Hisbollah warnt vor großer Konfrontation und spricht offen von Treue zu Teheran

Hisbollah warnt vor großer Konfrontation und spricht offen von Treue zu Teheran


Während im Norden Israels weiterhin fragile Ruhe herrscht, schlägt Hisbollah-Chef Naim Qassem einen Ton an, der wenig Zweifel lässt: Die Terrororganisation bereitet ihre Anhänger mental auf eine neue Eskalation vor und stellt sich demonstrativ hinter den iranischen Machtapparat.

Hisbollah warnt vor großer Konfrontation und spricht offen von Treue zu Teheran

Die Worte sind schwer, aufgeladen, bewusst gewählt. In einer Ansprache an verletzte Kämpfer der Hisbollah hat Generalsekretär Naim Qassem offen von einer bevorstehenden großen Konfrontation gesprochen. Nicht regional begrenzt, nicht defensiv gedacht sondern als Teil eines umfassenden Kampfes, der nach seiner Darstellung von den Vereinigten Staaten geführt werde und sich gegen Israel richte.

Die Botschaft wurde über offizielle Kanäle der Terrororganisation verbreitet und richtete sich gezielt an jene Kämpfer, die in den vergangenen Monaten verwundet worden waren. Qassem sprach nicht von Leid, nicht von Verantwortung, nicht von Zerstörung im Libanon. Stattdessen zeichnete er das Bild eines heroischen Opferkampfes, der religiös überhöht und politisch instrumentalisiert wird.

Eine Rede mit klarer Botschaft

Qassem sprach von einer „großen Konfrontation“, angeführt vom „amerikanischen Tyrannen“, unterstützt von westlichen Staaten und getragen von dem, was er als „zionistische Aggression“ bezeichnete. In dieser Wortwahl zeigt sich erneut das ideologische Fundament der Hisbollah: Israel wird nicht als Staat gesehen, sondern als Feindbild, dessen Existenz grundsätzlich delegitimiert wird.

Der Hisbollah-Chef behauptete, seine Organisation habe im vergangenen Krieg zehntausende israelische Soldaten an der Grenze zu Südlibanon aufgehalten. Solche Aussagen dienen weniger der militärischen Realität als der inneren Mobilisierung. Sie sollen Stärke demonstrieren, selbst dort, wo die Organisation militärisch massive Verluste erlitten hat.

Besonders auffällig war, dass Qassem seine Rede nicht auf politische Forderungen konzentrierte, sondern auf religiöse Symbolik. Immer wieder bezog er sich auf zentrale Figuren des schiitischen Islams, insbesondere auf das Martyrium von Hussein in Kerbela. Der Kampf der Hisbollah wird damit bewusst in eine jahrhundertealte Opfererzählung eingebettet.

Die Botschaft ist eindeutig: Verwundung gilt nicht als Niederlage, Tod nicht als Scheitern. Alles wird in einen religiösen Sieg umgedeutet.

Verherrlichung von Terror und Opferkult

Qassem wandte sich direkt an die verletzten Kämpfer und versprach ihnen Genesung nicht durch medizinische Versorgung oder gesellschaftliche Verantwortung, sondern durch „Glauben und Standhaftigkeit“. Besonders brisant war seine ausdrückliche Würdigung jener Hisbollah-Mitglieder, die bei einer früheren israelischen Geheimdienstoperation verletzt worden waren, bei der manipulierte Kommunikationsgeräte explodierten.

Statt diese Verletzungen als Folge eines riskanten militärischen Kurses zu reflektieren, stilisierte Qassem die Betroffenen zu Helden. Der menschliche Preis, den diese Strategie für den Libanon bedeutet, blieb unerwähnt.

Diese Art der Rhetorik ist nicht neu, gewinnt jedoch vor dem Hintergrund der aktuellen regionalen Spannungen besondere Bedeutung. Während große Teile der libanesischen Bevölkerung unter wirtschaftlichem Zusammenbruch, Inflation und politischer Lähmung leiden, spricht die Hisbollah-Führung weiterhin ausschließlich in Kategorien von Krieg, Opfer und göttlichem Auftrag.

Offene Loyalität zu Iran

Besonders deutlich wurde Qassems politische Positionierung am Ende seiner Ansprache. Ohne jede Zurückhaltung lobte er den iranischen Revolutionsführer Ali Chamenei und bezeichnete ihn als geistigen Führer dieses „göttlichen Marsches“.

Damit machte der Hisbollah-Chef erneut unmissverständlich klar, wo die Loyalität seiner Organisation liegt. Nicht beim libanesischen Staat, nicht bei der Bevölkerung des Südens, nicht bei nationaler Verantwortung sondern bei Teheran.

Die Hisbollah ist längst kein rein libanesischer Akteur mehr. Sie ist Teil eines regionalen Machtgefüges, das vom Iran gesteuert wird und sich von Gaza über Syrien bis in den Jemen erstreckt. Ihre Entscheidungen folgen strategischen Interessen Teherans, nicht den Bedürfnissen eines Landes, das kaum noch funktionierende Institutionen besitzt.

Bedeutung für Israel

Für Israel sind solche Aussagen kein rhetorisches Hintergrundrauschen, sondern sicherheitspolitische Warnsignale. Die Hisbollah verfügt weiterhin über ein massives Raketenarsenal, präzise Lenkwaffen und kampferprobte Einheiten. Jede öffentliche Mobilisierung, jede religiöse Aufladung, jede Drohung erhöht das Risiko einer Fehlkalkulation.

Dass Qassem explizit von einer US-geführten Konfrontation spricht, zeigt zudem, dass die Hisbollah sich nicht mehr nur auf einen Konflikt mit Israel vorbereitet, sondern auf eine mögliche regionale Eskalation, in die auch amerikanische Kräfte verwickelt wären.

Gerade in einer Phase, in der die Region ohnehin unter enormer Spannung steht, wirken solche Reden wie Brandbeschleuniger.

Eine Organisation ohne Ausweg

Die Ansprache macht vor allem eines deutlich: Die Hisbollah kennt keinen politischen Exit. Sie kann keinen Frieden anbieten, keine Perspektive für den Libanon formulieren, keinen Wiederaufbau ermöglichen. Ihre Existenzberechtigung speist sich ausschließlich aus dem Konflikt.

Verletzte Kämpfer werden nicht als Mahnung verstanden, sondern als Beweis ideologischer Reinheit. Zerstörung wird nicht hinterfragt, sondern verklärt. Und Loyalität gilt nicht dem eigenen Land, sondern einer fremden Macht.

Für die Menschen im Libanon bedeutet das: Solange die Hisbollah ihre Identität aus dem permanenten Krieg bezieht, bleibt das Land Geisel einer Organisation, die keinen Frieden will und keinen zulassen kann.


Autor: Redaktion
Bild Quelle: By Tasnim News Agency, CC BY 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=154816128


Sonntag, 25 Januar 2026

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