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Studie aus Israel zeigt: Sexuelle Minderheiten leiden deutlich stärker unter Depressionen und Angst

Studie aus Israel zeigt: Sexuelle Minderheiten leiden deutlich stärker unter Depressionen und Angst


Neue wissenschaftliche Untersuchung offenbart alarmierende Unterschiede in der psychischen Gesundheit. Israelis aus sexuellen Minderheiten berichten wesentlich häufiger von seelischen Belastungen, Suizidgedanken und emotionalen Problemen als heterosexuelle Befragte.

Studie aus Israel zeigt: Sexuelle Minderheiten leiden deutlich stärker unter Depressionen und Angst

Eine neue israelische Studie bringt unbequeme Wahrheiten ans Licht. Menschen, die zu sexuellen Minderheiten gehören, kämpfen im Durchschnitt mit erheblich größeren psychischen Belastungen als der Rest der Bevölkerung. Depressionen, Angstzustände, Probleme bei der Emotionsregulierung und ein deutlich geringeres allgemeines Wohlbefinden gehören für viele zum Alltag. Die Ergebnisse zeigen, wie tief gesellschaftlicher Druck und Ausgrenzung in das Leben Betroffener eingreifen.

Die Untersuchung wurde von Forschern der Universität Haifa und der Ben-Gurion-Universität im Negev durchgeführt. Zwischen September 2022 und April 2023 nahmen 465 Erwachsene an einer umfangreichen Online-Befragung teil. Die Teilnehmer wurden vor allem über soziale Netzwerke wie Facebook und Instagram erreicht. Das Durchschnittsalter lag bei etwa 25 Jahren, der Großteil der Befragten war weiblich, und rund 70 Prozent identifizierten sich als heterosexuell.

Schon der grundlegende Vergleich zwischen den Gruppen offenbart deutliche Unterschiede. Personen aus sexuellen Minderheiten gaben signifikant häufiger an, unter Angstzuständen und Depressionen zu leiden. Auch berichteten sie öfter von diagnostizierten psychischen Erkrankungen und einem generell niedrigeren Lebensgefühl. Diese Ergebnisse blieben auch nach strenger statistischer Überprüfung eindeutig.

Doch die Studie ging weiter, als nur einfache Vergleiche anzustellen. Die Forscher nutzten moderne Netzwerkmethoden, um Zusammenhänge zwischen verschiedenen psychischen und sexuellen Gesundheitsfaktoren zu analysieren. Dabei zeigte sich, dass Depressionen im Leben sexueller Minderheiten eine besonders zentrale Rolle spielen. Sie wirken wie ein Knotenpunkt, der viele andere Probleme miteinander verbindet.

Bei heterosexuellen Befragten standen hingegen Fragen der sexuellen Funktionsfähigkeit stärker im Mittelpunkt des psychischen Netzwerks. Bei Teilnehmern aus sexuellen Minderheiten war dagegen die Anzahl bereits bestehender psychischer Diagnosen ein entscheidender Faktor, der weitere Belastungen begünstigte. Diese Erkenntnisse verdeutlichen, dass sich die inneren Mechanismen seelischer Probleme zwischen den Gruppen deutlich unterscheiden.

Ein besonders sensibles Thema ist der Bereich Sexualität und Intimität. Die Studie ergab, dass Teilnehmer aus sexuellen Minderheiten häufiger unter sexuell bedingtem Stress litten, eher problematischen Pornografiekonsum angaben und häufiger Symptome zwanghaften Sexualverhaltens zeigten. Diese Probleme sind selten isoliert, sondern hängen eng mit Angst, Depression und Schwierigkeiten bei der Gefühlsregulierung zusammen.

All dies zeichnet ein klares Bild: Wer in Israel nicht der heterosexuellen Mehrheit angehört, lebt statistisch mit einem deutlich höheren Risiko für psychische Erkrankungen. Die Ursachen dafür werden in der Studie nicht direkt untersucht, doch die Zusammenhänge sind offensichtlich. Gesellschaftliche Vorurteile, Diskriminierung, religiöser und familiärer Druck sowie das Gefühl, nicht dazuzugehören, hinterlassen tiefe Spuren.

Israel ist in vieler Hinsicht ein modernes, offenes Land. In Städten wie Tel Aviv existiert eine lebendige und selbstbewusste LGBT-Gemeinschaft. Doch gleichzeitig bleibt die Gesellschaft stark geprägt von traditionellen und religiösen Strukturen. Für viele Menschen aus sexuellen Minderheiten bedeutet das ein Leben zwischen zwei Welten. Auf der einen Seite Fortschritt und Freiheit, auf der anderen Seite Ablehnung und Unsichtbarkeit.

Die Forscher weisen selbst darauf hin, dass ihre Studie Grenzen hat. Die Teilnehmer wurden über soziale Medien rekrutiert, was bedeutet, dass es sich nicht um eine repräsentative Stichprobe der gesamten Bevölkerung handelt. Außerdem erlaubt das Studiendesign keine direkten Aussagen über Ursachen und Wirkungen. Dennoch sind die Ergebnisse zu deutlich, um sie zu ignorieren.

Was aus dieser Untersuchung vor allem folgt, ist eine dringende gesellschaftliche Verantwortung. Psychische Gesundheitsdienste in Israel müssen stärker auf die besonderen Bedürfnisse sexueller Minderheiten eingehen. Beratungsangebote, Therapien und Präventionsprogramme sollten gezielt angepasst werden. Schulen, Universitäten und Arbeitsplätze müssen Orte sein, an denen niemand Angst haben muss, sich zu zeigen.

Es ist kein Zufall, dass Depressionen und Suizidgedanken unter sexuellen Minderheiten weltweit häufiger vorkommen. Die israelische Studie bestätigt, dass auch hierzulande noch ein langer Weg vor uns liegt. Akzeptanz ist kein Luxus, sondern eine Frage des seelischen Überlebens.

In einer Region, die ohnehin von Konflikten und Spannungen geprägt ist, dürfen diese stillen inneren Kämpfe nicht weiter übersehen werden. Eine Gesellschaft wird nicht nur an ihrer militärischen Stärke gemessen, sondern auch daran, wie sie mit ihren verletzlichsten Mitgliedern umgeht.

Die Ergebnisse dieser Studie sollten ein Weckruf sein. Nicht nur für Politiker und Gesundheitsexperten, sondern für jeden Einzelnen. Respekt, Toleranz und menschliche Wärme sind keine abstrakten Werte. Sie entscheiden ganz konkret darüber, ob Menschen in diesem Land Hoffnung oder Verzweiflung empfinden.

Israel hat in vielen Bereichen bewiesen, dass es Wandel und Fortschritt kann. Nun ist es an der Zeit, diesen Anspruch auch im Umgang mit sexuellen Minderheiten endlich vollständig einzulösen.




Autor: Redaktion
Bild Quelle: Symbolbild
Samstag, 07 Februar 2026

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