Israels Regierung wirft Kushner gefährliche Einflussnahme auf Gaza-Plan vorIsraels Regierung wirft Kushner gefährliche Einflussnahme auf Gaza-Plan vor
Hinter den Kulissen der israelischen Politik wächst die Sorge, dass der geplante internationale Verwaltungsrahmen für Gaza zentrale Sicherheitsinteressen Israels untergräbt. Der Name Jared Kushner fällt dabei auffallend häufig.
Die Ankündigung einer internationalen Struktur für die Verwaltung des Gazastreifens nach dem Krieg hat in Jerusalem eine Debatte ausgelöst, die weit über formale Zuständigkeiten hinausgeht. Im Zentrum der Kritik steht nicht allein das Modell selbst, sondern die politische Handschrift, die mehrere Mitglieder des israelischen Sicherheitskabinetts darin erkennen. Besonders scharf richtet sich der Blick auf Jared Kushner, den Schwiegersohn von Donald Trump, dem eine prägende Rolle bei der Zusammensetzung des sogenannten National Committee for the Administration of Gaza zugeschrieben wird.
Nach Informationen aus vertraulichen Regierungskreisen werfen mehrere Minister Kushner vor, durch seine engen Kontakte zu regionalen Akteuren bewusst Strukturen zu fördern, die Israel als sicherheitspolitisch problematisch einstuft. Besonders die vorgesehene Beteiligung der Türkei und Katar stößt auf entschiedene Ablehnung. Beide Staaten gelten in Jerusalem seit Jahren nicht als neutrale Akteure, sondern als politische Schutzmächte der Hamas, finanziell, ideologisch oder diplomatisch.
Innerhalb des Kabinetts wird betont, dass Israel grundsätzlich bereit ist, über eine zivile Verwaltung für Gazastreifen zu sprechen. Die Ablehnung richtet sich nicht gegen internationale Beteiligung an sich, sondern gegen die Auswahl jener Staaten, die künftig Einfluss auf Sicherheit, Wiederaufbau und politische Weichenstellungen haben sollen. Insbesondere Ankara wird als rote Linie bezeichnet. Die politische Nähe der türkischen Führung zur Hamas lasse keinerlei Vertrauen in eine konstruktive Rolle zu, so der Tenor.
Mehrere Kabinettsmitglieder sehen in Kushners Vorgehen eine Fortsetzung früherer Konfliktlinien. Bereits 2020 habe er nach israelischer Lesart entscheidend dazu beigetragen, die geplante israelische Souveränitätserklärung in Judäa und Samaria auszubremsen. Heute, so der Vorwurf, setze er erneut auf regionale Ausgleichsmodelle, die aus israelischer Sicht Sicherheitsrealitäten ausblenden. Hinter vorgehaltener Hand ist sogar von persönlicher Verärgerung Kushners über Israels Haltung zum Grenzübergang Rafah die Rede, ein Vorwurf, der offiziell nicht bestätigt wird.
Bemerkenswert ist dabei der Umgang der israelischen Führung mit dem Konflikt. Anstatt die Auseinandersetzung auf die Ebene der Staats- und Regierungschefs zu heben, entschied sich das Kabinett bewusst für eine diplomatische Abkühlung. Gideon Sa’ar wurde angewiesen, das Thema mit seinem amerikanischen Amtskollegen zu klären. Damit sollte verhindert werden, dass der Streit zu einer offenen Belastungsprobe zwischen Benjamin Netanjahu und Trump wird.
Diese Vorgehensweise unterstreicht die strategische Vorsicht Jerusalems. Israel will die enge Partnerschaft mit Washington nicht gefährden, macht jedoch zugleich deutlich, dass es bei Gaza um existenzielle Sicherheitsfragen geht. In Regierungskreisen heißt es, der eigentliche Konflikt liege nicht in der Idee einer palästinensischen Zivilverwaltung, sondern in der internationalen Begleitmusik. Wer Gaza verwaltet, wer Sicherheit garantiert und wer politischen Einfluss ausübt, entscheidet aus israelischer Sicht darüber, ob der Gazastreifen stabilisiert oder erneut zur Terrorbasis wird.
Die kommenden Wochen dürften zeigen, ob die amerikanische Seite bereit ist, diese Bedenken ernsthaft zu berücksichtigen. In Jerusalem ist man sich einig, dass ein Gaza-Modell, das Akteure mit Nähe zur Hamas einbindet, für Israel nicht akzeptabel ist. Die Debatte um Kushner ist daher weniger eine persönliche Abrechnung als Ausdruck eines tieferliegenden Konflikts zwischen sicherheitspolitischer Vorsicht und diplomatischem Gestaltungswillen.
Autor: Redaktion
Bild Quelle: By The White House - https://www.flickr.com/photos/202101414@N05/54821691837/, Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=175854359
Montag, 19 Januar 2026