durch das Regime von Ali Khamenei.
Israel betont volle Einsatzbereitschaft
Parallel zu den amerikanischen Vorbereitungen stellte die israelische Armee klar, dass sie umfassend einsatzbereit ist. Berichte, Israel habe Washington um eine Verschiebung eines möglichen Angriffs wegen unzureichender Luftverteidigung gebeten, wies das Militär zurück. Die Luftabwehr sei nicht der begrenzende Faktor, hieß es aus Armeekreisen.
Der israelische Generalstabschef Eyal Zamir steht in engem Kontakt mit dem amerikanischen Militär. In den vergangenen Tagen sprach er mehrfach mit dem Kommandeur des US Zentralkommandos Brad Cooper. Dabei ging es um operative Abstimmung und mögliche Szenarien für die nächste Phase.
Auch politisch bleibt der Draht heiß. Präsident Trump telefonierte innerhalb von zwei Tagen zweimal mit Benjamin Netanyahu, um die Lage in Iran zu erörtern. Washington prüft derzeit zwei Wege parallel - militärische Gewalt oder erneute diplomatische Gespräche.
Trumps widersprüchliche Signale
Zusätzliche Irritationen löste Trump mit seiner öffentlichen Erklärung aus, er habe sich gegen einen sofortigen Angriff entschieden, nachdem Iran angeblich geplante Hinrichtungen ausgesetzt habe. Mehr als 800 Exekutionen seien abgesagt worden, schrieb der Präsident. Diese Darstellung wird von iranischen Exilmedien und Oppositionskreisen allerdings stark angezweifelt.
In Jerusalem bewertet man diese Aussagen mit Vorsicht. Die Annahme, das Regime habe aus humanitären Gründen eingelenkt, gilt als wenig überzeugend. Vielmehr gehen israelische Stellen davon aus, dass Teheran taktisch agiert, um Zeit zu gewinnen und internationalen Druck zu reduzieren.
Eine gespannte Geduldsprobe
Die aktuelle Lage ist geprägt von militärischer Vorbereitung, politischem Abwarten und strategischer Unsicherheit. Ein amerikanischer Angriff ist nicht abgesagt, sondern vertagt. Die Frage ist nicht mehr, ob Washington handeln kann, sondern ob und wann es will.
Für Israel bedeutet diese Phase vor allem eines: hohe Wachsamkeit und Durchhaltefähigkeit. Die Spannung könnte noch Wochen anhalten. Entscheidungen fallen nicht öffentlich, sondern in abgeschirmten Räumen - mit Konsequenzen, die weit über Iran hinausreichen.
Autor: Redaktion
Bild Quelle: By The White House - https://www.flickr.com/photos/202101414@N05/55044420328/, Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=181917476
Samstag, 17 Januar 2026