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Hat Amerika genug Bunkerbrecher, um Irans Atomprogramm wirklich zu stoppen

Hat Amerika genug Bunkerbrecher, um Irans Atomprogramm wirklich zu stoppen


Washington bestellt neue 30 Tonnen Bomben, doch die Lieferung kommt erst 2028. Für Israel zählt nicht die Schlagzeile, sondern die harte Frage, ob ein weiterer Berg wie Fordow wirklich knackbar ist.

Hat Amerika genug Bunkerbrecher, um Irans Atomprogramm wirklich zu stoppen

Die Nachricht klingt zunächst wie ein technisches Detail aus dem Pentagon, ist in Wahrheit aber ein geopolitischer Weckruf. Die Vereinigten Staaten lassen auf Eilbasis weitere GBU 57 bestellen, jene gewaltigen Bunkerbrecher, die nur von B 2 Bombern getragen werden können und bereits 2025 gegen Irans unterirdische Anlagen eingesetzt wurden. Die Bestellung wirkt wie ein Signal an Teheran, aber auch wie ein stilles Eingeständnis. Der Vorrat ist nicht unendlich. Und wenn es ernst wird, entscheidet nicht allein die politische Absicht, sondern die banale Frage, wie viele einsatzfähige Waffen tatsächlich verfügbar sind.

Für Israel ist das keine akademische Debatte. Ein Iran mit nuklearer Schwelle ist keine abstrakte Gefahr, sondern eine existenzielle. Jede Diskussion über Bestände, Durchschlagskraft und Zielarchitektur ist am Ende eine Diskussion darüber, ob Israel morgen mit einer noch aggressiveren, noch selbstbewussteren iranischen Führung leben muss, die ihre Stellvertreter aufrüstet und sich hinter dem Schutzschirm einer möglichen Bombe sicher fühlt.

Der entscheidende Punkt liegt in der Zeitachse. Die neu bestellten Bomben sollen erst 2028 geliefert werden. Wer so plant, muss entweder über genügend MOPs verfügen oder davon ausgehen, dass ein unmittelbarer Großschlag nicht bevorsteht. Beides ist politisch brisant. Denn Teheran beobachtet jede Lücke. Wenn Iran glaubt, dass Washington im Ernstfall nicht schnell genug oder nicht massiv genug zuschlagen kann, wächst die Versuchung, das Programm in jene Bereiche zu verlagern, die selbst für die modernsten Bunkerbrecher zur Lotterie werden.

Pickaxe Mountain ist nicht Fordow

Die zweite, noch wichtigere Dimension ist nicht die Zahl der Bomben, sondern der Gegner. Iran hat aus dem Jahr 2025 gelernt. Das zentrale Beispiel ist Fordow. Dort soll die amerikanische Strategie stark auf Schwachstellen wie Belüftungsschächte und Zugänge ausgerichtet gewesen sein, also auf Stellen, an denen eine Kaskade von Treffern die Anlage nicht durch den Fels selbst, sondern durch ihre eigenen Öffnungen verwundbar machte. Wenn Iran danach monatelang kaum in der Lage war, Fordow wieder nutzbar zu machen, zeigt das, dass der Ansatz funktionierte. Aber genau deshalb wird Teheran beim nächsten Mal nicht dieselben Türen offen lassen.

Pickaxe Mountain bei Natanz ist in dieser Logik ein Albtraum. Höherer Berg, andere Geometrie, andere Zugänge, offenbar weniger erkennbare Schächte. Zudem berichten Beobachter über sichtbare Bauarbeiten, Härtung von Eingängen und das buchstäbliche Eingraben von Strukturen. Das ist keine Baustelle, das ist Verteidigung in Beton und Erdreich. Iran versucht, die Lektionen aus Fordow in eine Architektur zu übersetzen, die die alte Angriffsschablone neutralisiert.

Und hier wird die technische Debatte plötzlich politisch. Denn selbst ein perfekter Bunkerbrecher ist keine Zauberwaffe. Seine penetrative Leistung ist begrenzt, und die entscheidende Frage lautet, wie tief die kritischen Anlagen liegen und ob man sie über Zugänge, Schächte, Tunnel oder Sekundärstrukturen erreichen kann. Wer nur auf rohe Durchschlagskraft setzt, unterschätzt den Gegner. Iran baut nicht nur tiefer, Iran baut klüger.

Ein Wettrennen, das Israel nicht wählen konnte

Die eigentliche Auseinandersetzung ist deshalb ein Wettrennen zwischen Aufklärung und Täuschung. Die Bomben sind am Ende nur der letzte Schritt. Davor steht die Frage, ob Washington und Jerusalem jene verwundbaren Punkte finden, die Iran verbergen will. Die Erfahrung zeigt, dass Überraschung und präzises Wissen oft mehr bewirken als zusätzliche Tonnen Sprengstoff. Doch nach 2025 ist der Überraschungsvorteil kleiner. Teheran weiß besser, wie der Westen denkt, welche Muster er nutzt, welche Schwächen er sucht. Das zwingt die Gegenseite zu Kreativität und zu einer bitteren Ehrlichkeit: Man kann Irans Programm verzögern, beschädigen, zurückwerfen. Ob man es dauerhaft beendet, hängt nicht nur von der Zahl der MOPs ab, sondern von der Fähigkeit, den nächsten Berg nicht wie den letzten zu behandeln.

Für Israel ist daraus eine klare Konsequenz abzuleiten. Man darf sich nicht in die trügerische Sicherheit wiegen, dass Amerika schon alles richten werde. Gleichzeitig bleibt Washington der einzige Akteur mit bestimmten Fähigkeiten, die in einem entscheidenden Moment den Unterschied machen können. Genau deshalb ist die amerikanische Bestellung neuer Bunkerbrecher mehr als Beschaffung. Sie ist eine Botschaft an Verbündete und Gegner, dass die Fähigkeit erhalten bleiben soll. Doch sie ist auch ein Hinweis, dass diese Fähigkeit endlich ist und rechtzeitig geplant werden muss.

Wer Irans Atomprogramm ernsthaft stoppen will, braucht mehr als Bomben. Er braucht klare politische Entschlossenheit, einen langen Atem, erstklassige Aufklärung und die Bereitschaft, sich nicht von iranischer Ingenieurskunst einschüchtern zu lassen. Israel kennt diese Lage seit Jahrzehnten. Der Unterschied ist, dass die Zeitfenster kleiner werden und die Berge höher.




Autor: Redaktion
Bild Quelle: By Senior Airman Joel Pfiester - US Air Force, Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=136458283
Mittwoch, 18 Februar 2026

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