Bnei Brak: Ultraorthodoxer Mob jagt Soldatinnen, Polizei greift einBnei Brak: Ultraorthodoxer Mob jagt Soldatinnen, Polizei greift ein
Zwei Soldatinnen der israelischen Armee werden in Bnei Brak von einem ultraorthodoxen Mob bedrängt und verfolgt. Die Bilder aus dem Herzen Israels lösen parteiübergreifend Empörung aus und werfen eine grundsätzliche Frage auf: Wie steht es um den inneren Zusammenhalt des Landes?
Was sich am Sonntagnachmittag in Bnei Brak abspielte, ist mehr als ein lokaler Zwischenfall. Zwei junge Soldatinnen der Israelischen Verteidigungsstreitkräfte befanden sich im Rahmen eines sozialen Einsatzes in der Stadt, als sie von einer Gruppe ultraorthodoxer Demonstranten umringt wurden. Laut Angaben der Polizei hatte sich eine kleinere Gruppe von Gesetzesbrechern in der Hagai Straße versammelt. Als die Soldatinnen eintrafen, wurden sie bedrängt und an der freien Bewegung gehindert.
Beamte aus den Polizeistationen Bnei Brak und Ramat Gan trafen rasch ein, um die beiden Frauen in Sicherheit zu bringen. Beim Eintreffen der Einsatzkräfte kam es zu Konfrontationen. Mülltonnen wurden vor das Polizeifahrzeug geworfen, die Lage drohte außer Kontrolle zu geraten. In sozialen Netzwerken verbreitete Aufnahmen zeigen, wie ein Fahrzeug im Zuge der Verfolgung umgeworfen wurde. Erst durch das Eingreifen der Polizei gelang es, die Soldatinnen aus der unmittelbaren Bedrohung zu befreien.
Dass Soldatinnen in Uniform innerhalb Israels Schutz vor israelischen Bürgern benötigen, erschüttert viele. Bnei Brak gilt als Hochburg der ultraorthodoxen Gemeinschaft. Immer wieder kommt es dort zu Protesten gegen die Wehrpflichtregelungen, die derzeit politisch neu verhandelt werden. Doch zwischen politischem Protest und tätlicher Bedrohung verläuft eine klare Grenze.
Ministerpräsident Benjamin Netanyahu verurteilte die Vorfälle scharf. Er sprach von einem schweren und inakzeptablen Ereignis. Zugleich betonte er, dass es sich um eine extremistische Minderheit handle, die nicht die gesamte haredische Gesellschaft repräsentiere. Der Staat werde weder Gesetzlosigkeit noch Angriffe auf Soldaten oder Sicherheitskräfte dulden.
Auch Generalstabschef Eyal Zamir erklärte, jeder Angriff auf Soldaten durch israelische Zivilisten überschreite eine rote Linie. Die Verantwortlichen müssten mit der vollen Härte des Gesetzes rechnen. Ähnliche Worte fanden Oppositionspolitiker. Naftali Bennett sprach von einem Zustand, der an Gesetzlosigkeit erinnere. Gadi Eisenkot betonte, dass ausgerechnet jene, die sich dem Militärdienst entzögen, nun jene attackierten, die dienten.
Sicherheitsminister Itamar Ben-Gvir verurteilte die Gewalt ebenfalls deutlich. Zugleich unterstrich auch er, dass die große Mehrheit der ultraorthodoxen Bevölkerung gesetzestreu sei und Respekt gegenüber den Sicherheitskräften zeige.
Die Debatte berührt einen empfindlichen Nerv der israelischen Gesellschaft. Seit der Staatsgründung trägt die Wehrpflicht entscheidend zur Verteidigungsfähigkeit des Landes bei. Gleichzeitig existieren historische Sonderregelungen für ultraorthodoxe Männer, die sich dem Tora Studium widmen. Angesichts wachsender sicherheitspolitischer Herausforderungen und gesellschaftlicher Spannungen wird diese Praxis zunehmend infrage gestellt.
Die beiden Soldatinnen waren nicht im Kampfeinsatz, sondern bei einer sozialen Tätigkeit. Dass selbst solche Einsätze in bestimmten Vierteln zu riskanten Situationen führen können, zeigt, wie tief der Konflikt um Wehrdienst und gesellschaftliche Verantwortung inzwischen reicht. Die Armee ist in Israel kein fernes Machtinstrument, sondern integraler Bestandteil der Gesellschaft. Fast jede Familie hat Kinder, Geschwister oder Eltern in Uniform.
Der Vorfall zwingt Politik und Gesellschaft, klar Stellung zu beziehen. Protest ist legitim, Gewalt gegen Soldaten nicht. Wer die Sicherheit des Landes in Anspruch nimmt, darf jene nicht angreifen, die sie gewährleisten. Israel steht vor inneren Herausforderungen, die nicht weniger ernst sind als äußere Bedrohungen. Der gesellschaftliche Zusammenhalt entscheidet darüber, ob das Land auch in Zukunft stabil bleibt.
Die Polizei teilte am Abend mit, die Lage sei unter Kontrolle. Ermittlungen gegen die Beteiligten laufen. Doch die eigentliche Aufgabe beginnt jetzt: Vertrauen wiederherstellen, Extremisten isolieren und deutlich machen, dass Israels Soldatinnen und Soldaten überall im Land Schutz verdienen.
Autor: Redaktion
Bild Quelle: Screenshot X
Sonntag, 15 Februar 2026