Israel investiert Milliarden in Quantentechnologie und kämpft um seinen Platz im globalen Machtgefüge

Israel investiert Milliarden in Quantentechnologie und kämpft um seinen Platz im globalen Machtgefüge


Während die Welt in ein neues technologisches Zeitalter eintritt, entscheidet sich im Hintergrund eine stille, aber folgenreiche Auseinandersetzung. Quantencomputer könnten militärische Überlegenheit, wirtschaftliche Dominanz und digitale Sicherheit neu definieren.

Israel investiert Milliarden in Quantentechnologie und kämpft um seinen Platz im globalen Machtgefüge

Israel will in diesem Rennen nicht Zuschauer sein. Doch zwischen amerikanischer Zurückhaltung, europäischer Unsicherheit und chinesischem Tempo wächst der Druck auf Jerusalem.

Seit dem Jahr 2018 verfolgt Israel ein klares Ziel. Das Land will im weltweiten Wettlauf um Quantentechnologie nicht zurückfallen. Was heute noch abstrakt klingt, könnte in wenigen Jahren darüber entscheiden, wer Staaten schützen kann und wer schutzlos wird. Wer Geheimnisse bewahrt und wer sie verliert. Wer militärisch abschreckt und wer plötzlich durchschaubar ist.

In Jerusalem ist man sich der Dimension bewusst. Der Vergleich mit dem Wettrennen ins All in den sechziger Jahren ist kein rhetorischer Kunstgriff, sondern beschreibt ziemlich genau, worum es geht. Wer in der Quantentechnologie die Führung übernimmt, gewinnt Einfluss auf nahezu alle sicherheitsrelevanten Bereiche. Luftverteidigung, U-Boote, Kommunikation, Satelliten, Geheimdienste, Finanzsysteme, Energieversorgung.

Israel weiß zugleich, dass es nicht der Hauptakteur dieses globalen Duells ist. Die eigentliche Konfrontation spielt sich zwischen den Vereinigten Staaten und China ab. Beide investieren enorme Summen, bauen riesige Infrastrukturen auf und betrachten Quantentechnologie längst als strategisches Element nationaler Macht.

Doch auch der Platz dahinter ist entscheidend. Ob Israel künftig zu den führenden fünf Nationen gehört oder aus den Top Ten gedrängt wird, könnte langfristig über seine sicherheitspolitische Handlungsfähigkeit entscheiden.

Denn Quantencomputer versprechen nicht weniger als die Fähigkeit, nahezu alle heute genutzten Verschlüsselungen zu brechen. Fast sämtliche digitalen Schutzmechanismen, die das Internet tragen, wären angreifbar. Militärische Kommunikation, staatliche Archive, wirtschaftliche Daten. Wer hier zurückbleibt, wird verwundbar.

Europas Milliarden und Amerikas Zurückhaltung

Um dieses Risiko abzufedern, setzt Israel auf internationale Kooperationen. Besonders eng war in den vergangenen Jahren die Zusammenarbeit mit Europa. Zwischen 2021 und 2024 flossen mehr als 1,1 Milliarden Euro aus dem Horizon-Europe-Programm in israelische Forschungsprojekte. Kein anderes Land erhielt in diesem Bereich vergleichbare ausländische Investitionen.

Für Jerusalem war dies ein strategischer Gewinn. Israel wurde 2021 erstes nicht europäisches assoziiertes Mitglied des Programms. Seit 2023 ist das Land zudem Teil der EuroHPC-Initiative, die sich mit Hochleistungsrechnern und Quantencomputern befasst.

Gleichzeitig fällt auf, wie begrenzt das amerikanische Engagement speziell im Quantensektor ausfällt. Während die USA Israel in klassischen Sicherheitsfragen massiv unterstützen, etwa bei Raketenabwehr oder Luftwaffenprojekten, bleibt die direkte Förderung der Quantentechnologie vergleichsweise gering.

Im Dezember 2025 wurden amerikanische Investitionen von rund 47,5 Millionen Dollar gefeiert. Doch dieser Betrag umfasst zahlreiche Technologiefelder, Quantentechnologie ist nur ein Teil davon. Im direkten Vergleich bedeutet das, dass Europa in diesem sensiblen Bereich um ein Vielfaches mehr investiert hat als Washington.

Diese Diskrepanz bereitet israelischen Experten zunehmend Sorgen. Zumal sich die politische Großwetterlage verändert.

Mehrere europäische Staaten verhängten 2025 Einschränkungen bei Waffenexporten nach Israel. Parallel steht die Frage im Raum, wie stabil europäische Forschungskooperationen bleiben, sobald Quantentechnologie als sicherheitsrelevant eingestuft wird und nationale Interessen dominieren.

Auch in den Vereinigten Staaten existiert eine alte Zurückhaltung. Einzelne sicherheitspolitische Denkschulen sehen Israel trotz enger Partnerschaft weiterhin kritisch, wenn es um die Weitergabe besonders sensibler Technologien geht. In einem Feld, in dem Regeln erst entstehen und Konkurrenz extrem ist, gewinnt diese Debatte erneut an Gewicht.

Israels strategischer Gegenentwurf

Genau hier tritt eine neue politische Denkbewegung in Erscheinung. Hadas Lorber, jahrzehntelang im nationalen Sicherheitsapparat tätig und heute Leiterin des US-Israel-Programms am Institut für Nationale Sicherheitsstudien, versucht, Israels Position systematisch abzusichern.

Ihr Ansatz ist klar. Israel darf nicht nur technologisch innovativ sein, sondern muss langfristige Allianzen aufbauen, die über einzelne Projekte hinausgehen. Kooperationen sollen strukturell werden, nicht episodisch.

Im Sommer 2025 organisierte das INSS erstmals eine internationale Konferenz zur Quantentechnologie. Vertreter aus Militär, Wissenschaft, Privatwirtschaft und amerikanischen Behörden kamen zusammen, um Strategien zu entwickeln, wie Israel seine Rolle behaupten kann.

Bereits 2018 hatte Israel seine Nationale Quanteninitiative gestartet, mit einem Budget von zunächst 1,25 Milliarden Schekel. In den Folgejahren wurde dieses mehrfach erhöht. Universitäten, Start-ups und Forschungseinrichtungen wurden gezielt eingebunden.

Die Ergebnisse sind sichtbar. Die Zahl akademischer Forschungsgruppen im Quantensektor wuchs innerhalb weniger Jahre von 144 auf rund 240. Die Zahl spezialisierter Unternehmen vervierfachte sich nahezu.

Doch Know-how allein reicht nicht. Der Übergang vom Labor in die Anwendung erfordert riesige Datenzentren, enorme Energieversorgung und langfristige Finanzierung. Genau hier stößt Israel an strukturelle Grenzen.

Neue Allianzen jenseits des Westens

Deshalb richtet sich der Blick zunehmend auf weitere Partner. Staaten wie Aserbaidschan, Kasachstan und Usbekistan zeigen großes Interesse an technologischer Zusammenarbeit mit Israel. Auch in der Golfregion entstehen neue Möglichkeiten.

Die Vereinigten Arabischen Emirate verfügen über enorme finanzielle Ressourcen, moderne Infrastruktur und Erfahrung im Technologietransfer. Die Kooperation mit Israel ist dort bereits eng.

Saudi-Arabien hingegen bleibt ein politisch sensibles Thema. Der Stillstand im Normalisierungsprozess erschwert offene Zusammenarbeit in Hochtechnologie. Dennoch wächst in Jerusalem die Sorge, den Anschluss zu verlieren.

Diese Angst verstärkte sich 2025 erheblich, als Israel von einem neuen amerikanisch saudisch emiratischen Forschungsabkommen im Bereich künstliche Intelligenz ausgeschlossen wurde. Gleichzeitig kündigte Washington ein Milliardenprojekt mit Katar im Quantensektor an.

Solche Entwicklungen werden in Israel aufmerksam registriert. Sie signalisieren, dass technologische Allianzen zunehmend geopolitisch organisiert werden. Wer nicht frühzeitig eingebunden ist, könnte dauerhaft außen vor bleiben.

Wann kommt die Quantenrevolution wirklich

Trotz aller Dringlichkeit mahnen israelische Sicherheitsexperten zur Nüchternheit. Die vollständige Quantenrevolution steht nicht unmittelbar bevor. Frühere Durchbrüche wie Googles Demonstration quantenbasierter Rechenleistung im Jahr 2019 waren symbolisch, aber noch nicht weltverändernd.

Zwar existieren heute Systeme mit mehreren hundert Qubits, doch fehlerfreie, universell einsetzbare Quantencomputer sind noch Zukunftsmusik. Realistisch betrachtet könnte es weitere acht bis zehn Jahre dauern, bis diese Technologie ihr volles Potenzial entfaltet.

Schon heute jedoch entstehen Teilanwendungen. Quanten-Sensoren ermöglichen Navigation ohne GPS. Quantenkommunikation erlaubt nahezu abhörsichere Datenübertragung. China demonstriert diese Fähigkeiten bereits über Satellitenverbindungen.

Israel reagiert darauf mit einem weiteren Schwerpunkt. Post-Quantum-Verschlüsselung soll Daten auch dann schützen, wenn leistungsfähige Quantencomputer existieren. Die USA haben hierfür bereits verbindliche Zeitpläne vorgelegt. Bis 2035 soll der vollständige Umstieg erfolgen.

In Jerusalem gibt es noch keine formalen Vorgaben, doch das Bewusstsein wächst, dass hier keine Zeit verloren werden darf.

Ein Wettlauf ohne Garantie

Wo Israel am Ende dieses Rennens stehen wird, ist offen. Sicher ist nur eines. Quantentechnologie ist kein Zukunftsthema mehr. Sie ist Teil der nationalen Sicherheit geworden.

Israel kämpft nicht um Prestige, sondern um Handlungsfähigkeit. Um digitale Souveränität. Um die Fähigkeit, sich auch in einer Welt zu behaupten, in der technologische Überlegenheit über politische Stärke entscheidet.

Der Wettlauf hat längst begonnen. Und Israel weiß, dass Stillstand keine Option ist.


Autor: Redaktion
Bild Quelle: Symbolbild KI generiert


Sonntag, 25 Januar 2026

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