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US-Iran Gespräche könnten Israel schutzlos zurücklassen

US-Iran Gespräche könnten Israel schutzlos zurücklassen


Während Washington von Fortschritten spricht, wächst in Jerusalem die Furcht, dass ein neues Abkommen mit Teheran Israels Sicherheit opfern könnte.

US-Iran Gespräche könnten Israel schutzlos zurücklassen

In den Büros der israelischen Sicherheitsbehörden herrscht dieser Tage alles andere als Zuversicht. Hinter verschlossenen Türen äußern hochrangige Verteidigungsexperten immer lauter ihre Sorge über die laufenden Gespräche zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran. Was in Washington als diplomatischer Durchbruch verkauft wird, wirkt aus israelischer Sicht wie ein gefährliches Experiment mit ungewissem Ausgang.

Die zentrale Befürchtung ist klar und deutlich: Ein Abkommen, das ohne ernsthafte Berücksichtigung israelischer Sicherheitsinteressen zustande kommt, könnte Israel faktisch entwaffnen, während der Iran weiter aufrüstet. Für Jerusalem wäre dies kein diplomatischer Erfolg, sondern eine strategische Katastrophe.

Nach Einschätzung führender Analysten in Israel hat Irans Oberster Führer Ali Khamenei keinerlei Absicht, das Atomprojekt seines Landes wirklich aufzugeben. Im Gegenteil. Für das Regime in Teheran gilt die Entwicklung nuklearer Fähigkeiten als Lebensversicherung. Sie ist das ultimative Druckmittel gegen den Westen und gegen Israels Existenz. Allenfalls, so warnen Experten, wäre der Iran bereit, das Programm vorübergehend zu verlangsamen, um wirtschaftliche Erleichterungen zu erhalten. Ein echter Verzicht steht nicht zur Debatte.

Hinzu kommt ein weiterer alarmierender Punkt. Niemand weiß genau, wo sich das iranische Uran befindet, das bereits auf 60 Prozent angereichert wurde. Diese Menge ist technisch gesehen nur noch wenige Schritte von waffenfähigem Material entfernt. Schon diese Tatsache allein macht jede Verhandlung mit Teheran zu einem Spiel mit hohem Risiko.

Doch selbst wenn ein Atomabkommen zustande käme, bliebe ein gigantisches Problem bestehen. Der Iran hat unmissverständlich erklärt, dass er sein Arsenal ballistischer Raketen unter keinen Umständen aufgeben wird. Viele dieser Raketen sind direkt auf Israel gerichtet. Sie stellen schon heute eine unmittelbare Bedrohung dar, unabhängig von jeder nuklearen Komponente.

Aus Sicht israelischer Verteidigungskreise ergibt sich daraus ein düsteres Gesamtbild. Die gesamte Verhandlungsdynamik zwischen Washington und Teheran wird als schlecht für Israel bewertet. Denn es ist zu erwarten, dass amerikanische Diplomaten vor allem auf kurzfristige politische Erfolge aus sind, während Israels langfristige Sicherheit in den Hintergrund gedrängt wird.

Im Raum stehen derzeit zwei mögliche Szenarien für ein künftiges Abkommen. Das erste wäre eine Art Schutzabkommen, das Israel faktisch daran hindern würde, militärisch gegen den Iran vorzugehen. Ein solcher Vertrag könnte Klauseln enthalten, die israelische Luftangriffe oder andere präventive Maßnahmen untersagen. Für Israel wäre dies ein Albtraum. Es würde bedeuten, dass die eigene Verteidigungsfähigkeit von einem Papier aus Washington abhängig gemacht wird.

Die zweite Option wäre ein offeneres Abkommen, das Israel weiterhin Handlungsfreiheit lässt. Ein solches Modell würde zwar die diplomatischen Gespräche fortsetzen, aber gleichzeitig klarstellen, dass Israel das Recht behält, gegen iranische Bedrohungen militärisch vorzugehen. Dieses Szenario erinnert an die Vereinbarungen zwischen den USA und den Huthi-Milizen im Jemen, bei denen zwar verhandelt wurde, Israel jedoch die Freiheit behielt, Angriffe abzuwehren.

Aus israelischer Sicht ist diese zweite Variante eindeutig vorzuziehen. Sie würde zumindest die Möglichkeit offenlassen, auf eine Eskalation angemessen zu reagieren. Denn niemand in Jerusalem hat die Illusion, dass der Iran sich plötzlich in einen friedlichen Nachbarn verwandeln wird.

Die israelischen Streitkräfte bereiten sich deshalb bereits auf verschiedene Entwicklungen vor. Ein mögliches Scheitern der Verhandlungen könnte zu direkteren amerikanischen Militäraktionen gegen den Iran führen. Auch auf dieses Szenario stellt sich die israelische Armee ein. Gleichzeitig wird mit der Möglichkeit gerechnet, dass der Iran seine Stellvertreterorganisationen nutzt, um Israel anzugreifen, falls die Gespräche scheitern.

Hisbollah im Libanon, Milizen in Syrien und im Irak, bewaffnete Gruppen im Jemen. All diese Kräfte könnten jederzeit aktiviert werden, um Israel unter Druck zu setzen. Für Jerusalem bedeutet das, dass ein diplomatischer Prozess in Washington sehr schnell in einen militärischen Konflikt im Nahen Osten umschlagen kann.

In den kommenden Tagen soll der genaue Rahmen der Verhandlungen bekannt werden. Dann wird sich zeigen, ob die amerikanische Militärpräsenz im Nahen Osten tatsächlich abschreckend auf Teheran wirkt oder ob der Iran die Gespräche lediglich als Zeitgewinn betrachtet. In Israel überwiegt die Skepsis.

Vor diesem Hintergrund erhält das bevorstehende Treffen zwischen Ministerpräsident Benjamin Netanyahu und Präsident Donald Trump in Washington enorme Bedeutung. Netanyahu hat bereits deutlich gemacht, dass aus israelischer Sicht jede Verhandlung zwingend auch das iranische Raketenprogramm und die Unterstützung terroristischer Organisationen einschließen muss. Ohne diese Punkte wäre ein Abkommen für Israel wertlos.

Trump wiederum zeigt sich öffentlich optimistisch. Er spricht von guten Gesprächen und betont, der Iran werde niemals Atomwaffen besitzen dürfen. Doch schöne Worte haben Israel noch nie geschützt. Was zählt, sind konkrete Garantien und realistische Sicherheitsmechanismen.

Die Geschichte lehrt, dass der Iran jedes Zugeständnis des Westens konsequent ausnutzt. Frühere Abkommen wurden gebrochen, Inspektoren getäuscht und Verpflichtungen umgangen. Aus israelischer Sicht gibt es keinen Grund anzunehmen, dass es diesmal anders sein wird.

Die Sorge in Jerusalem ist deshalb nicht übertrieben, sondern nüchtern begründet. Ein schlecht ausgehandeltes Abkommen könnte Israel in eine Situation bringen, in der es von einem aggressiven, hochgerüsteten Iran bedroht wird, ohne sich angemessen verteidigen zu dürfen. Das wäre eine strategische Falle, aus der es kein Entkommen gäbe.

Für Israel steht daher fest: Diplomatie darf niemals auf Kosten der eigenen Sicherheit gehen. Wenn die Vereinigten Staaten diesen Grundsatz vergessen, wird der jüdische Staat gezwungen sein, seine Interessen selbst in die Hand zu nehmen. Die kommenden Wochen könnten entscheiden, ob Washington das versteht oder ob Israel erneut allein gelassen wird.




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Bild Quelle: By Fars Media Corporation, CC BY 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=99662209
Sonntag, 08 Februar 2026

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