Hamas verweigert Entwaffnung und rechtfertigt Raketen und Tunnel als SelbstschutzHamas verweigert Entwaffnung und rechtfertigt Raketen und Tunnel als Selbstschutz
Während Washington den Übergang zur zweiten Phase fordert, macht die Terrororganisation unmissverständlich klar: Sie will ihre Waffen behalten und ihre Kämpfer in eine neue Verwaltung integrieren.
Mit dem Übergang zur zweiten Phase des Abkommens rückt eine zentrale Frage in den Mittelpunkt: die Entwaffnung der Hamas. Doch während US-Präsident Donald Trump unmissverständlich fordert, dass die Terrororganisation ihre Waffen niederlegt, reagiert Hamas mit einer klaren Absage. Keine Entwaffnung, kein Verzicht auf militärische Fähigkeiten, keine Anerkennung internationaler Forderungen.
In mehreren öffentlichen Stellungnahmen erklärten führende Hamas-Vertreter in den vergangenen Stunden, dass die Waffen der Organisation nicht zur Disposition stünden. Sie seien, so der wiederholte Wortlaut, ein Mittel der Selbstverteidigung und eine innere palästinensische Angelegenheit. Jeder Versuch, den Wiederaufbau des Gazastreifens an eine Entmilitarisierung zu koppeln, werde kategorisch zurückgewiesen.
Damit macht Hamas deutlich, dass sie den Kern des internationalen Plans nicht akzeptiert. Der politische Prozess soll voranschreiten, der Wiederaufbau beginnen, die Verwaltung wechseln doch die militärische Macht der Terrororganisation soll bestehen bleiben.
Nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters fordert Hamas sogar, dass rund 10.000 bewaffnete Mitglieder der Organisation künftig Teil einer neuen palästinensischen Verwaltung in Gaza werden sollen. Israel lehnt ein solches Szenario entschieden ab, da es faktisch bedeuten würde, dass Hamas unter neuem Namen weiter regiert.
Parallel zu diesen Forderungen versuchte die Terrororganisation, ihre Haltung rhetorisch zu legitimieren. Der im Ausland lebende Hamas-Funktionär Suheil al-Hindi erklärte in einem Interview mit einem katarischen Fernsehsender, solange es eine israelische Präsenz gebe, habe das palästinensische Volk das Recht, sich zu verteidigen. Vor jeder Diskussion über Waffen müsse Israel zunächst seine Verpflichtungen erfüllen.
Diese Aussagen sind kein neues Narrativ, sondern ein altbekanntes Muster. Hamas spricht nicht von Terror, nicht von Raketen, nicht von Massakern, sondern von „Widerstand“. Bewaffnete Angriffe werden als Selbstverteidigung umgedeutet, selbst dann, wenn sie gezielt auf israelische Zivilisten abzielen.
Al-Hindi räumte ein, dass über Modelle wie eine zeitlich begrenzte Waffenruhe gesprochen werden könne. Möglich seien eine sogenannte Hudna oder eine vorübergehende Aussetzung des Waffeneinsatzes. Eine tatsächliche Entwaffnung schloss er jedoch ausdrücklich aus. Waffen sollen nicht abgegeben, sondern höchstens eingefroren werden.
Auch der Hamas-Politfunktionär Hussam Badran bekräftigte diese Linie in einem Interview mit Al-Jazeera. Forderungen Israels nach Entwaffnung führten seiner Darstellung nach in eine Sackgasse. Die Organisation befinde sich in einem existenziellen Kampf um Land, Geschichte und Zukunft. Von einem Verzicht auf Waffen könne keine Rede sein.
Bemerkenswert ist dabei die gezielte Verharmlosung der militärischen Realität. Badran erklärte, es gehe nicht um Panzer oder Kampfflugzeuge, sondern lediglich um Waffen der sogenannten Widerstandsgruppen. Diese Darstellung soll den Eindruck erwecken, es handle sich um begrenzte Verteidigungsmittel nicht um ein schwer bewaffnetes Terrorarsenal.
Tatsächlich verfügt Hamas weiterhin über Raketen, bewaffnete Einheiten, unterirdische Infrastruktur und tausende Kämpfer. Genau diese militärischen Strukturen waren Grundlage des Massakers vom 7. Oktober und sind der zentrale Grund, warum Israel jede politische Lösung ohne vollständige Entwaffnung ablehnt.
Während international über technokratische Komitees und neue Verwaltungsmodelle gesprochen wird, sendet Hamas damit ein klares Signal: Sie ist bereit, über Verwaltung zu reden aber nicht über Machtverzicht. Politische Umstrukturierung ja, militärische Entkernung nein.
Aus israelischer Sicht ist diese Haltung hochalarmierend. Eine Verwaltung, in der bewaffnete Hamas-Einheiten integriert werden, würde keine Stabilität schaffen, sondern die nächste Eskalation vorbereiten. Die Terrororganisation würde nicht verschwinden, sondern sich institutionell tarnen.
Dass Hamas ihre Position offen formuliert, ist dabei kein Zufall. Die Botschaft richtet sich nicht nur an Israel, sondern auch an die internationalen Vermittler. Die Organisation macht deutlich, dass sie bereit ist, Verhandlungen zu verzögern, solange ihre militärische Existenz nicht infrage gestellt wird.
Die Aussagen zeigen, dass die zweite Phase des Abkommens nicht an technischen Details scheitert, sondern an einem fundamentalen Gegensatz. Während Israel und die USA Entmilitarisierung als Voraussetzung für jede Zukunft Gazas betrachten, definiert Hamas ihre Waffen als unverzichtbaren Bestandteil ihrer Identität.
Damit wird klar: Der Konflikt dreht sich längst nicht mehr um Verwaltung oder Grenzfragen. Er dreht sich um die Frage, ob eine Terrororganisation bereit ist, ihre Gewalt aufzugeben oder ob sie diese weiterhin als politisches Druckmittel einsetzt.
Die aktuellen Äußerungen liefern darauf eine eindeutige Antwort.
Hamas will keinen Staat ohne Waffen. Sie will Macht ohne Verantwortung. Und sie will Wiederaufbau ohne Entwaffnung.
Für Israel bedeutet das: Jede Vereinbarung ohne klare, überprüfbare Demilitarisierung würde lediglich Zeit kaufen für die nächste Runde der Gewalt.
Autor: Redaktion
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Donnerstag, 29 Januar 2026