Israels Insider‑Skandal auf Polymarket: Reservist und Zivilist sollen mit Geheimwissen auf Iran‑Angriff gewettet habenIsraels Insider‑Skandal auf Polymarket: Reservist und Zivilist sollen mit Geheimwissen auf Iran‑Angriff gewettet haben
Ein israelischer Reservedienstleistender und ein Zivilist stehen im Verdacht, geheime Militärinformationen genutzt zu haben, um auf der Krypto‑Plattform Polymarket präzise Wetten auf einen israelischen Luftschlag gegen den Iran im Juni abzuschließen und sechsstellig zu kassieren.
In Israel erschüttert ein brisanter Insider‑Skandal die Sicherheitsbehörden: Ein IDF‑Reservist und ein Zivilist sollen streng geheime Militärinformationen genutzt haben, um auf der Prognoseplattform Polymarket hohe Gewinne zu erzielen. Nach gemeinsamen Angaben von Schin Bet, Verteidigungsministerium und Polizei wurden mehrere Verdächtige festgenommen, denen vorgeworfen wird, auf Basis vertraulicher Lageeinschätzungen zu militärischen Operationen Wetten auf sicherheitspolitische Ereignisse abgeschlossen zu haben.
Vor dem Bezirksgericht Tel Aviv wurde gegen einen Reservisten und einen Zivilisten Anklage erhoben unter anderem wegen unbefugter Weitergabe geheimer Informationen, Korruption und Behinderung der Justiz. Die Sicherheitsbehörden sprechen von einem Vorgang, der die Operationsfreiheit der Armee gefährden und Gegnern sensible Hinweise auf israelische Einsatzpläne liefern könne.
Was hinter Polymarket steckt
Polymarket ist ein sogenannter Prognosemarkt: Nutzer können mit Kryptowährungen auf das Eintreten zukünftiger Ereignisse wetten von Wahlen über Wirtschaftsdaten bis hin zu Kriegen und Terroranschlägen. Je mehr Geld auf ein bestimmtes Szenario fließt, desto mehr spiegelt der Markt die kollektive Einschätzung seiner Nutzer wider, was ihn zu einer Art „Echtzeit‑Stimmungsbarometer“ für die Zukunft macht.
Die Teilnahme ist global und weitgehend pseudonym möglich, was Märkte wie Polymarket sowohl für Spekulanten als auch für Akteure attraktiv macht, die über exklusive Informationen verfügen. Genau diese Schnittstelle zwischen Prognosemarkt und Geheimhaltung macht den aktuellen Fall aus israelischer Sicht so brisant.
Der Account „Rico Suave“ und die Wetten auf den Iran‑Angriff
Im Fokus der Ermittlungen steht ein anonymer Nutzer mit dem Pseudonym „Rico Suave“, der rund um die Eskalation zwischen Israel und Iran im Juni 2025 plötzlich auf Polymarket auftauchte. Der Account war zuvor nicht in Erscheinung getreten, platzierte dann aber in kurzer Zeit Einsätze von etwa 13.000 US‑Dollar auf mehrere, äußerst präzise definierte Kontrakte.
Darunter waren Wetten darauf, dass Israel den Iran noch vor Ende Juni, vor Beginn des Juli, konkret am 13. Juni angreifen und die Operation bis Anfang Juli abschließen würde. Sämtliche dieser Prognosen trafen ein, was „Rico Suave“ einen geschätzten Nettogewinn von rund 150.000 bis 160.000 US‑Dollar einbrachte. Genau diese auffällige Präzision weckte bei Beobachtern und später bei den Sicherheitsdiensten den Verdacht, dass hier nicht nur „gutes Bauchgefühl“, sondern gezielte Nutzung von Geheimwissen im Spiel war.
Warum Prognosemärkte zum Sicherheitsrisiko werden können
Aus Sicht der israelischen Sicherheitsbehörden liegt die Gefahr nicht nur im individuellen Bereicherungsversuch, sondern in der Signalwirkung solcher Märkte. Wenn plötzlich hohe Summen auf ein sehr eng definiertes militärisches Zeitfenster gesetzt werden, können gegnerische Geheimdienste oder Milizen diese Bewegungen beobachten und Rückschlüsse auf bevorstehende Operationen ziehen.
Prognosemärkte werden damit de facto zu einem zusätzlichen Kommunikationskanal: Selbst wenn keine Dokumente geleakt werden, kann die Preisbildung Hinweise auf interne Planungen geben. Die Behörden betonen deshalb, man werde konsequent gegen jede missbräuchliche Nutzung klassifizierter Informationen auf solchen Plattformen vorgehen und Fälle wie diesen als ernsthafte Gefährdung der nationalen Sicherheit einstufen.
Die Verteidigung spricht von Übertreibung und Fehlverhalten
Die Anwälte des beschuldigten Reservisten zeichnen ein völlig anderes Bild. Ihr Mandant sei ein hoch dekorierter Bürger mit langjähriger, bedeutender Rolle für die Sicherheit Israels, argumentieren sie, und betonen, dass die Staatsanwaltschaft am Ende „nur“ die unbefugte Weitergabe einer geheimen Information angeklagt habe nicht aber eine Absicht, dem Staat zu schaden.
Zugleich werfen sie den Ermittlungsbehörden gravierende Verfahrensfehler, selektive Strafverfolgung und ein Verhalten vor, das selbst der Sicherheit geschadet habe. Nach Ansicht der Verteidigung wird sich das Bild im Laufe des Prozesses deutlich relativieren und der Fall anders enden, als es die dramatischen Schlagzeilen aktuell vermuten lassen.
Autor: Redaktion
Bild Quelle: Screenshot
Donnerstag, 12 Februar 2026