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Hamas will ihre Polizei retten und unter neuem Namen behalten

Hamas will ihre Polizei retten und unter neuem Namen behalten


Während über Entwaffnung gesprochen wird, versucht die Terrororganisation, ihre Macht im Gazastreifen institutionell zu sichern. Hinter technischen Begriffen verbirgt sich ein politisches Manöver mit hoher Sprengkraft.

Hamas will ihre Polizei retten und unter neuem Namen behalten

Noch bevor über Waffen gesprochen wird, geht es um etwas Grundsätzlicheres. Um Kontrolle. Um Einfluss. Um die Frage, wer in Gaza künftig das Sagen haben soll. Während internationale Vermittler über Entwaffnung verhandeln, verfolgt die Hamas bereits den nächsten Schritt. Sie will ihre eigene Polizei in eine neue Verwaltung hinüberretten und damit ihre Präsenz unter anderem Etikett fortsetzen.

Nach Angaben mehrerer mit den Gesprächen vertrauter Quellen fordert die Terrororganisation, rund 10.000 ihrer Polizeikräfte in eine neue, von den Vereinigten Staaten unterstützte Verwaltung für Gaza zu integrieren. Offiziell geht es um Stabilität. In Wirklichkeit geht es um Macht.

Seit dem Waffenstillstand im Oktober, vermittelt durch US Präsident Donald Trump, hält die Hamas weiterhin fast die Hälfte des Gazastreifens unter Kontrolle. Der Deal knüpft weitere israelische Truppenabzüge ausdrücklich an die Entwaffnung der Terrororganisation. Genau an diesem Punkt beginnt nun das Ringen um Deutung und Einfluss.

Der internationale Plan sieht vor, die Verwaltung des Gazastreifens einer neuen palästinensischen Technokratenstruktur zu übergeben. Der sogenannte Nationale Ausschuss für die Verwaltung von Gaza soll mit amerikanischer Aufsicht arbeiten und Hamas ausdrücklich ausschließen. Auf dem Papier ist das klar formuliert. In der Realität versucht die Terrororganisation, diese Grenze aufzuweichen.

In einem internen Schreiben an ihre Mitarbeiter forderte die Hamas ihre mehr als 40.000 zivilen Angestellten und Sicherheitskräfte auf, mit der neuen Verwaltung zu kooperieren. Gleichzeitig versicherte sie ihnen, man arbeite daran, ihre Stellen zu sichern. Darunter auch die Hamas Polizei, die weiterhin in vielen Gebieten patrouilliert und ihre Präsenz demonstrativ zeigt.

Die Botschaft ist eindeutig. Die Hamas will ihre Strukturen nicht aufgeben, sondern transformieren. Aus Terrorapparat soll Verwaltung werden. Aus bewaffneter Kontrolle scheinbare Ordnung. Doch für Israel ist genau das inakzeptabel.

Jerusalem hat wiederholt klargestellt, dass es keinerlei Beteiligung der Hamas an der Zukunft Gazas akzeptieren wird. Nicht offen. Nicht verdeckt. Nicht unter neuem Namen. Jede Form institutioneller Kontinuität würde bedeuten, dass die Terrororganisation politisch überlebt, selbst wenn sie formell ihre Waffen niederlegt.

Die Forderung nach Einbindung der Hamas Polizei trifft daher den Kern des Konflikts. Polizei ist nicht neutral. Sie bedeutet Autorität, Zugriff, Informationsmacht. Wer die Polizei stellt, kontrolliert das tägliche Leben.

Die Hamas argumentiert, eine vollständige Entlassung zehntausender Mitarbeiter würde Chaos erzeugen. Intern wird offen davor gewarnt, dass ein Machtvakuum zu Instabilität führen könnte. Dieses Argument klingt pragmatisch, ist aber strategisch kalkuliert. Denn genau dieses Chaos hat die Hamas in der Vergangenheit stets genutzt, um sich als Ordnungsmacht zu präsentieren.

Gleichzeitig kündigte ein Hamas Sprecher an, man sei bereit, die formale Regierungsverantwortung sofort an den neuen Ausschuss zu übergeben. Diese Aussage wirkt kooperativ, doch sie ist an Bedingungen geknüpft. Qualifiziertes Personal solle übernommen werden. Rechte müssten gewahrt bleiben. Gemeint sind die eigenen Leute.

Besonders brisant ist die Sicherheitsfrage. Der vorgesehene Sicherheitsverantwortliche der neuen Verwaltung ist ein ehemaliger palästinensischer General, der nach der gewaltsamen Machtübernahme der Hamas im Jahr 2007 aus Gaza fliehen musste. Die Hamas hatte ihn später in Abwesenheit verurteilt. Dass ausgerechnet er nun Sicherheit garantieren soll, macht deutlich, wie tief das Misstrauen sitzt.

Parallel dazu drängen die Vereinigten Staaten auf eine umfassende Entmilitarisierung. Schwere Waffen sollen sofort außer Dienst gestellt werden. Leichte Waffen sollen registriert und schrittweise eingezogen werden, sobald neue Sicherheitskräfte einsatzfähig sind. Für Hamas Kämpfer ist offenbar eine Form von Amnestie vorgesehen.

Doch genau hier liegt das Problem. Die Hamas besitzt weiterhin Raketen, Produktionsstätten, Tunnel und tausende Waffen. Diplomaten gehen davon aus, dass noch hunderte Raketen vorhanden sind. Solange diese Infrastruktur existiert, bleibt jede Verwaltungsdebatte theoretisch.

Innerhalb der Terrororganisation selbst gibt es offenbar Bewegung. Hamas hat zugestimmt, erstmals mit anderen palästinensischen Gruppen über Entwaffnung zu sprechen. Doch konkrete Vorschläge liegen bislang nicht auf dem Tisch. Stattdessen fordert die Hamas politische Gegenleistungen.

Ihr zentrales Argument lautet, Entwaffnung könne nur Teil eines größeren politischen Prozesses sein. Waffen sollten am Ende einem palästinensischen Staat unterstellt werden. Bis dahin wolle man sie neutralisieren, nicht abgeben. Das ist ein entscheidender Unterschied.

Für Israel ist diese Logik nicht akzeptabel. Ministerpräsident Benjamin Netanyahu machte vor dem Parlament deutlich, dass die nächste Phase nicht Wiederaufbau bedeute. Sie bedeute Entmilitarisierung. Erst wenn Hamas vollständig entwaffnet sei, könne über Zukunft gesprochen werden.

Der amerikanische Plan folgt dieser Linie. Wiederaufbau soll nur dort beginnen, wo Waffen verschwunden sind. Investitionen sollen an überprüfte Entwaffnung gekoppelt werden. Der Anreiz ist bewusst materiell gesetzt. Sicherheit zuerst, dann Beton.

Doch genau deshalb versucht die Hamas, ihre bewaffnete Präsenz in zivile Strukturen zu überführen. Wenn die Waffen verschwinden müssen, soll zumindest das Personal bleiben. Wenn die Uniform wechselt, soll die Macht erhalten bleiben.

Für Israel ist das ein bekanntes Muster. Die Hamas hat über Jahre bewiesen, dass sie Waffenstillstände nutzt, um sich neu zu organisieren. Dass sie zivile Strukturen instrumentalisiert. Dass sie internationale Hilfsmechanismen missbraucht.

Deshalb ist diese Debatte mehr als Verwaltungstechnik. Sie ist ein politischer Wendepunkt.

Die Frage lautet nicht, ob Gaza eine neue Verwaltung braucht. Die Frage lautet, ob Terrorstrukturen unter internationaler Aufsicht weiterexistieren dürfen. Ob Stabilität durch Wahrheit entsteht oder durch Verdrängung.

Solange die Hamas versucht, ihre Polizei zu retten, zeigt sie, dass sie nicht bereit ist, Macht abzugeben. Entwaffnung bedeutet nicht nur Waffen ablegen. Sie bedeutet Kontrolle verlieren. Genau davor fürchtet sich die Terrororganisation am meisten.


Autor: Redaktion
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Mittwoch, 28 Januar 2026

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