Türkei verhaftet israelische Touristin wegen angeblicher Beleidigungen von ErdoganTürkei verhaftet israelische Touristin wegen angeblicher Beleidigungen von Erdogan
Eine Israelin sitzt seit Tagen in Istanbul in Haft, weil sie öffentlich gegen die türkische Regierung gesprochen haben soll. Der Fall wirft erneut ein Schlaglicht auf das feindselige Klima gegenüber Israelis in der Türkei und auf das autoritäre Vorgehen der Behörden.
Was für viele Menschen als gewöhnliche Urlaubsreise beginnt, kann in der Türkei inzwischen schnell in einem Albtraum enden. Genau das erlebt derzeit eine israelische Staatsbürgerin, die in Istanbul festgenommen wurde und sich seit mindestens zehn Tagen in türkischem Polizeigewahrsam befindet. Ihr wird vorgeworfen, anti-palästinensische Äußerungen gemacht, den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan kritisiert und sogar die türkische Flagge beleidigt zu haben.
Der Fall, über den israelische Medien am Wochenende berichteten, hat in Israel Empörung ausgelöst. Das israelische Außenministerium bestätigte, dass ihm die Festnahme einer israelischen Bürgerin bekannt sei und dass man die Angelegenheit diplomatisch begleite. Konkrete Details zu ihrem Zustand oder zu den genauen Vorwürfen wurden jedoch nicht offiziell veröffentlicht.
Nach bisherigen Berichten wurde die Frau im Bereich des Taksim-Platzes festgenommen, einem der belebtesten und bekanntesten Orte Istanbuls. Dort soll es zu einer Auseinandersetzung gekommen sein, in deren Verlauf sie sich kritisch über Erdogan und die türkische Politik geäußert habe. Offenbar genügte dies, um sie umgehend abzuführen.
Fotos, die in sozialen Netzwerken kursieren, zeigen eine Frau, die von türkischen Polizeibeamten in Handschellen abgeführt wird. Unabhängig bestätigen lassen sich diese Aufnahmen bisher nicht. Doch die Bilder fügen sich nahtlos in ein größeres Muster ein: In der heutigen Türkei reicht oft schon ein falsches Wort, um ins Visier der Behörden zu geraten.
Die Türkei ist seit Jahren kein sicherer Ort mehr für Menschen, die nicht exakt auf Linie der Regierung Erdogan liegen. Journalisten, Studenten, Künstler, ja sogar Touristen erleben immer wieder, wie schnell Kritik oder bloße politische Meinungsäußerungen als Straftat gewertet werden. Besonders empfindlich reagiert Ankara, wenn es um das Thema Israel geht.
Die türkische Führung hat sich in den vergangenen Jahren zunehmend als scharfer Gegner Israels positioniert. Erdogan nutzt jede Gelegenheit, um Israel international zu verurteilen und sich als angeblicher Verteidiger der Palästinenser zu inszenieren. In diesem aufgeheizten Klima wird schon ein einziges kritisches Wort eines Israelis als Provokation interpretiert.
Dass ausgerechnet eine einfache Touristin nun in dieses politische Räderwerk geraten ist, zeigt, wie gefährlich Reisen in die Türkei für Israelis geworden sind. Der Vorwurf, sie habe anti-palästinensische Rhetorik verwendet, klingt dabei besonders absurd. Politische Meinungsäußerungen gehören in demokratischen Staaten zur freien Rede. In der Türkei jedoch werden sie schnell kriminalisiert.
Der aktuelle Fall erinnert an frühere Vorfälle, in denen Israelis in der Türkei willkürlich festgesetzt wurden. Besonders bekannt wurde 2021 die Festnahme des israelischen Ehepaars Natali und Mordy Oaknin. Ihnen wurde absurderweise Spionage vorgeworfen, weil sie Fotos vom Präsidentenpalast gemacht hatten. Erst nach massiver diplomatischer Intervention Israels kamen sie wieder frei.
Genau ein solches Szenario droht auch jetzt. Die festgenommene Israelin befindet sich in einer rechtlich völlig unsicheren Lage. Türkische Gerichte sind längst nicht mehr unabhängig, politische Prozesse sind an der Tagesordnung. Die Gefahr, dass sie als Spielball in einem politischen Machtkampf missbraucht wird, ist real.
Für Israel stellt sich damit erneut die Frage, wie lange man noch zuschauen will, wie eigene Bürger in der Türkei drangsaliert werden. Offizielle Reisewarnungen existieren zwar bereits, doch viele Israelis unterschätzen weiterhin das Risiko. Der aktuelle Fall dürfte diese Einschätzung schmerzhaft korrigieren.
Die türkischen Behörden haben bisher keine formelle Anklage veröffentlicht. Dennoch wird die Frau bereits wie eine Kriminelle behandelt. Ihr Schicksal zeigt, wie weit sich die Türkei von rechtsstaatlichen Standards entfernt hat. Wer heute nach Istanbul reist, betritt nicht mehr nur ein Urlaubsland, sondern ein politisches Minenfeld.
Für Israel ist klar: Es darf seine Bürger nicht allein lassen. Hinter den Kulissen laufen bereits diplomatische Bemühungen, um ihre Freilassung zu erreichen. Doch Erfahrungsgemäß nutzt Ankara solche Fälle gern, um politischen Druck aufzubauen.
Der Vorfall ist eine weitere Warnung an alle Israelis: Die Türkei unter Erdogan ist kein neutraler Boden mehr. Wer dort offen seine Meinung sagt, kann schneller im Gefängnis landen, als er sich vorstellen kann.
Autor: Redaktion
Bild Quelle: Screenshot X
Dienstag, 03 Februar 2026