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Grenzübergang Rafah öffnet am Sonntag mit israelischer Sicherheitsprüfung

Grenzübergang Rafah öffnet am Sonntag mit israelischer Sicherheitsprüfung


Nach wochenlangen politischen und sicherheitspolitischen Verhandlungen erlaubt Israel die begrenzte Öffnung des Grenzübergangs Rafah. Der Personenverkehr bleibt streng reguliert und vollständig an israelische Sicherheitsprüfungen gebunden.

Grenzübergang Rafah öffnet am Sonntag mit israelischer Sicherheitsprüfung

Am kommenden Sonntag wird der Grenzübergang Rafah wieder geöffnet. Nach außen klingt das nach Bewegung, nach Entspannung, nach einem Schritt in Richtung Normalisierung. Doch wer genauer hinsieht, erkennt schnell: Diese Öffnung ist kein politisches Entgegenkommen, sondern ein sicherheitspolitischer Balanceakt unter israelischer Kontrolle.

Der Übergang wird in beide Richtungen geöffnet, jedoch ausschließlich für Personen. Keine Waren, keine Hilfskonvois, keine unkontrollierten Transporte. Pro Tag dürfen maximal 150 Palästinenser den Übergang passieren. Jeder einzelne Name muss 24 Stunden im Voraus vorgelegt werden. Jeder einzelne Mensch benötigt eine vorherige Sicherheitsfreigabe Israels.

Das ist keine Formalität. Es ist die Lehre aus dem 7. Oktober.

Die Entscheidung fiel nicht zufällig jetzt. Erst nach dem erfolgreichen Abschluss der Militäroperation in Gaza-Stadt und der Rückführung des gefallenen israelischen Soldaten Ran Gvili wurde eines der zentralen Hindernisse beseitigt, das einer Öffnung bislang im Weg stand. Seine Rückkehr nach Israel war mehr als ein humanitärer Akt. Sie war eine Voraussetzung.

In Jerusalem war klar: Solange auch nur ein israelischer Soldat ungeklärt in Gaza bleibt, darf kein Schritt erfolgen, der Sicherheitsrisiken schafft.

Die Öffnung erfolgt im Rahmen der zweiten Phase des Waffenstillstandsabkommens und ist Teil des sogenannten 20-Punkte-Plans von US-Präsident Donald Trump. Doch entscheidend ist nicht das Papier, sondern die Umsetzung. Und diese liegt faktisch in israelischer Hand.

Die Abläufe sind streng geregelt. Die ägyptische Seite koordiniert die Bewegungen, übermittelt die Namenslisten im Voraus, während Israel die endgültige Entscheidung trifft. Zusätzlich wird eine EU-Mission den Übergang überwachen, ähnlich wie beim Mechanismus Anfang 2025. Doch auch hier gilt: Die europäische Präsenz ersetzt keine israelische Sicherheitskontrolle.

Denn neben der europäischen Überprüfung in Rafah selbst erfolgt eine weitere Identifikation an einem zusätzlichen Kontrollpunkt im Gebiet unter Kontrolle der israelischen Armee. Erst dort wird endgültig entschieden, wer tatsächlich passieren darf.

Diese doppelte Kontrolle ist kein Ausdruck von Misstrauen gegenüber Ägypten oder Europa. Sie ist Ausdruck einer Realität, die Israel sich nicht leisten kann zu ignorieren. Hamas hat über Jahre zivile Infrastruktur missbraucht, Identitäten gefälscht, Bewegungen verschleiert und humanitäre Kanäle instrumentalisiert.

Wer fordert, Israel müsse „mehr vertrauen“, blendet aus, wie hoch der Preis dieses Vertrauens bereits war.

Gleichzeitig zeigt die begrenzte Öffnung, dass Israel trotz allem bereit ist, Bewegungsfreiheit unter klaren Bedingungen zu ermöglichen. Bewohner des Gazastreifens, die während des Krieges nach Ägypten ausgereist sind, dürfen zurückkehren. Aber auch hier gilt: nur nach vorheriger Sicherheitsprüfung, nur bei eindeutiger Identität, nur im Rahmen der festgelegten Kontingente.

In der internationalen Debatte wird Rafah oft emotionalisiert. Als Symbol, als Druckmittel, als moralische Frage. Für Israel ist Rafah jedoch vor allem eines: ein sicherheitsrelevanter Knotenpunkt, über den in der Vergangenheit Waffen, Terroristen und Geldströme liefen.

Dass der Übergang nun geöffnet wird, zeigt nicht Schwäche, sondern Selbstdisziplin. Israel hätte ihn geschlossen halten können. Militärisch wäre das einfacher gewesen. Politisch vielleicht sogar bequemer. Doch Verantwortung bedeutet nicht Abschottung um jeden Preis, sondern Kontrolle statt Chaos.

Die Öffnung von Rafah macht deshalb vor allem eines deutlich: Israel entscheidet wieder selbst über seine Sicherheitsarchitektur. Nicht unter Zwang, nicht unter medialem Druck, sondern auf Grundlage eigener Bedingungen.

150 Menschen pro Tag. Keine Waren. Volle Sicherheitsfreigabe. Zusätzliche Kontrolle durch die Armee.

Das ist kein Zeichen von Nachgiebigkeit. Es ist die nüchterne Sprache eines Landes, das gelernt hat, dass jeder unkontrollierte Übergang Leben kosten kann.

Und genau deshalb bleibt Rafah kein Tor der Hoffnung, wie es manche darstellen möchten, sondern ein Tor unter Verantwortung.




Autor: Redaktion
Bild Quelle: By Gigi Ibrahim - Flickr: Egyptian Convoy to Gaza, Palestine, Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=31361720
Freitag, 30 Januar 2026

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