500 Millionen Dollar für Hoffnung: Teva setzt mit neuem Deal ein Zeichen gegen Autoimmunerkrankungen500 Millionen Dollar für Hoffnung: Teva setzt mit neuem Deal ein Zeichen gegen Autoimmunerkrankungen
Mit einem milliardenschweren Vertrauensbeweis stärkt Teva seine Innovationspipeline. Die neue Partnerschaft mit Royalty Pharma zeigt, wie israelische Forschung globale Medizin voranbringt und warum dieser Schritt weit über Vitiligo hinaus Bedeutung hat.
Der israelische Pharmakonzern Teva Pharmaceuticals hat gemeinsam mit Royalty Pharma eine Finanzierungsvereinbarung über bis zu 500 Millionen US-Dollar bekannt gegeben. Ziel ist die beschleunigte Entwicklung von TEV-408, eines neuartigen Antikörpers zur Behandlung von Autoimmunerkrankungen. Im Mittelpunkt steht zunächst Vitiligo, eine Erkrankung, die medizinisch oft unterschätzt wird, für Betroffene jedoch massive psychische und soziale Folgen haben kann.
Die Vereinbarung ist klar strukturiert. Zunächst stellt Royalty Pharma 75 Millionen Dollar bereit, um eine Phase-2b-Studie zu TEV-408 zu finanzieren, deren Start für 2026 geplant ist. Sollte diese Studie erfolgreich verlaufen, kann Royalty Pharma weitere 425 Millionen Dollar investieren, um gemeinsam mit Teva ein Phase-3-Programm aufzusetzen. Im Fall einer späteren Zulassung würde Teva Meilensteinzahlungen sowie umsatzabhängige Lizenzgebühren leisten.
TEV-408 richtet sich gegen Interleukin-15, ein Zytokin, das eine zentrale Rolle bei mehreren Autoimmunerkrankungen spielt. Der Wirkstoff ist derzeit sowohl in Phase-1b-Studien für Vitiligo als auch in Phase-2a-Studien für Zöliakie. Bereits im Mai 2025 erhielt das Projekt von der U.S. Food and Drug Administration den Fast-Track-Status. Das ist ein deutliches Signal dafür, dass medizinischer Bedarf und wissenschaftliches Potenzial hier außergewöhnlich hoch eingeschätzt werden.
Vitiligo betrifft weltweit zwischen 0,5 und 2 Prozent der Bevölkerung. Trotz dieser Verbreitung existiert bislang nur eine zugelassene topische Therapie mit begrenztem Nutzen. Viele Patientinnen und Patienten leben über Jahre ohne wirksame systemische Behandlungsoption. Genau hier setzt TEV-408 an. Erste Studiendaten deuten darauf hin, dass die Blockade von Interleukin-15 einen grundlegenden Krankheitsmechanismus adressiert und nicht nur Symptome überdeckt.
Teva-Chef Richard Francis spricht offen von einem strategischen Wendepunkt. Die Kooperation ermögliche es, Forschung schneller und effizienter in konkrete Therapien zu überführen. Hinter dieser Aussage steht mehr als Managementrhetorik. Teva befindet sich mitten in einem Umbau, weg vom reinen Generika-Riesen hin zu einem innovationsgetriebenen Biopharmaunternehmen mit globalem Anspruch.
Royalty-Pharma-CEO Pablo Legorreta betonte in diesem Zusammenhang die emotionale Dimension von Vitiligo. Die Krankheit sei nicht lebensbedrohlich, aber für viele Menschen eine dauerhafte Belastung für Selbstbild, soziale Teilhabe und psychische Gesundheit. Dass ein internationaler Investor hier in großem Umfang einsteigt, zeigt, dass diese Perspektive inzwischen auch wirtschaftlich ernst genommen wird.
Der Deal fügt sich in eine größere strategische Erzählung. Am 13. Januar wird Teva auf der J.P. Morgan Healthcare Conference seine Wachstumsstrategie präsentieren. Dort dürfte Francis nicht nur über TEV-408 sprechen, sondern über eine ganze Reihe innovativer Produkte, darunter AUSTEDO, AJOVY, UZEDY sowie weitere klinische Programme. Der Konzern rechnet für 2025 mit einem Umsatz von bis zu 17 Milliarden Dollar und will den freien Cashflow bis 2030 deutlich steigern.
Bemerkenswert ist dabei die langfristige Perspektive. Teva setzt nicht auf kurzfristige Effekte, sondern auf nachhaltige wissenschaftliche Substanz. Die Partnerschaft mit Royalty Pharma ist kein Notnagel, sondern ein gezielter Hebel, um Risiken zu teilen und Tempo zu gewinnen. Für den Pharmastandort Israel ist das ein starkes Signal. Forschung, die dort entsteht, ist nicht nur wettbewerbsfähig, sondern prägt internationale Therapiepfade.
In einer Zeit, in der viele biomedizinische Versprechen groß angekündigt und leise beerdigt werden, markiert dieser Deal einen anderen Ansatz. Er verbindet Kapital, wissenschaftliche Tiefe und klaren medizinischen Bedarf. Für Menschen mit Autoimmunerkrankungen ist das mehr als eine Unternehmensmeldung. Es ist die realistische Aussicht auf Fortschritt.
Autor: Redaktion
Bild Quelle: By Raysonho @ Open Grid Scheduler / Scalable Grid Engine - Own work, CC0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=92662329
Samstag, 24 Januar 2026