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130 Jahre Der Judenstaat: Herzls Warnung ist heute aktueller denn je

130 Jahre Der Judenstaat: Herzls Warnung ist heute aktueller denn je


Vor 130 Jahren schrieb Theodor Herzl eine schmale Schrift, die das jüdische Schicksal veränderte. Heute, im Zeitalter globaler Hetze gegen Israel, wirkt sein Gedanke von Selbstbestimmung nicht wie Geschichte, sondern wie eine Überlebensstrategie.

130 Jahre Der Judenstaat: Herzls Warnung ist heute aktueller denn je

Am 14. Februar 1896 erschien Herzls programmatischer Text Der Judenstaat. Was damals wie eine kühne Vision wirkte, liest sich heute wie eine nüchterne Analyse politischer Realität. Herzl, Korrespondent der Wiener Neuen Freien Presse in Paris, wurde durch die öffentliche Demütigung des unschuldig verurteilten Offiziers Alfred Dreyfus wachgerüttelt. Er erkannte, dass Assimilation keinen Schutz bot. Der Hass auf Juden war kein Randphänomen, sondern ein strukturelles Problem Europas. Seine Antwort war radikal klar: ein souveräner jüdischer Staat.

Herzl war kein religiöser Visionär. Er war ein säkularer Intellektueller, geprägt vom liberalen Bürgertum Wiens. Hebräisch sprach er nicht, religiöse Praxis spielte in seinem Leben kaum eine Rolle. Und doch verstand er etwas, das viele seiner Zeitgenossen nicht wahrhaben wollten: Ohne politische Selbstbestimmung bleiben Juden Spielball fremder Interessen. Sein Gedanke war nicht romantisch, sondern pragmatisch. Ein Staat, in dem Juden Mehrheit sind, Verantwortung tragen und über ihre Sicherheit selbst entscheiden.

Würde Herzl heute zurückkehren, er würde staunen. Israel existiert. Es ist wirtschaftlich stark, technologisch führend, militärisch wehrhaft. Es hat Sümpfe trockengelegt, Wüsten fruchtbar gemacht, eine Hightech-Industrie aufgebaut, die weltweit Maßstäbe setzt. Medizinische Innovationen aus Israel retten täglich Leben rund um den Globus. In dieser Hinsicht hat die Realität Herzls kühnste Erwartungen übertroffen.

Doch er würde auch erschrecken. Antisemitismus ist nicht verschwunden. Er hat seine Form verändert. Er tarnt sich als politische Kritik, als akademischer Diskurs, als moralische Empörung. Nach dem 7. Oktober 2023 zeigte sich mit brutaler Deutlichkeit, wie schnell sich Täter-Opfer-Umkehr verbreitet. Während die Hamas einen beispiellosen Massenmord verübte, formierte sich in Teilen des Westens eine Bewegung, die Israel als Aggressor brandmarkte. Der jüdische Staat wurde zum Symbol allen Übels erklärt.

Diese Entwicklung ist kein Zufall. Iranische Propaganda, unterstützt durch ein Netzwerk aus Stellvertretern wie Hamas und Hisbollah, hat systematisch Narrative aufgebaut, die Israel delegitimieren. Katar investierte in westliche Universitäten, finanzierte Lehrstühle und Programme, die einseitige Sichtweisen verstärkten. In sozialen Netzwerken multiplizieren sich Feindbilder mit atemberaubender Geschwindigkeit. Der Hass ist globalisiert.

Gleichzeitig bleibt die westliche Empörung selektiv. Als iranische Bürgerinnen und Bürger in Teheran und anderen Städten gegen das Regime auf die Straße gingen, zahlten sie mit Gefängnis, Folter oder dem Tod. Die genaue Zahl der Getöteten ist schwer zu verifizieren, doch Berichte sprechen von tausenden Opfern. Wo waren die Massendemonstrationen westlicher Aktivisten gegen diese Repression? Wo die Slogans gegen das iranische Regime? Der Kontrast zu den permanenten Protesten gegen Israel ist auffällig.

Herzl wusste, dass ein Staat allein kein Allheilmittel ist. Er verstand Politik als Verantwortung. Und hier liegt eine zweite Herausforderung unserer Zeit: die innere Geschlossenheit Israels. Die gesellschaftlichen Spannungen der vergangenen Jahre, insbesondere die Debatten um die Justizreform, haben tiefe Gräben offengelegt. Ein Land ohne formelle Verfassung, ohne zweite Parlamentskammer, ist in besonderer Weise auf funktionierende institutionelle Balance angewiesen. Wenn Regierung und Justiz sich offen bekämpfen, leidet das Vertrauen.

Gleichzeitig steht Israel unter militärischem Druck. Die Armee benötigt tausende zusätzliche Soldaten. Reservisten leisten seit Monaten Enormes. In dieser Situation ist die Frage nach Lastenverteilung keine theoretische Debatte, sondern eine existenzielle. Wer dient, wer schützt, wer trägt Verantwortung? Ein Staat, der seine Bürger um Opfer bittet, muss auch Gerechtigkeit im Inneren gewährleisten.

Das Andenken an Menschen wie Stabsfeldwebel Ran Gvili mahnt daran. Er gehörte zu jenen, die am 7. Oktober sofort handelten, um Zivilisten zu schützen. Schwer verwundet kämpfte er weiter, rettete Leben, bevor er selbst fiel. Solche Biografien stehen für den Kern dessen, was Herzl wollte: Juden, die nicht mehr wehrlos sind, sondern ihr Schicksal selbst bestimmen.

130 Jahre nach Der Judenstaat ist klar: Herzls Vision war keine Utopie, sondern eine Notwendigkeit. Israel ist kein historischer Zufall, sondern die Antwort auf wiederkehrende Bedrohung. Der jüdische Staat ist nicht perfekt. Er ringt mit politischen Konflikten, sozialen Spannungen und strategischen Dilemmata. Doch er existiert. Und allein diese Tatsache widerlegt jene, die seine Legitimität infrage stellen.

Die größte Herausforderung bleibt die Einheit. Ein souveräner Staat kann äußere Feinde abwehren. Innere Zerrissenheit jedoch schwächt ihn von innen. Herzl träumte von einem Land, das Juden Sicherheit gibt. Diese Sicherheit entsteht nicht nur durch Raketenabwehrsysteme oder Geheimdienstinformationen, sondern durch gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Am Jahrestag seines Werkes sollte nicht nur Stolz stehen, sondern auch Selbstprüfung. Israel hat mehr erreicht, als Herzl zu hoffen wagte. Die Frage ist, ob es gelingt, in einer feindlichen Welt und inmitten interner Spannungen jene Klarheit zu bewahren, die ihn 1896 leitete. Ein jüdischer Staat ist kein historisches Projekt, das abgeschlossen ist. Er ist eine fortwährende Aufgabe.




Autor:
Bild Quelle: By Oded Pragai Pikiwiki Israel, CC BY 2.5, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=182912865
Samstag, 14 Februar 2026

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