Türkei greift Israel frontal an und entlarvt dabei ihre eigene aggressive MachtpolitikTürkei greift Israel frontal an und entlarvt dabei ihre eigene aggressive Machtpolitik
Ankara beschuldigt Israel, ständig neue Feinde zu brauchen. Doch wer die Realität im Nahen Osten kennt, erkennt schnell: Die Worte von Außenminister Hakan Fidan treffen vor allem auf die Türkei selbst zu.
Der türkische Außenminister Hakan Fidan erklärte in einem Interview, Israel werde unter Benjamin Netanyahu immer ein Land in der Region zum Gegner machen. Sollte es nicht die Türkei sein, dann eben ein anderer Staat. Es ist ein harter Vorwurf. Und gleichzeitig ein Satz, der wie eine unbeabsichtigte Selbstbeschreibung der türkischen Außenpolitik wirkt.
Denn während Ankara Israel attackiert, hat sich die Türkei selbst in den vergangenen Jahren systematisch in Konflikte in der gesamten Region verwickelt. In Syrien stehen türkische Truppen dauerhaft auf fremdem Staatsgebiet. Im Nordirak führt die Türkei regelmäßig militärische Operationen durch. Im östlichen Mittelmeer droht sie Griechenland und Zypern. Und innenpolitisch wird jede Opposition mit wachsender Härte unter Druck gesetzt.
Fidan spricht von angeblicher israelischer Strategie, immer neue Feinde zu definieren. Doch genau dieses Muster ist es, das Ankara selbst seit Jahren vorlebt. Kurden, Griechen, Israel, westliche Staaten. Die Liste der politischen und militärischen Gegner wächst kontinuierlich.
Realität in Syrien wird bewusst verdreht
Besonders deutlich wird diese Doppelmoral beim Blick auf Syrien. Fidan wirft Israel vor, durch Luftangriffe und militärische Präsenz Einfluss auszuweiten. Er stellt Israels Vorgehen als Machtpolitik dar, nicht als Sicherheitsmaßnahme.
Doch diese Darstellung ignoriert bewusst die Realität. Israel greift gezielt Stellungen an, die direkt mit Iran und dessen militärischer Infrastruktur verbunden sind. Es geht um Raketen, Drohnen, Waffenlager und operative Netzwerke, die Israel konkret bedrohen.
Die Türkei hingegen hält selbst Gebiete in Nordsyrien besetzt, installiert dort eigene Verwaltungsstrukturen und unterstützt lokale Milizen. Ankara verfolgt dort eigene Interessen und schafft Fakten vor Ort. Genau das, was man Israel vorwirft.
Projektion statt Analyse
Der Vorwurf, Israel suche ständig neue Feinde, ist daher weniger Analyse als Projektion. Ankara spiegelt in diesen Aussagen das eigene außenpolitische Verhalten wider.
Denn die türkische Regierung hat in den vergangenen Jahren konsequent auf Konfrontation gesetzt. Statt Stabilität zu fördern, wurde Einfluss ausgeweitet. Statt Konflikte zu entschärfen, wurden neue eröffnet.
Dass ausgerechnet diese Regierung Israel vorwirft, Spannungen zu erzeugen, wirkt deshalb nicht nur widersprüchlich. Es ist ein politisches Manöver, das von der eigenen Rolle ablenken soll.
Politische Strategie hinter den Angriffen
Fidans Aussagen sind kein Zufall. Sie sind Teil einer klaren Strategie. Die Türkei positioniert sich zunehmend als Gegenpol zu Israel, um in der islamischen Welt politisches Gewicht zu gewinnen.
Israel wird dabei bewusst als Problem dargestellt, während Ankara sich selbst als Stimme der Region inszeniert. Diese Strategie funktioniert nur, wenn die eigenen militärischen Aktivitäten ausgeblendet werden.
Doch genau das macht die Aussagen angreifbar. Wer andere für Machtpolitik kritisiert, während er selbst militärisch in mehreren Ländern präsent ist, verliert an Glaubwürdigkeit.
Israel handelt aus einer klaren Bedrohungslage
Während Ankara politische Narrative aufbaut, steht Israel unter realem Druck. Angriffe aus Iran, Raketen aus dem Libanon, Terrorstrukturen in Syrien. Diese Bedrohungen sind konkret und messbar.
Israels militärisches Handeln richtet sich gegen genau diese Strukturen. Es geht nicht um Expansion, sondern um die Verhinderung weiterer Angriffe auf die eigene Bevölkerung.
Die Kritik aus der Türkei blendet diesen Kontext vollständig aus. Stattdessen wird ein einfaches Feindbild konstruiert, das politisch nützlich ist, aber mit der Realität wenig zu tun hat.
Am Ende bleibt ein Satz von Hakan Fidan, der mehr über Ankara sagt als über Israel. Wer behauptet, andere würden ständig neue Feinde brauchen, sollte zuerst die eigene Politik betrachten.
Autor: Bernd Geiger
Bild Quelle: By Tasnim News Agency, CC BY 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=179204257
Samstag, 21 März 2026