„Sollen zur Hölle fahren“ Gaza-Bewohner rechnen mit Hamas-Führung ab

„Sollen zur Hölle fahren“ Gaza-Bewohner rechnen mit Hamas-Führung ab


Während die Bevölkerung trauert, hungert und in Trümmern lebt, denken Hamas-Funktionäre offenbar über Flucht ins Ausland nach. Für viele Menschen in Gaza ist das kein Skandal mehr, sondern der letzte Beweis für Verrat, Korruption und moralischen Bankrott.

„Sollen zur Hölle fahren“ Gaza-Bewohner rechnen mit Hamas-Führung ab

In Gaza spricht kaum noch jemand leise über die Hamas. Zu groß ist die Wut, zu tief der Schaden, zu offensichtlich die Kluft zwischen einer bewaffneten Elite und einer erschöpften Zivilbevölkerung. Berichte aus Saudi-Arabien, wonach führende Hamas-Kader ihre Ausreise aus dem Gazastreifen vorbereiten, haben eine Debatte ausgelöst, die ungewöhnlich offen geführt wird. Bewohner der Küstenenklave sagen heute laut, was früher nur hinter vorgehaltener Hand ausgesprochen wurde. Die Hamas soll gehen. Und nicht zurückkommen.

Viele Menschen in Gaza haben ihr Zuhause verloren, Angehörige begraben oder sind selbst verletzt worden. In dieser Lage wirkt die Vorstellung, dass dieselben Männer, die den Krieg ausgelöst und verlängert haben, nun sichere Korridore ins Ausland suchen, wie ein Schlag ins Gesicht. Khaled, ein bekannter Hamas-Kritiker aus Gaza, bringt es auf den Punkt. Für ihn sind die Funktionäre Kriminelle, die täglich mit dem Blut der eigenen Bevölkerung gehandelt haben. Dass sie nun verschwinden wollen, bezeichnet er nicht als Lösung, sondern als das geringere Übel.

Solange Hamas-Führungskräfte im Gazastreifen bleiben, sagt Khaled, bleibt die Gefahr eines erneuten Krieges bestehen. Ihre bloße Anwesenheit liefere den Vorwand für neue Kämpfe. Gaza habe keinen Nutzen von ihnen, nur Risiken. Sein Urteil ist hart, aber präzise. Eine radikale, bewaffnete Gruppe, die keine politische Verantwortung übernimmt und jede Kritik unterdrückt, lässt sich nicht reformieren. Sie kann nur entmachtet oder entfernt werden.

Noch deutlicher wird Iman, eine Bewohnerin Gazas. Sie hofft offen darauf, dass Hamas und der Islamische Jihad ihre Waffen niederlegen und den Gazastreifen verlassen. Für sie ist das die einzige realistische Möglichkeit, weiteres Blutvergießen zu verhindern. Andernfalls, sagt sie, werde es weitere gezielte Tötungen geben. Die meisten erfahrenen Hamas-Kommandeure seien bereits ausgeschaltet worden. Zurückgeblieben seien weniger fähige, aber weiterhin gefährliche Akteure. Zwei Namen fallen immer wieder. Izz al-Din al-Haddad, der die militärischen Resteinheiten führt, und Tawfiq Abu Naim, ein enger Vertrauter von Yahya Sinwar.

Sollte die Hamas nicht entwaffnet werden, so die verbreitete Einschätzung in Gaza, wird Israel handeln. Iman sagt offen, dass Benjamin Netanyahu entschlossen sei, Hamas vollständig zu zerschlagen und die verbliebenen Tunnel zu zerstören. Diese Tunnel seien keine Schutzräume, sondern Terrorzentralen, Waffenlager und Rückzugsorte für Anführer, während die Zivilbevölkerung schutzlos bleibt. Auch Donald Trump unterstütze diese Linie, sagt sie. Die Frist zur Entwaffnung laufe. Die Angst vor einer neuen militärischen Eskalation sei allgegenwärtig.

Noch drastischer äußert sich Juma, ein weiterer Bewohner Gazas. Er spricht von Verrat, von religiösem Missbrauch und von einer Bewegung, die Gaza in den Abgrund geführt habe. Seine Worte sind roh und ungeschönt. Er wünscht der Hamas nichts als ihr Ende. Für viele Menschen in Gaza ist das keine Radikalisierung, sondern ein Ausdruck tiefer Erschöpfung. Sie fühlen sich benutzt, geopfert und anschließend allein gelassen.

Hintergrund der Debatte sind Berichte der saudischen Zeitung A-Sharq Al-Awsat, wonach mehrere Hamas-Funktionäre an einer sicheren Ausreise arbeiten. Demnach soll es Absprachen mit der Auslandsführung geben. Einige Ausreisen seien dauerhaft geplant, andere angeblich nur für Gespräche, etwa in Ägypten. Besonders brisant ist der Hinweis, dass auch ehemalige Gefangene des Schalit-Deals von 2011, heute Teil der Hamas-Führung, zu den Ausreisewilligen zählen könnten. Als Ziel werden unter anderem Türkei und weitere Staaten genannt.

Für viele Gaza-Bewohner spielt das Motiv der Ausreise keine Rolle mehr. Ob Flucht oder Diplomatie. Entscheidend ist, dass die Hamas verschwindet. Die Stimmen aus Gaza widersprechen damit klar dem Bild, das international oft gezeichnet wird. Die Hamas ist kein Schutzschild für die Bevölkerung. Sie ist aus Sicht vieler Menschen der Hauptgrund für Zerstörung, Isolation und Tod.

Aus israelischer Perspektive bestätigt diese Entwicklung, was seit Jahren gesagt wird. Die Hamas herrscht nicht im Interesse der Bevölkerung, sondern gegen sie. Sie instrumentalisiert Leid, missbraucht zivile Infrastruktur und zieht sich selbst zurück, sobald es gefährlich wird. Dass ausgerechnet die Menschen in Gaza dies nun offen aussprechen, ist ein politisches Signal von enormer Bedeutung.

Die Frage ist nicht mehr, ob die Hamas legitim ist. Diese Frage stellen die Menschen in Gaza selbst längst nicht mehr. Die Frage ist, wie lange die Welt noch so tut, als gäbe es eine moralische Gleichsetzung zwischen einer Terrororganisation und den Zivilisten, die unter ihr leiden. Die Stimmen aus Gaza sind klar. Die Hamas soll gehen. Und Gaza soll endlich eine Chance auf ein Leben ohne Terrorherrschaft bekommen.


Autor: Redaktion
Bild Quelle: By Jaber Jehad Badwan - Jaber Jehad Badwan, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=159486769


Donnerstag, 22 Januar 2026

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