Kein Frieden, kein Vertrauen: Trumps Rat destabilisiert den Nahen Osten weiter selbst Israel ist alarmiertKein Frieden, kein Vertrauen: Trumps Rat destabilisiert den Nahen Osten weiter selbst Israel ist alarmiert
Was als internationale Friedensinitiative verkauft wird, entpuppt sich als machtpolitisches Projekt ohne Rückhalt in der Region. Trumps neuer Friedensrat schafft keine Ordnung, sondern vertieft Misstrauen auch in Jerusalem.
Der sogenannte Friedensrat von Donald Trump wird dieser Tage als mutige Alternative zu blockierten internationalen Institutionen dargestellt. Tatsächlich zeigt ein nüchterner Blick, dass dieses Gremium weder Frieden schafft noch Vertrauen erzeugt. Im Gegenteil. Es verstärkt bestehende Machtasymmetrien, legitimiert problematische Akteure und lässt die Region mit mehr offenen Fragen zurück, als sie zuvor hatte. Und bemerkenswert ist vor allem eines: Nicht einmal Israel ist zufrieden mit dem, was hier entsteht.
Ein Rat ohne Werte, aber mit Eintrittspreis
Rund 60 Staaten wurden eingeladen, Teil des Friedensrats zu werden. Wer dauerhaft dazugehören will, soll nach übereinstimmenden Berichten eine Milliarde Dollar zahlen. Wer nicht zahlt, darf zeitlich befristet mitmachen. Dieses Modell spricht eine klare Sprache. Einfluss wird gekauft, nicht erarbeitet. Frieden wird nicht ausgehandelt, sondern verwaltet.
Dass autoritäre Regime und Staaten mit direkter oder indirekter Unterstützung von Terrororganisationen eingeladen werden, während zentrale westliche Demokratien wie Frankreich und Großbritannien Abstand nehmen, offenbart die ideologische Leere dieses Projekts. Es geht nicht um internationale Normen, nicht um Recht, nicht um Verantwortung. Es geht um Machtverteilung unter denen, die bereit sind mitzuspielen.
Problematische Akteure am Tisch
Mit der Einladung von Wladimir Putin und dem belarussischen Machthaber Lukaschenko wird eine rote Linie überschritten. Russland führt einen offenen Angriffskrieg gegen die Ukraine und nutzt dabei iranische Drohnen. Moskau arbeitet strategisch mit dem iranischen Regime zusammen, das wiederum Hamas und Hisbollah aufrüstet. Wer diese Akteure als Garanten eines Friedensprozesses akzeptiert, relativiert ihre Rolle als Brandstifter.
Hinzu kommt die Präsenz der Türkei, die Hamas politisch schützt und deren Führung beherbergt. Ankara profitiert von der Existenz der Organisation als regionalem Druckmittel. Ein Staat, der Hamas nicht isoliert, sondern instrumentalisiert, hat kein Interesse an einer nachhaltigen Entmilitarisierung Gazas.
Der Iran selbst ist offiziell nicht eingeladen. Doch über Russland, über Hamas, über regionale Allianzen ist Teheran faktisch Teil des Spiels. Das Ergebnis ist eine indirekte Legitimierung genau jener Kräfte, die den Nahen Osten seit Jahren destabilisieren.
Israel zwischen Skepsis und Alarm
In Jerusalem wird diese Entwicklung mit wachsender Besorgnis verfolgt. Zwar hat auch Benjamin Netanyahu eine Einladung erhalten, doch eine klare Zustimmung blieb bislang aus. Hinter den Kulissen ist die Skepsis deutlich. Israel hat ein zentrales Interesse daran, dass Gaza nicht erneut zu einer Terrorbasis wird. Doch genau das droht, wenn Hamas politisch überlebt, statt konsequent entmachtet zu werden.
Israels Regierung hat mehrfach klargemacht, dass sie weder türkische noch katarische Sicherheitskräfte in Gaza akzeptieren wird. Auch eine technokratische Verwaltung, die unter dem Einfluss von Staaten steht, die Hamas unterstützen oder relativieren, wird in Jerusalem nicht als Sicherheitsgarantie gesehen. Der Friedensrat ignoriert diese roten Linien.
Frieden als Schlagwort, Chaos als Ergebnis
Trumps Ansatz folgt einer simplen Logik. Man bindet alle relevanten Machtakteure ein, unabhängig von ihrer Rolle in bestehenden Konflikten, und hofft, dass sich daraus eine stabile Ordnung ergibt. Doch diese Logik verkennt die Realität des Nahen Ostens. Hier erzeugt die Einbindung von Gewaltakteuren keine Stabilität, sondern neue Legitimation für alte Strukturen.
Was entsteht, ist kein Frieden, sondern ein organisiertes Chaos. Ein Zustand, in dem Konflikte eingefroren, aber nicht gelöst werden. In dem Terrororganisationen politisch überleben, regionale Mächte ihre Einflusszonen sichern und die Zivilbevölkerung erneut den Preis zahlt.
Machtpolitik statt Verantwortung
Der Friedensrat ist kein neutraler Raum. Er ist ein Instrument amerikanischer Machtausübung, das wirtschaftliche Interessen, geopolitische Deals und persönliche Netzwerke miteinander verknüpft. Dass Staaten sich durch finanzielle Beiträge Einfluss sichern können, macht deutlich, worum es geht. Nicht um Sicherheit, sondern um Kontrolle. Nicht um Gerechtigkeit, sondern um Verhandelbarkeit.
Für den Nahen Osten bedeutet das nichts Gutes. Jede Struktur, die Gewaltakteure einbindet, ohne sie zur Rechenschaft zu ziehen, verschärft langfristig die Instabilität. Jede Initiative, die Israels Sicherheitsbedenken ignoriert, untergräbt Vertrauen. Und jede Friedensrhetorik, die Macht und Geld über Prinzipien stellt, führt nicht aus dem Konflikt heraus, sondern tiefer hinein.
Eine klare Benennung ist nötig
Deshalb muss man es so benennen, wie es ist. Trumps Friedensrat ist kein Schritt in Richtung Frieden. Er ist ein machtpolitisches Experiment mit ungewissem Ausgang. Er nützt jenen, die Einfluss kaufen können, und schadet einer Region, die Stabilität dringend bräuchte. Dass selbst Israel, der zentrale Akteur in der aktuellen Krise, diesem Projekt mit Skepsis begegnet, sollte Warnung genug sein.
Wer Frieden will, muss klare Grenzen ziehen. Wer Chaos verwaltet, darf es nicht Frieden nennen.
Autor: Bernd Geiger
Bild Quelle: Symbolbild KI generiert
Mittwoch, 21 Januar 2026