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Vom Hamas-Kämpfer zum Gegner der Terrorherrschaft

Vom Hamas-Kämpfer zum Gegner der Terrorherrschaft


Ein Mann aus dem innersten Kreis der Hamas bricht mit seiner Vergangenheit. Seine Worte sind eine Anklage gegen eine Ideologie, die Gaza zerstört hat – und ein seltenes Signal aus dem Inneren der Enklave.

Vom Hamas-Kämpfer zum Gegner der Terrorherrschaft

Es ist ein Vorgang von außergewöhnlicher Tragweite, der sich derzeit in Khan Younis abzeichnet. Hamza Mahra, ehemaliger Nukhba-Kämpfer, Enkel eines Hamas-Gründers und jahrelang Teil der militärischen Elite des Terrornetzwerks Hamas, hat öffentlich mit der Bewegung gebrochen. In einem exklusiven Interview spricht er nicht nur von persönlicher Abkehr, sondern von einem tiefen Zerfall innerhalb der Hamas selbst.

Mahra war kein Mitläufer. Er wuchs im ideologischen Kern der Organisation auf, wurde früh militärisch geschult und galt als Teil jener Generation, die Hamas als Erben des „Widerstands“ formen wollte. Heute steht er bewaffnet auf der Gegenseite - in einer lokalen Miliz, die offen gegen Hamas operiert und punktuell mit Israel kooperiert. Sein Motiv beschreibt er nüchtern: Überleben, Wahrheit, Zukunft.

Eine ideologische Lüge

Mahras Abrechnung mit Hamas ist schonungslos. Die Ideologie, sagt er, sei nicht auf Befreiung ausgerichtet, sondern auf Machterhalt, Gewalt und persönliche Bereicherung der Führung. Frieden, menschliche Würde und Schutz der eigenen Bevölkerung seien nie Ziele gewesen, sondern leere Parolen.

Er beschreibt einen langen inneren Bruch, keine spontane Entscheidung. Über Jahre habe er erlebt, wie Zivilisten geopfert, junge Männer instrumentalisiert und ganze Familien ins Verderben gestoßen wurden. Der 7. Oktober markierte für ihn den endgültigen Wendepunkt. Nicht als militärischer Erfolg, sondern als historischer Fehler, der Gaza in eine Katastrophe geführt habe, aus der es sich kaum selbst befreien könne.

Seine Worte sind bemerkenswert, weil sie aus einem Milieu stammen, das bislang kaum öffentlich widersprochen hat. Er spricht von Angst innerhalb der Hamas-Strukturen, von internen Säuberungen, wachsender Paranoia und einer Führung, die den Kontakt zur eigenen Bevölkerung verloren hat.

Gewalt gegen die eigene Gesellschaft

Besonders eindringlich ist Mahras Beschreibung der internen Gewalt. Wer Zweifel äußere, werde bedroht, isoliert oder eliminiert. Junge Kämpfer, die erkennen, dass sie für einen aussichtslosen Kampf missbraucht werden, hätten kaum Auswege. Einige fliehen, andere schließen sich lokalen Milizen an, die sich zunehmend gegen Hamas richten.

Diese Milizen sind kein homogener Block. Es handelt sich um lose Zusammenschlüsse lokaler Kräfte, oft aus Clans oder ehemaligen Sicherheitsstrukturen, die sich gegen die Hamas-Herrschaft wenden. In Khan Younis operiert die Gruppe um Hussam al-Astal, der auch Mahra angehört. In anderen Teilen des Gazastreifens existieren weitere bewaffnete Gruppen, die Hamas offen herausfordern.

Ein Aufruf zur Kapitulation

Mahras Botschaft an seine ehemaligen Kameraden ist ungewöhnlich klar. Er fordert jene, die nicht direkt an Morden beteiligt waren, zur Aufgabe auf. Wer seine Waffen niederlege, könne Teil eines neuen zivilen Gefüges werden. Wer weiterkämpfe, trage die Verantwortung für weiteres Leid.

Dieser Appell ist kein Ausdruck von Humanismus allein, sondern auch ein strategisches Signal. Die innere Erosion der Hamas ist real. Sie wird nicht nur durch militärischen Druck von außen verursacht, sondern durch wachsenden Widerstand von innen. Mahra beschreibt eine Stimmung, in der Angst vor der eigenen Führung größer geworden sei als vor Israel.

Die Bedeutung dieses Interviews reicht über die Person Hamza Mahra hinaus. Es zeigt, dass Hamas nicht mehr als monolithische Macht agiert, sondern als zunehmend isoliertes Regime, das seine Kontrolle nur noch durch Gewalt aufrechterhält. Der moralische Anspruch, im Namen der Palästinenser zu handeln, wird von immer mehr Akteuren im Gazastreifen selbst infrage gestellt.

Für Israel sind solche Stimmen kein propagandistischer Bonus, sondern ein strategischer Faktor. Sie unterstreichen, dass eine Zukunft ohne Hamas nicht nur ein außenpolitisches Ziel ist, sondern auch ein inneres Bedürfnis vieler Menschen in Gaza.

Mahras Worte sind kein Heilsversprechen. Aber sie sind ein Riss in der Fassade einer Terrorherrschaft, die jahrzehntelang vorgab, im Namen eines ganzen Volkes zu sprechen. Dieser Riss könnte größer werden.


Autor: Bernd Geiger
Bild Quelle: Screenshot X


Sonntag, 18 Januar 2026

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