Israels Angriffe im Süden Libanons setzen Beirut unter DruckIsraels Angriffe im Süden Libanons setzen Beirut unter Druck
Nach gezielten israelischen Luftschlägen südlich des Litani wächst im Libanon die Sorge vor einer neuen sicherheitspolitischen Phase. Während Beirut von Eskalation spricht, verweist Israel auf die systematische Nutzung ziviler Räume durch die Hisbollah.
Die jüngsten israelischen Angriffe im Süden des Libanon und im Grenzgebiet zu Syrien haben die Spannungen an der Nordgrenze deutlich verschärft. In Beirut wird von einem neuen Eskalationsniveau gesprochen, von einem gefährlichen Schritt jenseits bestehender Vereinbarungen. Doch diese Darstellung blendet den eigentlichen Kern der Lage aus. Die Angriffe sind keine spontane Machtdemonstration, sondern Teil einer gezielten Strategie gegen eine Terrororganisation, die sich systematisch in der Zivilgesellschaft des Libanon festgesetzt hat.
Seit Jahren operiert die Hisbollah nicht als klassische Miliz, sondern als Staat im Staat. Ihre Infrastruktur ist nicht an Frontlinien gebunden, sondern tief in Dörfern, Wohngebieten, sozialen Einrichtungen und kommunalen Strukturen verankert. Genau dort setzte die israelische Armee in den vergangenen Monaten an. Ziel waren keine symbolischen Objekte, sondern operative Knotenpunkte, Personen und Netzwerke, die unmittelbar an der militärischen Steuerung der Hisbollah beteiligt sind.
Nach israelischen Erkenntnissen wurden in mehreren Dörfern südlich des Litani gezielt Aktivisten ausgeschaltet, die als Verbindungsglied zwischen ziviler Umgebung und militärischem Apparat fungierten. Diese Personen waren nicht nur Kämpfer, sondern Teil eines Systems, das Waffenbewegungen organisiert, Infrastruktur tarnt und die lokale Bevölkerung als Schutzschild missbraucht. Die Eliminierung solcher Akteure ist aus israelischer Sicht kein Eskalationsschritt, sondern eine notwendige Maßnahme zur Gefahrenabwehr.
In Beirut wird hingegen behauptet, Israel habe bewusst bestehende Kontrollmechanismen umgangen, die im Rahmen früherer Vereinbarungen eingerichtet wurden. Diese Kritik übersieht jedoch, dass genau diese Mechanismen seit Jahren versagen. Weder die libanesische Armee noch internationale Beobachter konnten verhindern, dass die Hisbollah ihre militärische Präsenz südlich des Litani weiter ausgebaut hat. Raketenstellungen, Waffenlager und operative Kommandozentren existieren dort nicht trotz, sondern wegen der politischen Untätigkeit in Beirut.
Besonders aufschlussreich ist die Reaktion mediennaher Kreise der Hisbollah. In ihnen wird offen davon gesprochen, dass Israel mit den Angriffen Druck auf die libanesische Regierung ausüben wolle, um eine tatsächliche Entwaffnung der Hisbollah im Süden durchzusetzen. Diese Einschätzung ist bemerkenswert, weil sie das Problem erstmals klar benennt. Nicht Israel destabilisiert den Libanon, sondern eine bewaffnete Organisation, die sich der staatlichen Kontrolle entzieht und dennoch politische Entscheidungen diktiert.
Die Behauptung, Israel wolle bewusst zivile Strukturen treffen oder Angst in der Bevölkerung schüren, steht im Widerspruch zu den bekannten Einsatzmustern der israelischen Armee. Vor Angriffen wurden erneut gezielte Evakuierungshinweise ausgegeben, um Zivilisten aus den betroffenen Gebieten zu bringen. Dass dennoch zivile Schäden entstehen, liegt an der bewussten Strategie der Hisbollah, militärische Aktivitäten mitten in Wohngebieten zu verankern.
Genau darin liegt der zentrale Punkt, den die libanesische Führung vermeidet anzusprechen. Die Hisbollah nutzt Schulen, soziale Einrichtungen, Bauprojekte und Infrastrukturmaßnahmen nicht zum Schutz der Bevölkerung, sondern als Tarnung für militärische Zwecke. Diese Vermischung ist kein Nebeneffekt, sondern integraler Bestandteil ihrer Kriegsführung. Jeder Angriff auf die Hisbollah soll zwangsläufig als Angriff auf den Libanon erscheinen.
Der libanesische Präsident wirft Israel vor, internationales Recht zu verletzen und die Souveränität des Landes zu missachten. Gleichzeitig bleibt unbeantwortet, warum der libanesische Staat seit Jahren nicht in der Lage oder nicht willens ist, die vollständige Kontrolle über sein eigenes Territorium auszuüben. Souveränität bedeutet nicht nur, Forderungen an andere zu stellen, sondern Verantwortung im eigenen Land zu übernehmen.
Aus israelischer Sicht ist die Lage klar. Solange die Hisbollah ihre militärische Infrastruktur in unmittelbarer Nähe zur Grenze weiter ausbaut, bleibt der Norden Israels akut bedroht. Diplomatische Appelle haben dieses Problem nicht gelöst. Internationale Missionen haben es nicht verhindert. Die Verantwortung für die aktuelle Zuspitzung liegt daher nicht bei jenen, die reagieren, sondern bei jenen, die jahrelang weggesehen haben.
Die Angriffe markieren keinen Bruch mit bisherigen Prinzipien, sondern eine Verschärfung der Durchsetzung. Israel signalisiert damit, dass es nicht bereit ist, eine schleichende Militarisierung seiner Nordgrenze hinzunehmen. Die Botschaft richtet sich nicht nur an die Hisbollah, sondern auch an Beirut und an internationale Akteure, die Stabilität fordern, ohne deren Voraussetzungen einzufordern.
Ein stabiler Libanon ist auch im Interesse Israels. Doch Stabilität kann nicht auf der Duldung einer schwer bewaffneten Terrororganisation beruhen, die im Auftrag Irans handelt und das Land als vorgeschobenen Außenposten nutzt. Solange diese Realität besteht, wird jeder Waffenstillstand fragil bleiben.
Die jüngsten Ereignisse zeigen daher vor allem eines. Die Eskalation ist nicht neu. Neu ist nur, dass Israel nicht länger bereit ist, sie einseitig zu ertragen.
Autor: Redaktion
Bild Quelle: By Major Ofer, Israeli Air Force רס"ן עופר, חיל האוויר הישראלי - Israeli Air Force, CC BY 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=55093318
Freitag, 23 Januar 2026