Öffnung von Rafah ohne Ran Gvili sorgt für heftigen Streit in Israel

Öffnung von Rafah ohne Ran Gvili sorgt für heftigen Streit in Israel


Die geplante Teilöffnung des Grenzübergangs Rafah löst in Israel massive Kritik aus. Mehrere Minister warnen vor weitreichenden politischen Folgen, solange der getötete Soldat Ran Gvili nicht nach Hause zurückgebracht wurde.

Öffnung von Rafah ohne Ran Gvili sorgt für heftigen Streit in Israel

Die israelische Regierung hat einer begrenzten Wiederöffnung des Grenzübergangs Rafah zugestimmt. Nach Angaben des Büros des Ministerpräsidenten soll der Übergang künftig ausschließlich für den Personenverkehr genutzt werden und nur unter vollständiger israelischer Kontrolle. Die Entscheidung ist Teil der Abstimmungen mit den Vereinigten Staaten und orientiert sich an dem von Präsident Donald Trump vorgestellten politischen Rahmenplan.

Voraussetzung für diesen Schritt ist nach Angaben des Ministerpräsidentenamtes, dass die Hamas alle israelischen Geiseln zurückführt, sowohl die Lebenden als auch die Getöteten. Zudem werde erwartet, dass die Terrororganisation einen vollständigen Einsatz zur Lokalisierung aller verbliebenen Opfer leiste.

Im Zentrum der aktuellen Entscheidung steht der getötete israelische Soldat Ran Gvili. Sein Leichnam befindet sich weiterhin im Gazastreifen. Der zeitliche Ablauf der Öffnung des Grenzübergangs hängt direkt von den laufenden Bemühungen der israelischen Armee ab, seine sterblichen Überreste zu bergen.

Nach Angaben der Streitkräfte führt die Armee derzeit eine gezielte Operation im Gebiet Schudschaija im Norden des Gazastreifens durch, nahe der israelischen Sicherheitslinie. Grundlage sind neue nachrichtendienstliche Erkenntnisse, die auf eine mögliche Grabstätte in einem dortigen Friedhof hinweisen.

Erst nach Abschluss dieses Einsatzes und im Rahmen der Absprachen mit Washington soll der Grenzübergang für Personen geöffnet werden. Die Kontrolle soll weiterhin vollständig bei Israel liegen.

Das Büro des Ministerpräsidenten erklärte dazu, der Staat Israel werde alles daransetzen, Ran Gvili nach Hause zu bringen und ihm ein Begräbnis in Israel zu ermöglichen. Die Rückführung des Soldaten sei eine nationale Verpflichtung.

Gleichzeitig löste die Entscheidung innerhalb des Kabinetts erheblichen Widerstand aus. Mehrere Minister warnten, dass eine Öffnung von Rafah zu diesem Zeitpunkt über eine technische Maßnahme hinausgehe und politische Folgen für die Zukunft des Gazastreifens haben könne.

Die Ministerin für nationale Missionen, Orit Strock, äußerte scharfe Kritik. Sie sagte, Israel übergebe damit faktisch Verantwortung über Gaza an die Palästinensische Autonomiebehörde. Eine solche Entscheidung sei gegenüber den eigenen Soldaten nicht vermittelbar.

Auch Verkehrsministerin Miri Regev betonte, dass Israel sicherstellen müsse, dass Gaza künftig weder von der Hamas noch von der Autonomiebehörde kontrolliert werde. Finanzminister Bezalel Smotrich warnte davor, dass eine Öffnung ohne vollständige israelische Kontrolle langfristig politische Realitäten schaffen könne, die Israel nicht wolle.

Besonders deutlich äußerte sich der Minister für nationale Sicherheit, Itamar Ben Gvir. Er erklärte, Israel habe zwar zehntausende Terroristen ausgeschaltet, die Hamas jedoch noch nicht vollständig zerschlagen. Eine Öffnung von Rafah sende daher ein falsches Signal und sei zum jetzigen Zeitpunkt ein schwerer Fehler.

Politische Beobachter sehen in der Debatte einen grundlegenden Konflikt über den künftigen Kurs Israels im Gazastreifen. Für viele Mitglieder der Regierung geht es nicht um humanitäre Fragen allein, sondern um die Frage, wer nach dem Krieg faktisch Einfluss und Kontrolle ausübt.

Regierungsnahe Kreise betonen, dass Israel weiterhin in engem Austausch mit den Vereinigten Staaten stehe, dabei jedoch klare sicherheitspolitische Linien ziehe. Dazu gehören die vollständige Entwaffnung der Hamas, dauerhafte Sicherheitskontrolle und die Vermeidung von Schritten, die als Vorbereitung staatlicher Strukturen interpretiert werden könnten.

Auch außerhalb der Regierung wurde Kritik laut. Der Vorsitzende der Reservistenpartei, Yoaz Hendel, warf der Regierung vor, unter internationalem Druck nachzugeben. Die Öffnung des Übergangs ermögliche den Wiederaufbau Gazas, ohne dass Israels zentrale Forderungen erfüllt seien.

Währenddessen dauern die militärischen Suchmaßnahmen an. Die Armee hat mehrere Bereiche des Friedhofs in Schudschaija abgesperrt und zahlreiche Gräber geöffnet. Forensische Teams führen Identifizierungen durch, unter anderem mittels Zahnanalysen und genetischer Verfahren.

Militärische Einschätzungen gehen davon aus, dass Angehörige des Palästinensischen Islamischen Dschihad Ran Gvili möglicherweise als palästinensischen Kämpfer bestattet haben könnten, ohne seine Identität zu kennen. Die Armee geht davon aus, dass die Suche noch mehrere Tage in Anspruch nehmen kann.

Die Streitkräfte appellierten an die Öffentlichkeit, keine Gerüchte oder unbestätigten Informationen zu verbreiten. Dies könne nicht nur die laufende Operation gefährden, sondern auch der Familie schweren Schaden zufügen.

Für Israel bleibt die Rückführung von Ran Gvili ein zentraler moralischer und nationaler Auftrag. Solange diese letzte offene Wunde nicht geschlossen ist, bleibt auch die Debatte um Rafah ein politisch hochsensibles Thema.


Autor: Redaktion
Bild Quelle: By Gigi Ibrahim - Flickr: Egyptian Convoy to Gaza, Palestine, Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=31361720


Montag, 26 Januar 2026

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