Rafah wieder offen, begrenzter Übergang unter israelischer KontrolleRafah wieder offen, begrenzter Übergang unter israelischer Kontrolle
Der Grenzübergang Rafah ist wieder in Betrieb. Der tatsächliche Umfang bleibt jedoch stark eingeschränkt. Entscheidend ist nicht die Öffnung selbst, sondern wer kontrolliert, wer entscheidet und was ausdrücklich nicht erlaubt ist.
Nach über einem Jahr vollständiger Schließung ist der Grenzübergang Rafah zwischen dem Gazastreifen und Ägypten wieder aktiviert worden. Am Sonntag begann eine technische Testphase, die der Vorbereitung des regulären Personenverkehrs dient. Nach israelischen Angaben sollen erste genehmigte Übertritte ab Montag erfolgen, allerdings ausschließlich in stark begrenztem Umfang und unter einem mehrstufigen Sicherheitsmechanismus.
Die Koordination liegt bei der israelischen Militärbehörde COGAT, die betont, dass es sich nicht um eine vollständige Öffnung handelt, sondern um einen kontrollierten Pilotbetrieb. Die Abläufe werden gemeinsam mit Ägypten sowie der EU-Grenzmission EUBAM getestet. Ziel ist es, sämtliche Identifikations und Überprüfungssysteme vor einer Ausweitung des Verkehrs abzusichern. Erst nach Abschluss dieser Tests sollen tatsächlich Personen den Übergang passieren dürfen.
Israel hat klargestellt, dass jeder einzelne Grenzübertritt überprüft wird. Die Namen der Reisenden müssen vorab von ägyptischer Seite übermittelt und durch israelische Sicherheitsdienste freigegeben werden. Die Kontrolle erfolgt dabei auch aus der Distanz mithilfe biometrischer Verfahren. Personen mit Verbindungen zu Terrororganisationen erhalten keine Genehmigung. Führende Hamas Funktionäre sollen unter keinen Umständen ausreisen dürfen. Die Einreise nach Gaza erfolgt ebenfalls nur nach Sicherheitskontrollen an israelischen Kontrollpunkten.
Vorgesehen ist zunächst, täglich rund 50 medizinische Patienten ausreisen zu lassen, jeweils begleitet von bis zu zwei Angehörigen. Zusätzlich sollen Personen zurückkehren dürfen, die Gaza während der Kampfhandlungen verlassen hatten. Eine Nutzung des Übergangs für Waren oder Hilfsgüter ist nicht geplant. Diese laufen weiterhin ausschließlich über andere Übergänge, die unter israelischer Kontrolle stehen. Hintergrund ist die jahrelange Nutzung Rafahs durch die Hamas zur unkontrollierten Einschleusung von Waffen und militärischem Material.
Die Wiederaufnahme des Betriebs erfolgt im Rahmen der zweiten Phase der Waffenruhe und nach intensiven politischen und sicherheitstechnischen Abstimmungen. Ministerpräsident Benjamin Netanyahu hatte die Öffnung an klare Bedingungen geknüpft, darunter vollständige Sicherheitsaufsicht und Fortschritte bei der Klärung offener Geiselfragen. Aus israelischer Sicht bleibt Rafah ein sensibler Punkt, der nur dann betrieben werden kann, wenn Kontrolle und Abschreckung vollständig gewährleistet sind.
Für viele Bewohner Gazas ist der Übergang ein Hoffnungssymbol. Für Israel bleibt er vor allem ein sicherheitspolitisches Risiko, das nur unter strengsten Bedingungen tragbar ist. Die jetzige Öffnung ist deshalb kein politisches Zugeständnis, sondern ein kontrollierter Schritt, dessen Fortsetzung allein vom Verhalten der Gegenseite abhängt.
Autor: Redaktion
Bild Quelle: By Gigi Ibrahim - Flickr: Egyptian Convoy to Gaza, Palestine, Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=31361720
Sonntag, 01 Februar 2026