Washington bestimmt die Zukunft Gazas, Türkei und Katar sitzen mit am TischWashington bestimmt die Zukunft Gazas, Türkei und Katar sitzen mit am Tisch
Die Vereinigten Staaten ziehen die Fäden für die Zeit nach der Hamas. Ein neues Gremium soll Gaza stabilisieren, entwaffnen und wiederaufbauen. Doch die Zusammensetzung wirft Fragen auf auch aus israelischer Sicht.
Das Weiße Haus hat die Mitglieder des neuen sogenannten Gaza Board of Peace vorgestellt. Dieses Gremium soll den Wiederaufbau des Gazastreifens organisieren und zugleich die vollständige Entwaffnung der Hamas sicherstellen. An der Spitze steht kein Geringerer als Donald Trump selbst, der den Vorsitz übernimmt. Die Entscheidung markiert einen tiefen Eingriff Washingtons in die künftige Ordnung Gazas - politisch, sicherheitlich und administrativ.
Nach amerikanischer Darstellung soll das Board nicht nur Geld verteilen, sondern die Grundlagen für eine neue Regierungsstruktur legen. Gaza soll aus der Herrschaft der Hamas herausgelöst und in eine Übergangsphase geführt werden, die langfristig stabile Selbstverwaltung ermöglichen soll. Doch wer diese Phase gestaltet, ist politisch brisant.
Ein internationales Gremium mit heikler Beteiligung
Das Board of Peace besteht aus sieben Gründungsmitgliedern. Neben US Außenminister Marco Rubio gehören der Sondergesandte Steve Witkoff, Trumps Schwiegersohn Jared Kushner, der frühere britische Premier Tony Blair, der Investor Marc Rowan, Weltbank Präsident Ajay Banga sowie Robert Gabriel dazu. Die Auswahl signalisiert, dass Washington wirtschaftliche, politische und sicherheitspolitische Hebel zugleich nutzen will.
Parallel dazu wurde die Führung der International Stabilization Force benannt. Der Verband soll vor Ort Sicherheit gewährleisten, die Demilitarisierung vorantreiben und die Einfuhr von Hilfs und Baumaterial absichern. Das Kommando übernimmt Generalmajor Jasper Jeffers. Seine Aufgabe ist zentral, denn ohne militärische Kontrolle bleibt jede zivile Verwaltung Theorie.
Türkei und Katar als Mitgestalter
Besonders sensibel ist die Zusammensetzung des sogenannten Gaza Executive Board. Dieses Gremium soll die praktische Verwaltung unterstützen. Mit dabei sind Vertreter aus der Türkei und Katar - zwei Staaten, die über Jahre enge Kontakte zur Hamas pflegten. Genannt wurden unter anderem der türkische Außenminister Hakan Fidan und der katarische Diplomat Ali Al Thawadi.
Aus israelischer Perspektive ist das kein Detail, sondern ein Problem. Beide Länder traten in der Vergangenheit nicht als neutrale Vermittler auf, sondern als politische Schutzmächte der Hamas Führung. Dass sie nun an der Gestaltung der Nachkriegsordnung beteiligt werden, nährt die Sorge, alte Netzwerke könnten unter neuem Etikett fortbestehen.
Ergänzt wird das Gremium durch Vertreter Ägyptens, der Vereinigten Arabischen Emirate sowie durch internationale Akteure wie Sigrid Kaag. Auch der israelische Unternehmer Yakir Gabay ist Teil des Boards, was als Versuch gewertet wird, israelische Interessen zumindest indirekt einzubinden.
Technokraten statt Ideologen
Für die zivile Verwaltung Gazas ist ein weiteres Organ vorgesehen. Die National Committee for the Administration of Gaza soll als technokratische Übergangsregierung fungieren. Geleitet wird sie von Dr. Ali Sha’ath. Aufgabe des Gremiums ist die Wiederherstellung grundlegender Dienstleistungen, der Wiederaufbau ziviler Institutionen und die Stabilisierung des Alltags. Washington spricht bewusst von Technokraten, nicht von Politikern.
Als Bindeglied zwischen Board of Peace und dieser Verwaltung fungiert der frühere UN Sondergesandte Nickolay Mladenov. Er soll vor Ort agieren und die internationale Steuerung mit der Realität in Gaza verbinden.
Trump erklärte, er unterstütze ausdrücklich diese neue palästinensische Verwaltung für die Übergangszeit. Ziel sei es, Gaza in eine Phase zu führen, in der weder Hamas noch Chaos den Alltag bestimmen.
Israels stille Skepsis
In Jerusalem wird die amerikanische Initiative aufmerksam, aber reserviert verfolgt. Dass die Entwaffnung der Hamas explizit genannt wird, gilt als positives Signal. Doch die Einbindung von Staaten, die Hamas politisch Rückendeckung gaben, wirft Zweifel auf. Entscheidend wird sein, ob die International Stabilization Force tatsächlich durchgreifen darf oder ob politische Rücksichtnahmen die Umsetzung lähmen.
Israelische Sicherheitskreise betonen seit Jahren, dass Gaza nicht mit Verwaltungsmodellen gerettet wird, solange Terrorstrukturen überleben. Der Wiederaufbau kann nur funktionieren, wenn Waffen, Tunnel und Milizen verschwinden. Alles andere wäre kosmetisch.
Ein Experiment mit hohem Risiko
Das Gaza Board of Peace ist ein ambitioniertes Projekt. Es bündelt Macht, Geld und internationale Legitimation. Doch es trägt auch das Risiko, alte Fehler zu wiederholen. Die internationale Gemeinschaft hat Gaza mehrfach neu ordnen wollen - und ist gescheitert, weil Sicherheitsrealität und politische Interessen auseinanderliefen.
Ob dieses Modell einen echten Bruch mit der Vergangenheit darstellt oder nur eine neue Fassade schafft, wird sich nicht in Erklärungen aus dem Weißen Haus zeigen. Sondern auf den Straßen Gazas. Und an der Frage, ob Hamas tatsächlich verschwindet - oder nur ihre Form ändert.
Autor: Redaktion
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Samstag, 17 Januar 2026