Hisbollah feuert 200 Raketen auf Nordisrael, Iran beteiligt sich an AngriffenHisbollah feuert 200 Raketen auf Nordisrael, Iran beteiligt sich an Angriffen
Im Norden Israels heulten am Abend erneut die Sirenen, diesmal nicht vereinzelt, sondern über Stunden. Was sich am 11. und in der Nacht zum 12. März 2026 abspielte, war kein gewöhnlicher Raketenbeschuss mehr, sondern ein offener Versuch, Israel gleichzeitig aus dem Libanon und aus Iran unter Druck zu setzen.
Israel erlebt damit eine neue Stufe dieses Krieges. Nach israelischen Einschätzungen feuerte die Hisbollah im Verlauf weniger Stunden rund 200 Raketen auf den Norden des Landes. Parallel dazu wurden auch iranische ballistische Raketen auf Israel abgefeuert. Die iranischen Revolutionsgarden bezeichneten den Angriff selbst als „gemeinsame und integrierte Operation“ mit der Hisbollah. Genau dieser Satz ist entscheidend, weil er den politischen Kern freilegt: Teheran will nicht mehr nur im Hintergrund lenken, sondern demonstrativ zeigen, dass seine regionalen Stellvertreter Teil eines koordinierten Angriffs auf Israel sind.
Für die Menschen in Israel bedeutete das vor allem eines: Schutzräume, Angst, Ungewissheit. Hunderttausende Israelis im Norden mussten immer wieder in Deckung gehen. Einschläge wurden unter anderem in Bi’ina gemeldet, wo ein Wohnhaus getroffen wurde. Zwei Menschen wurden laut Rettungsdiensten leicht verletzt, weitere Betroffene mussten wegen akuter Angstreaktionen behandelt werden. Später wurden auch aus Zentralisrael Schäden gemeldet, unter anderem in Moshav Haniel, wo ein Haus direkt getroffen wurde.
Bemerkenswert ist nicht nur die Zahl der Raketen, sondern die Absicht dahinter. Die Hisbollah beschoss nicht nur den Norden, sondern löste mit weitreichenden Raketen auch Alarm in der Region Tel Aviv aus. Das ist eine klare Botschaft: Die Terrororganisation will zeigen, dass sie trotz früherer Verluste weiterhin tief in israelisches Kernland hineinwirken kann. Zugleich versucht sie, Israel von seinem Krieg gegen Iran abzulenken und eine zweite Front mit maximalem psychologischen Druck zu öffnen. Genau das beschrieben auch israelische Sicherheitsvertreter. Ihre Einschätzung lautet, dass die Hisbollah Israel in einen parallelen Zermürbungskrieg ziehen will, damit der militärische Druck auf Iran nachlässt.
Doch diese Rechnung dürfte in Jerusalem kaum aufgehen. Die israelische Luftwaffe reagierte noch in derselben Nacht mit umfangreichen Angriffen auf Raketenwerfer, Infrastruktur und Kommandoposten der Hisbollah im Libanon, vor allem in den südlichen Vororten Beiruts. Nach Angaben der Armee wurden in kurzer Zeit zehn Kommandostellen in Dahieh sowie zahlreiche Raketenstellungen im ganzen Land angegriffen. Aus israelischer Sicht ist die Lage eindeutig: Wer israelische Städte mit hunderten Raketen überzieht, darf nicht darauf setzen, dass seine militärische Infrastruktur verschont bleibt.
Der militärische und politische Druck auf Beirut wächst deshalb spürbar. Israelische Vertreter machten in mehreren Berichten deutlich, dass die libanesische Regierung endlich Verantwortung übernehmen müsse. Dahinter steht ein zentraler Vorwurf: Der Libanon beansprucht staatliche Souveränität, lässt aber zu, dass eine von Iran finanzierte und bewaffnete Terrororganisation faktisch über Krieg und Frieden an der Nordgrenze Israels entscheidet. Israel signalisiert inzwischen unmissverständlich, dass diese Trennung zwischen „Libanon“ und „Hisbollah“ aus israelischer Sicht nicht endlos akzeptiert wird, wenn der Staat die Entwaffnung der Miliz weiter nicht durchsetzt.
Teherans Handschrift ist nun unübersehbar
Dass die Revolutionsgarden den Angriff ausdrücklich als gemeinsame Operation mit der Hisbollah bezeichneten, verändert die strategische Einordnung. Lange konnte man noch zwischen direktem iranischem Beschuss und der Aktivität seiner regionalen Verbündeten unterscheiden. Diese Trennlinie verwischt jetzt. Iran versucht, ein regionales Feuer zu entfachen, in dem Israel gleichzeitig an mehreren Fronten gebunden wird. Für Israel heißt das, militärisch in mehreren Arenen zugleich handlungsfähig zu bleiben, ohne die Verteidigung der eigenen Bevölkerung zu vernachlässigen.
Das wiederum macht eine weitere Ausweitung der Kämpfe im Libanon wahrscheinlicher. Israelische Medien und internationale Berichte sprechen bereits davon, dass Jerusalem eine deutliche Intensivierung der Operationen im Norden vorbereitet. Auch die Verlegung zusätzlicher Kräfte an die libanesische Grenze wurde thematisiert. Damit wächst die Gefahr, dass aus der bisherigen schweren Konfrontation ein noch umfassenderer Feldzug wird.
Der Norden Israels darf kein Dauerziel werden
Die eigentliche Nachricht dieses Abends lautet deshalb nicht nur, dass 200 Raketen abgefeuert wurden. Die eigentliche Nachricht ist, dass Iran und Hisbollah immer offener testen, wie weit sie gehen können, ohne eine noch härtere israelische Antwort zu provozieren. Für Israel ist das keine abstrakte Strategiedebatte, sondern eine konkrete Frage von Sicherheit, Alltag und staatlicher Glaubwürdigkeit. Ein Land kann nicht hinnehmen, dass seine Städte Nacht für Nacht unter Beschuss stehen, während der Gegner auf internationale Schonung hofft.
Der Norden Israels war schon einmal zum Symbol einer unhaltbaren Lage geworden. Wenn nun erneut ganze Regionen in Schutzräumen leben müssen, dann ist klar: Der Zustand von Unsicherheit und ständiger Alarmbereitschaft kann kein neues Normal werden. Israels Reaktion wird deshalb härter, umfassender und politisch entschlossener ausfallen, wenn Beirut die Hisbollah weiter gewähren lässt. Nach dieser Nacht ist jedenfalls schwer zu behaupten, der Libanon stehe außerhalb der Verantwortung oder Iran halte sich im Hintergrund. Beide Behauptungen sind durch die Realität widerlegt worden.
Autor: Redaktion
Bild Quelle: Fire and Rescue Service
Donnerstag, 12 März 2026