Witkoff kommt nach Jerusalem, Washington drängt auf harte EntscheidungenWitkoff kommt nach Jerusalem, Washington drängt auf harte Entscheidungen
Der Sondergesandte von US-Präsident Trump reist nach Israel, um mit Premier Netanyahu und Generalstabschef Zamir über die zweite Phase der Gaza-Vereinbarungen und über Iran zu beraten. Hinter den Kulissen laufen intensive Gespräche zwischen Jerusalem und Washington, während die regionale Lage gefährlich angespannt bleibt.
Der amerikanische Nahost-Sondergesandte Steve Witkoff wird in den kommenden Tagen zu Gesprächen nach Israel reisen. Nach Angaben hochrangiger israelischer Vertreter soll er sich mit Ministerpräsident Benjamin Netanyahu und mit dem Generalstabschef der israelischen Armee, Eyal Zamir, treffen. Die Visite fällt in eine besonders sensible Phase: Die zweite Stufe der Gaza-Vereinbarungen beginnt, gleichzeitig spitzt sich die Auseinandersetzung mit Iran erneut zu.
Offiziell heißt es, Witkoff wolle sich ein genaues Bild der Lage verschaffen und mit der israelischen Führung über die nächsten Schritte beraten. In Wahrheit steht jedoch weit mehr auf dem Spiel. Washington versucht, den Übergang in die nächste Phase der Nachkriegsordnung in Gaza zu steuern und gleichzeitig den Druck auf Teheran aufrechtzuerhalten. Für Israel geht es dabei um existentielle Fragen.
Die Gespräche zwischen Jerusalem und Washington laufen bereits seit Wochen auf Hochtouren. Erst vor wenigen Tagen war Generalstabschef Zamir zu einem diskreten Besuch in den Vereinigten Staaten. Dort traf er hinter verschlossenen Türen führende Militärvertreter des Pentagons, darunter den Vorsitzenden der Vereinigten Stabschefs, Dan Caine. Diese Treffen wurden bewusst nicht öffentlich angekündigt. Sie zeigen jedoch, wie eng die militärische Abstimmung zwischen beiden Ländern derzeit ist.
Nach israelischen Angaben hat sich in den vergangenen Monaten eine Art strategische Dreiecksachse gebildet: zwischen dem israelischen Generalstabschef, dem Befehlshaber des US-Zentralkommandos und der amerikanischen Militärführung in Washington. Diese Kanäle arbeiten nahezu permanent. In manchen Wochen finden sogar mehrere Abstimmungen statt. Es geht um Einsatzpläne, um Koordination und um mögliche Szenarien für den Fall, dass die Lage in der Region eskaliert.
Parallel dazu wurde am Montag der Grenzübergang Rafah zwischen dem Gazastreifen und Ägypten vollständig für den Personenverkehr geöffnet. Nachdem am Sonntag lediglich ein technischer Testbetrieb stattgefunden hatte, dürfen nun ausgewählte Palästinenser ausreisen und andere zurückkehren. Diese Öffnung ist Teil der Vereinbarungen, die im Rahmen der Waffenruhe getroffen wurden. Für Israel bleibt der Schritt heikel, weil jede Lockerung auch Risiken birgt.
Doch im Mittelpunkt der Gespräche steht vor allem Iran. In Jerusalem wächst die Sorge, dass die amerikanische Regierung sich auf ein Abkommen mit Teheran einlassen könnte, das zwar die Urananreicherung einfriert, aber das iranische Raketenprogramm unangetastet lässt. Aus israelischer Sicht wäre dies eine gefährliche Illusion. Die militärische Bedrohung durch ballistische Raketen ist für Israel genauso ernst wie die atomare Frage.
Die Reise Witkoffs soll daher nicht nur den Gaza-Prozess begleiten, sondern auch klären, wie weit Washington bereit ist, in der Iran-Frage zu gehen. Israel erwartet von den USA eine klare Linie, nicht nur diplomatische Worte. Für Netanyahu und Zamir dürfte die Botschaft an den amerikanischen Gesandten eindeutig sein: Halbherzige Kompromisse mit Teheran werden nicht akzeptiert.
Gleichzeitig wächst in der Region die Nervosität. Aus Iran kommen offene Drohungen, man werde im Falle eines Angriffs „den gesamten Nahen Osten in Brand setzen“. Auch in Washington weiß man, dass die Lage explosiv ist. Genau deshalb ist der direkte Dialog zwischen den Regierungen derzeit so entscheidend.
Für Israel beginnt nun eine Phase schwieriger Entscheidungen. Die zweite Stufe der Gaza-Vereinbarungen verlangt Schritte, die politisch heikel sind. Die Bedrohung aus Teheran bleibt unverändert real. Und in Washington sitzt ein Präsident, der zwar als enger Freund Israels gilt, aber vor allem seine eigenen strategischen Interessen verfolgt.
Der Besuch von Steve Witkoff wird deshalb weit mehr sein als eine routinemäßige Visite. Er ist Teil eines Machtspiels, in dem es um die zukünftige Sicherheitsarchitektur des Nahen Ostens geht. Für Israel steht dabei nichts Geringeres auf dem Spiel als die eigene Sicherheit.
Autor: Redaktion
Bild Quelle: By The White House - https://www.flickr.com/photos/202101414@N05/54821691857/, Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=175854363
Montag, 02 Februar 2026