8.000 bewaffnete Kräfte für Gaza – warum die Rückkehr der PA keine Lösung ist8.000 bewaffnete Kräfte für Gaza – warum die Rückkehr der PA keine Lösung ist
Ägypten, Jordanien und die EU bilden tausende Sicherheitskräfte der Palästinensischen Autonomiebehörde aus. Offiziell geht es um Stabilität. Tatsächlich droht die Rückkehr des Terrors unter anderem Namen.
Während die USA die nächste Phase ihres Gaza-Plans vorantreiben, rückt ein Element in den Mittelpunkt, das in Israel große Sorge auslöst. Nach übereinstimmenden Berichten sollen rund 8.000 Angehörige der Sicherheitskräfte der Palästinensischen Autonomiebehörde für einen Einsatz im Gazastreifen ausgebildet werden. Die Trainings finden in Ägypten und Jordanien statt, weitere Programme werden von der Europäischen Union vorbereitet.
Die Zahlen stammen aus offiziellen palästinensischen Quellen. Allein Ägypten plant demnach die Ausbildung von bis zu 5.000 Polizeikräften aus Gaza, finanziert und koordiniert durch die Palästinensische Autonomiebehörde. Zusätzlich beabsichtigt die EU, weitere 3.000 Polizisten außerhalb des Gazastreifens zu trainieren. Zusammengenommen entsteht damit eine bewaffnete Struktur, die künftig die Kontrolle über Gaza übernehmen soll.
Terroristen in Uniform
Was in westlichen Hauptstädten als pragmatischer Stabilitätsansatz gilt, wird in Israel fundamental anders bewertet. Denn die sogenannten Sicherheitskräfte der PA sind nicht neutral. Sie stehen überwiegend unter dem Einfluss der Fatah, jener Organisation, die formell den Präsidenten Mahmoud Abbas trägt, in der Vergangenheit aber selbst tief in Terroraktivitäten verstrickt war.
Diese Einschätzung beruht nicht auf israelischen Behauptungen allein. Führende Fatah-Vertreter brüsten sich offen mit ihrer Rolle im bewaffneten Kampf. Erst kürzlich erklärte ein Mitglied des Fatah-Zentralkomitees öffentlich, dass die Mehrheit der palästinensischen Gefangenen in israelischen Gefängnissen aus Fatah stamme und zahlreiche Kommandeure der PA-Sicherheitskräfte bei Terroranschlägen getötet worden seien. Für ihn sei das der Beweis, dass Fatah den bewaffneten Kampf nie aufgegeben habe.
Ausbildung mit politischer Agenda
Besonders brisant ist der Inhalt der Ausbildungsprogramme. Laut der offiziellen PA-Tageszeitung Al-Hayat Al-Jadida umfassen die Kurse nicht nur polizeiliche und operative Schulungen, sondern auch ideologische Unterweisungen. Teilnehmer berichteten, dass ihnen die Rolle der PLO als einzig legitime Vertretung der Palästinenser vermittelt werde, ebenso wie das Ziel eines palästinensischen Staates. Die Sicherheitskräfte sollen also nicht nur Ordnung durchsetzen, sondern eine politische Agenda absichern.
Die Gehälter der ausgebildeten Kräfte sollen weiterhin von der PA gezahlt werden. Damit bliebe Gaza faktisch unter der Kontrolle Ramallahs, auch wenn dies formal als Übergangslösung oder technokratische Verwaltung verkauft wird.
Widerspruch zu Israels Position
Israels Premierminister Benjamin Netanyahu hat unmissverständlich klargemacht, dass Israel weder eine Rückkehr der Hamas noch eine Herrschaft der PA im Gazastreifen akzeptieren wird. Aus israelischer Sicht würde ein solcher Schritt keinen Bruch mit dem Terror bedeuten, sondern lediglich einen Austausch der Akteure.
Auch palästinensische Stimmen bestätigen, dass die geplanten Kräfte langfristig die „Kontrolle über Gaza wiederherstellen“ sollen. Dabei sei eine erhebliche ägyptische Präsenz vorgesehen, während internationale Kräfte vor allem eine überwachende Rolle übernehmen würden. Die Hauptlast, so heißt es, trügen palästinensische und ägyptische Einheiten.
Stabilität oder Illusion
Der Ansatz folgt einer bekannten Logik. Man greift auf vorhandene Strukturen zurück, um schnell Handlungsfähigkeit zu demonstrieren. Doch genau darin liegt das Risiko. Die PA-Sicherheitskräfte sind kein unbeschriebenes Blatt. Sie waren in der Vergangenheit immer wieder an Terroraktivitäten beteiligt oder haben diese gedeckt. Ihre Rückkehr nach Gaza könnte alte Machtkämpfe neu entfachen und radikale Netzwerke reaktivieren.
Wer Hamas durch Fatah-nahe bewaffnete Kräfte ersetzt, schafft keine terrorfreie Zone. Er verschiebt lediglich das Etikett. Eine nachhaltige Stabilisierung Gazas erfordert Strukturen, die nicht ideologisch vorbelastet und nicht selbst Teil des Problems sind.
Ein gefährlicher Pragmatismus
Für westliche Akteure mag der Plan verlockend erscheinen. Er suggeriert Fortschritt, Ordnung und einen schnellen Übergang. Doch die eigenen Aussagen der PA und ihrer Vertreter zeichnen ein anderes Bild. Sie machen deutlich, dass der bewaffnete Kampf weiterhin Teil ihres Selbstverständnisses ist.
Wenn das Ziel wirklich ein Gaza ohne Terror ist, wird es nicht reichen, bestehende Terrorstrukturen neu zu verpacken. Eine echte Lösung erfordert einen Bruch mit allen Organisationen, die Gewalt als legitimes Mittel begreifen. Alles andere ist ein kurzfristiger Pragmatismus mit langfristigen Folgen.
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Bild Quelle: By Fars Media Corporation, CC BY 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=138615083
Montag, 19 Januar 2026