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Kriminalität außer Kontrolle: Tausende protestieren gegen staatliches Wegsehen

Kriminalität außer Kontrolle: Tausende protestieren gegen staatliches Wegsehen


In Tel Aviv entlädt sich die Wut über Mord, Schutzgelder und Angst. Der Protest richtet sich nicht nur gegen Verbrecher, sondern gegen eine Politik, die seit Jahren zusieht.

Kriminalität außer Kontrolle: Tausende protestieren gegen staatliches Wegsehen

Am Samstagabend füllte sich der Platz vor dem Museum in Tel Aviv mit einer Wut, die sich lange angestaut hatte. Tausende Bürgerinnen und Bürger, überwiegend aus der arabischen Gesellschaft Israels, kamen zusammen, um gegen eine Realität zu protestieren, die für viele längst unerträglich geworden ist. Mord, organisierte Kriminalität, illegale Waffen und ein Gefühl völliger Schutzlosigkeit bestimmen den Alltag ganzer Städte und Dörfer.

Was hier sichtbar wurde, war keine spontane Demonstration. Es war der Ausdruck eines tiefen Bruchs zwischen Staat und einem Teil seiner Bürger.

Organisiert wurde die Kundgebung von der arabischen Monitoringkommission gemeinsam mit Dutzenden zivilgesellschaftlichen Organisationen und Protestbewegungen. Vertreter arabischer Parteien nahmen teil, darunter auch der Vorsitzende von Raam, Mansur Abbas. Seine Worte waren scharf, direkt und politisch eindeutig. Die heutige Demonstration, sagte er, sei nur der Anfang. Der Protest werde weitergehen bis zu den nächsten Wahlen. Ziel sei es, eine Regierung zu beenden, die die Sicherheit der arabischen Bevölkerung aufgegeben habe.

Diese Worte fielen nicht in ein politisches Vakuum. Seit Jahren steigen die Zahlen der Gewaltverbrechen in arabischen Ortschaften dramatisch. Schießereien am helllichten Tag, Auftragsmorde, Schutzgeldforderungen gegen Geschäftsinhaber, Einschüchterung von Kommunalpolitikern. Für viele Familien ist Angst zum Dauerzustand geworden.

Besonders bitter ist dabei nicht nur die Gewalt selbst, sondern das Gefühl, allein gelassen zu werden.

Während in jüdischen Städten Polizeieinsätze schnell sichtbar sind, berichten Bewohner arabischer Gemeinden immer wieder von schleppenden Ermittlungen, mangelnder Präsenz und kaum spürbarer Abschreckung. Mordfälle bleiben ungelöst, Täter verschwinden im Milieu, und die Spirale dreht sich weiter.

Die Demonstration in Tel Aviv war deshalb nicht nur ein Ruf nach mehr Polizei. Sie war ein Ruf nach Gleichwertigkeit.

Auch der Abgeordnete Ahmad Tibi sprach von einem Schrei nach Leben. Nach der großen Kundgebung in Sachnin sei es bewusst zu einer Demonstration im Herzen Tel Avivs gekommen, um sichtbar zu machen, dass es sich nicht um ein Randproblem handelt. Die Gewalt in der arabischen Gesellschaft sei kein internes Thema einer Minderheit, sondern eine nationale Krise.

Tatsächlich reichen die Ursachen tief. Jahrzehntelange Vernachlässigung, fehlende staatliche Investitionen, schwache kommunale Strukturen und das massive Eindringen organisierter Kriminalität haben eine explosive Mischung geschaffen. Illegale Waffen, oft aus Armeebeständen oder Schmuggelrouten, sind weit verbreitet. Ganze Clans kontrollieren Straßenzüge, Baustellen und lokale Wirtschaftszweige.

Doch so komplex die Ursachen sind, so klar ist für viele Demonstranten die Verantwortung des Staates.

Denn Sicherheit ist kein Privileg, sondern ein Grundrecht.

Wenn Bürger das Gefühl haben, dass ihr Leben weniger zählt, entsteht ein gefährlicher Riss im gesellschaftlichen Gefüge. Dieser Riss war am Samstag sichtbar. Nicht als Gewalt, sondern als Anklage. Gegen Ministerien, gegen Polizeiführung, gegen politische Prioritäten, die anderswo liegen.

Die Regierung weist solche Vorwürfe regelmäßig zurück und verweist auf Programme, Sonderbudgets und neue Polizeieinheiten. Doch vor Ort kommt davon für viele wenig an. Vertrauen entsteht nicht durch Ankündigungen, sondern durch sichtbare Veränderung. Und genau diese bleibt bislang aus.

Bemerkenswert ist auch der politische Ton der Demonstration. Während frühere Proteste häufig auf Kooperation und Dialog setzten, klangen diesmal deutlich konfrontativere Töne an. Der Protest richtete sich offen gegen die Regierung als Ganzes. Nicht mehr nur gegen Versäumnisse, sondern gegen eine Politik, die als bewusstes Wegsehen wahrgenommen wird.

Das ist eine gefährliche Entwicklung, nicht nur für die arabische Gesellschaft, sondern für Israel insgesamt.

Denn ein Staat, der es nicht schafft, Recht und Ordnung für alle Bürger gleichermaßen durchzusetzen, verliert langfristig seine innere Stabilität. Organisierte Kriminalität kennt keine ethnischen Grenzen. Sie breitet sich aus, wenn sie nicht gestoppt wird.

Die Demonstration in Tel Aviv war deshalb mehr als ein symbolischer Akt. Sie war eine Warnung. Nicht aus Ideologie, sondern aus Verzweiflung. Viele der Teilnehmenden haben selbst Angehörige verloren. Andere leben mit ständiger Angst, dass es sie als Nächste treffen könnte.

Ob die politische Führung diese Botschaft ernst nimmt, wird sich nicht an Statements messen lassen, sondern an Ergebnissen. An gelösten Mordfällen. An beschlagnahmten Waffen. An echter Präsenz des Rechtsstaates.

Solange das ausbleibt, wird der Protest nicht verstummen.




Autor: Redaktion
Bild Quelle:
Sonntag, 01 Februar 2026

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