Klage nach Raketenangriff: Familien aus Majdal Shams ziehen gegen Hisbollah vor GerichtKlage nach Raketenangriff: Familien aus Majdal Shams ziehen gegen Hisbollah vor Gericht
Nach dem Tod von 12 drusischen Kindern durch eine Rakete der Hisbollah suchen Familien aus Majdal Shams juristische Verantwortung. Vor dem Bezirksgericht in Jerusalem fordern sie Millionenbeträge und wollen ein deutliches Zeichen setzen.
Rund 18 Monate nach dem tödlichen Raketenangriff auf einen Fußballplatz in Majdal Shams haben acht Familien Klage gegen die libanesische Terrororganisation Hisbollah eingereicht. Vor dem Bezirksgericht in Jerusalem fordern sie 80 Millionen Schekel Schadensersatz. Eine weitere Klage über 165 Millionen Schekel wurde im Namen von 30 Verletzten eingereicht.
Der Angriff ereignete sich im Juli 2024. Eine mit 53 Kilogramm Sprengstoff bestückte Falaq 1 Rakete iranischer Bauart schlug auf dem Spielfeld ein, auf dem Kinder Fußball spielten. 12 Minderjährige aus der drusischen Gemeinde kamen ums Leben, Dutzende weitere Menschen wurden verletzt. Die Hisbollah hatte einen Tag nach Beginn des Gaza Krieges im Oktober 2023 begonnen, Israel aus dem Libanon heraus zu beschießen.
Laith Abu Saleh, einer der Väter, erklärte, die Klage werde seine Tochter oder seinen Sohn nicht zurückbringen. Sie solle jedoch Verantwortung benennen und klarstellen, dass der gezielte Beschuss von Zivilisten ein schweres Verbrechen sei. Es gehe nicht um Rache, sondern um Gerechtigkeit.
Vertreten werden die Familien vom israelischen Rechtszentrum Shurat HaDin. Dessen Präsidentin Nitsana Darshan Leitner verwies auf einen Präzedenzfall aus dem Jahr 2006. Damals hatten US Staatsbürger, die im Zweiten Libanonkrieg verletzt worden waren, in den Vereinigten Staaten erfolgreich gegen die Hisbollah geklagt. Entschädigungen wurden aus eingefrorenen Vermögenswerten der Organisation ausgezahlt. Sollte das Gericht in Jerusalem den Klägern Recht geben, wolle man das Urteil ebenfalls in den USA vollstrecken lassen, um auf beschlagnahmte Gelder zuzugreifen.
Die Hisbollah und der libanesische Staat hatten im Juli 2024 eine direkte Verantwortung für den Angriff zurückgewiesen. Die Organisation sprach von Angriffen auf militärische Ziele am selben Tag. Der damalige libanesische Außenminister Abdallah Bou Habib erklärte, es könne sich auch um einen Fehler gehandelt haben und forderte eine internationale Untersuchung.
Nicht alle betroffenen Familien beteiligen sich an der Klage. Ibrahim Ibrahim, der seinen 11 Jahre alten Sohn Guevara verlor, erklärte, er wolle keinen juristischen Weg beschreiten. Seine Familie sei von vier auf drei Personen geschrumpft. Man wünsche sich Frieden und ein Ende der Gewalt. Stundenlang habe er damals gemeinsam mit hunderten Gemeindemitgliedern nach seinem Sohn gesucht. Erst eine DNA Analyse brachte Gewissheit.
Das frühere Spielfeld ist inzwischen in einen Gedenkgarten umgewandelt worden. Kinder können dort weiterhin Fußball spielen. Für viele Familien ist das ein stiller Versuch, den Träumen der getöteten Jungen und Mädchen Raum zu geben.
Die Hisbollah hat nun 60 Tage Zeit, auf die Klagen zu reagieren. Sie kann internationale Anwälte beauftragen, um sich vor einem israelischen Gericht zu verteidigen. Ob die Organisation auf das Verfahren eingehen wird, ist offen.
Für die Kläger geht es um mehr als Geld. Sie wollen, dass ein Gericht festhält, was sie als gezielten Angriff auf ihre Kinder begreifen. In einem Ort, der aus israelischer Sicht Teil des Staatsgebiets ist und seit Jahren unter Beschuss aus dem Libanon steht, soll zumindest juristisch Klarheit geschaffen werden.
Autor: Redaktion
Bild Quelle: Screenshot
Freitag, 13 Februar 2026