Hamas blockiert Entwaffnung bewusst und knüpft sie an Öffnung des Grenzübergangs RafahHamas blockiert Entwaffnung bewusst und knüpft sie an Öffnung des Grenzübergangs Rafah
Während internationale Vermittler über Zukunft und Wiederaufbau sprechen, stellt Hamas klare Bedingungen. Entwaffnung kommt für die Terrororganisation erst infrage, wenn Rafah geöffnet ist und Kontrolle zurückgewonnen wird.
Die Terrororganisation Hamas ist bereit, über eine mögliche Entwaffnung zu sprechen. Allerdings nicht jetzt. Nicht unter internationalem Druck. Und nicht, solange sie keinen strategischen Vorteil daraus zieht. Nach Informationen aus gut unterrichteten Kreisen will Hamas Gespräche über eine Entwaffnung erst aufnehmen, nachdem der Grenzübergang Rafah im Süden des Gazastreifens wieder geöffnet wurde.
Damit macht die Organisation deutlich, was für sie Priorität hat. Nicht Frieden, nicht Sicherheit für die Bevölkerung, nicht der Wiederaufbau des Gazastreifens, sondern Kontrolle. Kontrolle über Bewegung, über Personal, über Macht.
Zwei mit den Gesprächen vertraute Quellen bestätigten, dass eine palästinensische technokratische Verwaltung in Gaza künftig als Vermittler zwischen Hamas und anderen Akteuren auftreten soll. Die Idee dahinter lautet, dass Palästinenser mit Palästinensern verhandeln. Israel soll dabei bewusst nicht am Tisch sitzen, sondern lediglich Sicherheitsmechanismen überwachen.
Doch schon diese Konstruktion zeigt das Kernproblem. Hamas bleibt Teil des Systems, über das angeblich ihre eigene Entmachtung verhandelt werden soll.
Parallel laufen seit Tagen die Vorbereitungen zur Wiederöffnung des Grenzübergangs Rafah. Diese sollen erst beginnen, nachdem mit der Rückführung des letzten israelischen Geiselopfers Ran Gvili ein symbolischer Schlusspunkt unter das Kapitel der Geiseln gelegt wurde. Rafah gilt für Hamas als strategisches Nadelöhr, wirtschaftlich wie militärisch.
Der Übergang soll nicht von der Palästinensischen Autonomiebehörde betrieben werden. Die eingesetzten palästinensischen Mitarbeiter werden keine Uniformen der Autonomiebehörde tragen und formell nicht zu ihr gehören. Zusätzlich sollen europäische Beobachter der EUBAM Mission vor Ort eingesetzt werden. Offiziell dient dies der Neutralität. Faktisch entsteht dadurch jedoch eine Grauzone ohne klare politische Verantwortung.
Nach Angaben israelischer und westlicher Diplomaten verzögert sich die Öffnung. Frühestens am Donnerstag könnte der Übergang in Betrieb gehen, möglicherweise sogar erst in der kommenden Woche. Geplant ist ein streng ziviler Betrieb. Ausreisen aus Gaza sollen nur nach Identitätsprüfung erfolgen. Der israelische Inlandsgeheimdienst Shin Bet wird dabei auf der Gazaseite Überprüfungen durchführen. Zusätzlich wird Israel wenige Meter hinter dem Übergang eine eigene Kontrollstelle einrichten, um Waffen, Sprengstoff und Materialien zu unterbinden, die Hamas erneut militärisch stärken könnten.
Gerade dieser Punkt erklärt, weshalb Hamas die Öffnung von Rafah zur Vorbedingung macht. Ohne offenen Übergang bleibt die Organisation isoliert. Mit Rafah gewinnt sie Bewegungsspielraum, logistische Tiefe und politischen Hebel.
US Regierungsvertreter machten unterdessen unmissverständlich klar, dass der Wiederaufbau Gazas nur unter einer klaren Voraussetzung stattfinden werde. Hamas müsse entwaffnet werden. Ohne diesen Schritt werde es weder internationale Investitionen noch langfristige Hilfsprogramme geben.
Die Aussage aus Washington ist eindeutig. Der Ball liegt bei Hamas.
Doch die Reaktion der Organisation zeigt erneut ein bekanntes Muster. Erst soll die Infrastruktur geöffnet werden, dann soll gesprochen werden. Erst soll Kontrolle zurückkehren, dann könne man über Machtverzicht reden. Eine Logik, die seit Jahren jede politische Lösung blockiert.
Für Israel ist diese Haltung ein weiteres Indiz dafür, dass Hamas kein Interesse an einem echten politischen Wandel hat. Entwaffnung wird nicht als Voraussetzung für Stabilität betrachtet, sondern als Verhandlungsmasse. Als Druckmittel. Als taktischer Spielzug.
Während internationale Akteure versuchen, neue Verwaltungsmodelle zu entwerfen, bleibt die Realität unverändert. Solange Hamas bewaffnet bleibt, bleibt Gaza militarisiert. Solange Gaza militarisiert bleibt, bleibt jede Form von Wiederaufbau fragil. Und solange Entwaffnung an Bedingungen geknüpft wird, die Hamas selbst kontrolliert, bleibt der Kreislauf bestehen.
Die Diskussion um Rafah ist deshalb mehr als eine technische Frage eines Grenzübergangs. Sie ist ein politisches Machtinstrument. Hamas weiß, dass offene Grenzen Einfluss bedeuten. Und Einfluss ist für die Organisation wichtiger als jede Zukunftsperspektive für die eigene Bevölkerung.
Die internationalen Vermittler stehen damit vor einer bekannten Entscheidung. Entweder sie akzeptieren erneut ein System, in dem Hamas Bedingungen diktiert. Oder sie machen erstmals klar, dass Wiederaufbau ohne Entwaffnung nicht verhandelbar ist.
Für Israel ist diese Linie eindeutig. Sicherheit kommt vor Symbolpolitik. Und eine Terrororganisation, die ihre Waffen behalten will, kann nicht gleichzeitig über Frieden sprechen.
Autor: Redaktion
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Mittwoch, 28 Januar 2026