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Israel baut strategische Allianz mit Aserbaidschan aus und setzt auf Energie, Technologie und Sicherheit

Israel baut strategische Allianz mit Aserbaidschan aus und setzt auf Energie, Technologie und Sicherheit


Während viele Staaten im Nahen Osten auf Distanz zu Israel gehen, vertieft Jerusalem seine Beziehungen im Kaukasus. Das Treffen zwischen Außenminister Gideon Sa’ar und Präsident Ilham Aliyev zeigt, wie wichtig Aserbaidschan für Israels Zukunft geworden ist.

Israel baut strategische Allianz mit Aserbaidschan aus und setzt auf Energie, Technologie und Sicherheit

Das Treffen zwischen Israels Außenminister Gideon Sa’ar und dem aserbaidschanischen Präsidenten Ilham Aliyev in Baku war weit mehr als ein diplomatischer Höflichkeitsbesuch. In einer Zeit wachsender geopolitischer Spannungen, zunehmender Energieunsicherheit und neuer Machtverschiebungen zwischen Russland, Iran und dem Westen sendet diese Begegnung ein klares Signal: Israel sucht stabile Partnerschaften jenseits klassischer Bündnisse und findet sie zunehmend im postsowjetischen Raum.

Im Mittelpunkt der Gespräche standen zentrale Zukunftsbereiche. Energie, künstliche Intelligenz, Landwirtschaft, Wassermanagement, Verteidigung und Tourismus bildeten den Kern der bilateralen Agenda. Dass Sa’ar nicht allein, sondern mit einer umfangreichen Wirtschaftsdelegation nach Baku reiste, unterstreicht den strategischen Charakter des Besuchs. Es ging nicht um Symbolik, sondern um konkrete Interessen auf beiden Seiten.

Aserbaidschan nimmt für Israel seit Jahren eine besondere Rolle ein. Das mehrheitlich muslimische Land pflegt enge politische, wirtschaftliche und sicherheitspolitische Beziehungen zu Jerusalem und zählt zu den wichtigsten Energielieferanten Israels. Gleichzeitig grenzt Aserbaidschan direkt an Iran. Diese geografische Realität verleiht der Partnerschaft eine sicherheitspolitische Dimension, die in Jerusalem sehr genau wahrgenommen wird.

Gerade vor dem Hintergrund der anhaltenden Spannungen mit Teheran ist Baku für Israel ein stiller, aber verlässlicher Partner geblieben. Anders als viele Staaten der Region hat Aserbaidschan nie versucht, seine Beziehungen zu Israel öffentlich infrage zu stellen oder innenpolitisch zu instrumentalisieren. Diese Beständigkeit schafft Vertrauen in einer Region, in der Loyalitäten häufig wechseln.

Ein zentrales Thema des Treffens war die Rolle israelischer Agrartechnologie. Aserbaidschan arbeitet derzeit intensiv an der wirtschaftlichen Wiederbelebung der zurückgewonnenen Regionen in Bergkarabach. Landwirtschaft, Wasserversorgung und nachhaltige Nutzung von Flächen stehen dabei im Fokus. Israel gilt international als Vorreiter in genau diesen Bereichen. Für Baku ist israelisches Know-how daher kein Luxus, sondern ein konkreter Baustein für Stabilität und Entwicklung.

Gleichzeitig wächst das Interesse an israelischen Lösungen im Bereich künstliche Intelligenz. Dabei geht es nicht nur um wirtschaftliche Effizienz, sondern auch um staatliche Verwaltung, Infrastruktursteuerung und Sicherheitsanwendungen. Israel bringt hier jahrzehntelange Erfahrung aus einem Umfeld mit, in dem technologische Innovation stets mit Sicherheitsdenken verbunden ist.

Außenminister Sa’ar nutzte das Treffen auch, um Präsident Aliyev für dessen konsequente Unterstützung jüdischen Lebens in Aserbaidschan zu danken. In einem Land, in dem seit Jahrhunderten jüdische Gemeinden existieren, gilt das Verhältnis zwischen Staat und jüdischer Minderheit als außergewöhnlich stabil. Antisemitische Vorfälle sind selten, jüdische Einrichtungen stehen nicht unter Dauerbewachung und religiöses Leben findet offen statt. Für Israel ist dies keine Selbstverständlichkeit, sondern ein wichtiger Maßstab für echte Partnerschaft.

Sa’ar lud Aliyev zu einem offiziellen Besuch nach Israel ein. Eine Einladung, die politisch Gewicht hat. Sie zeigt, dass Jerusalem Aserbaidschan nicht nur als taktischen Partner betrachtet, sondern als langfristigen Verbündeten.

Neben den politischen Gesprächen standen auch Treffen mit der jüdischen Gemeinde in Baku auf dem Programm. Zwischen sechzehntausend und dreißigtausend Jüdinnen und Juden leben heute in Aserbaidschan. Ihre Situation wird in Israel aufmerksam verfolgt, gerade in einer Zeit, in der jüdisches Leben in vielen europäischen Staaten wieder unter Druck gerät.

Der Besuch in Baku ist zugleich Teil einer größeren regionalen Strategie. In einem zweiten Schritt reist Sa’ar nach Kasachstan, wo Gespräche mit Präsident Kassym Schomart Tokajew und weiteren Regierungsvertretern geplant sind. Kasachstan trat im November den Abraham Abkommen bei und öffnet damit ein neues Kapitel in den Beziehungen zwischen Israel und Zentralasien.

Für Israel bedeutet diese Entwicklung mehr als diplomatische Erweiterung. Sie zeigt, dass Normalisierung mit muslimisch geprägten Staaten nicht auf den Nahen Osten beschränkt ist. Während manche internationale Organisationen Israel isolieren wollen, entstehen neue Netzwerke, die auf Interessen, Stabilität und gegenseitigem Nutzen beruhen.

Begleitet wird Sa’ar auf seiner Reise von mehr als vierzig Vertretern aus Wirtschaft und staatlichen Institutionen. Darunter Unternehmen aus den Bereichen Wassertechnologie, Landwirtschaft, Cyberabwehr, Ingenieurwesen, Gesundheit und Finanzen. Diese Zusammensetzung macht deutlich, dass Israels Außenpolitik zunehmend wirtschaftlich gedacht wird, ohne dabei sicherheitspolitische Realitäten auszublenden.

In einer Welt, in der ideologische Fronten wieder härter werden, setzt Israel auf pragmatische Allianzen. Das Treffen in Baku zeigt, dass Jerusalem seine außenpolitischen Spielräume erweitert und dabei gezielt Staaten anspricht, die Stabilität nicht predigen, sondern leben wollen.

Aserbaidschan ist für Israel kein Randakteur. Es ist ein strategischer Partner in einer Region, die künftig stärker über Energie, Technologie und Sicherheit entscheiden wird. Das Treffen zwischen Sa’ar und Aliyev macht deutlich, dass diese Beziehung weiter vertieft werden soll, leise, aber mit großer Wirkung.


Autor: Redaktion
Bild Quelle: Symbolbild: Netanyahu und Aliyev in Davos By President.az, CC BY 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=98528969


Mittwoch, 28 Januar 2026

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