Muslimbruderschaft treibt digitale Kampagne gegen Ägyptens Präsident al Sisi voran

Muslimbruderschaft treibt digitale Kampagne gegen Ägyptens Präsident al Sisi voran


Eine Onlinebewegung junger Ägypter mobilisiert Hunderttausende gegen das Regime in Kairo. Hinter dem vermeintlichen Generationenaufstand zeigen sich jedoch alte Netzwerke mit klarer politischer Agenda.

Muslimbruderschaft treibt digitale Kampagne gegen Ägyptens Präsident al Sisi voran

In Ägypten formiert sich eine neue Protestbewegung, die bewusst an die Ereignisse der Revolution vom 25. Januar 2011 anknüpft. Unter dem Namen GenZ002 tritt eine digitale Kampagne auf, die offen den Sturz von Präsident Abd al Fattah al Sisi fordert. Innerhalb weniger Tage beteiligten sich hunderttausende Menschen an einer Onlineabstimmung, die seine Absetzung verlangt. Der Zeitpunkt ist kein Zufall. Kurz vor dem Jahrestag der Revolution soll Erinnerung in politische Mobilisierung verwandelt werden.

Nach außen präsentiert sich GenZ002 als spontane Bewegung der Generation Z. Junge Menschen, aufgewachsen mit Internet, wirtschaftlicher Unsicherheit und politischer Repression, geben sich als Stimme einer verlorenen Zukunft. Die Sprache der Kampagne ist scharf, emotional und bewusst provokant. Al Sisi wird als Verräter dargestellt, als Zerstörer von Bildung und Gesundheit, als Verantwortlicher für Massenarmut, Abwanderung und nationale Demütigung.

Doch hinter dieser digitalen Fassade treten schnell bekannte Akteure hervor.

Zentrale Figuren der Kampagne leben im Ausland und stehen seit Jahren der Muslimbruderschaft nahe. Zwei der führenden Aktivisten, Anas und Tarek Habib, halten sich in den Niederlanden auf. Beide unterstützten offen das gestürzte Mursi Regime und flohen nach dem Machtwechsel 2013 aus Ägypten. Das ägyptische Justizsystem führt sie inzwischen auf der Terrorliste.

Die Bewegung wird zudem massiv von Medien unterstützt, die seit Jahren als Sprachrohr der Muslimbruderschaft gelten. Sender wie Mekameleen oder die in London ansässige Plattform Arabi21 bewerben die Kampagne offensiv. Auch Stimmen aus Katar nahen Netzwerken verbreiten Inhalte der Bewegung und verleihen ihr internationale Reichweite.

Alte Ideologie in neuem Gewand

Besonders deutlich wird die politische Stoßrichtung durch Beiträge prominenter Unterstützer. Einer von ihnen ist der Journalist Adham Hasanin, ein früherer Funktionär der Freiheits und Gerechtigkeitspartei der Muslimbruderschaft. In seinen Artikeln feiert er die Onlineabstimmung als Beginn eines revolutionären Prozesses. Der Klick auf die Abstimmung sei kein Symbol, sondern eine Waffe, schreibt er. Die Jugend müsse den digitalen Protest in die Straßen tragen.

Hasanin lobte in der Vergangenheit offen die Terrorattacke der Hamas vom 7. Oktober 2023 und rief islamistische Bewegungen dazu auf, aus ihr zu lernen. Für ihn ist die Kampagne gegen al Sisi kein demokratischer Reformprozess, sondern Teil eines umfassenden ideologischen Kampfes.

In seinen Texten beschreibt er das ägyptische Militär als eigentlichen Feind und spekuliert offen über einen internen Putsch durch junge Offiziere. Szenarien von wirtschaftlichem Zusammenbruch, militärischem Umsturz und landesweiten Unruhen werden nicht nur analysiert, sondern regelrecht herbeigeschrieben.

Das Ziel ist klar. Der Staat soll delegitimiert, die Angstbarriere gebrochen und der Eindruck erzeugt werden, das Regime stehe kurz vor dem Fall.

Digitale Mobilisierung als neues Machtinstrument

Die Kampagne zeigt, wie sehr sich politische Auseinandersetzungen in der arabischen Welt verändert haben. Straßenproteste entstehen nicht mehr spontan, sie werden vorbereitet. Onlineumfragen, Hashtags, Grafiken und emotionale Botschaften ersetzen klassische Organisationsstrukturen.

Als die ägyptischen Behörden die Website der Kampagne blockierten, reagierten die Aktivisten mit gezielter Eskalation. VPN Nutzung wurde propagiert, die Sperre als Beweis staatlicher Angst interpretiert. Jeder neue Klick wurde als Akt des Widerstands verkauft.

So entsteht ein gefährlicher Kreislauf. Digitale Zustimmung wird mit realer Macht verwechselt. Emotion ersetzt politische Strategie. Und alte ideologische Kräfte nutzen die Wut einer jungen Generation, um eigene Ziele voranzutreiben.

Ägypten unter massivem Druck

Die Kampagne trifft ein Land in tiefer Krise. Inflation, hohe Auslandsschulden, sinkende Kaufkraft und Perspektivlosigkeit prägen den Alltag vieler Ägypter. Gerade junge Menschen fühlen sich abgehängt und ohne Zukunft.

Diese Frustration ist real. Doch sie macht Gesellschaften anfällig für Instrumentalisierung. Die Muslimbruderschaft, politisch geschlagen, gesellschaftlich jedoch nicht verschwunden, versucht erneut, sich als Alternative zu präsentieren. Nicht offen, nicht mit Parteifahnen, sondern über Jugendästhetik, digitale Sprache und vermeintliche Graswurzelbewegungen.

Für Israel und die gesamte Region ist diese Entwicklung hochrelevant. Ägypten bleibt ein zentraler Stabilitätsanker im Nahen Osten. Jede Destabilisierung in Kairo hätte unmittelbare sicherheitspolitische Folgen, insbesondere für den Sinai, den Gazastreifen und die regionale Balance.

Ein Kampf um Deutungshoheit

Die GenZ002 Kampagne ist mehr als ein Protest. Sie ist ein Machtkampf um die Erzählung der Zukunft Ägyptens. Die Frage lautet nicht nur, ob Präsident al Sisi unter Druck gerät, sondern wer von einem möglichen Umbruch profitieren würde.

Die Geschichte der Region zeigt, dass Machtvakuum selten Freiheit bringt. Oft füllen es jene, die am lautesten von Gerechtigkeit sprechen, aber andere Ziele verfolgen.

Was heute als digitale Revolte erscheint, trägt deutliche Spuren alter islamistischer Netzwerke. Die Jugend wird zur Projektionsfläche. Die sozialen Medien zum politischen Schlachtfeld.

Ägypten steht damit erneut vor einer gefährlichen Weggabelung. Zwischen berechtigter Wut und gezielter Manipulation. Zwischen Reformbedarf und revolutionärer Verlockung.

Die kommenden Wochen rund um den Jahrestag der Revolution werden zeigen, ob aus virtueller Mobilisierung reale Instabilität wird.


Autor: Redaktion
Bild Quelle: Screenshot facebook


Sonntag, 25 Januar 2026

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