USA und China handeln im Hintergrund gemeinsam: Machtkampf um Hormuz nimmt neue WendungUSA und China handeln im Hintergrund gemeinsam: Machtkampf um Hormuz nimmt neue Wendung
Während öffentlich von Rivalität gesprochen wird, zeichnet sich hinter den Kulissen ein anderes Bild ab. Ein ehemaliger israelischer Marinekommandeur beschreibt eine stille Abstimmung der Großmächte, die den Druck auf den Iran massiv erhöht.
Die Aussagen des früheren israelischen Marinebefehlshabers Eliezer Marom werfen ein grelles Licht auf eine Entwicklung, die weit über den Persischen Golf hinausreicht. Während die Welt auf Spannungen zwischen den Vereinigten Staaten und China blickt, scheint sich im Hintergrund eine strategische Abstimmung zu vollziehen, die den Iran zunehmend isoliert. Im Zentrum steht dabei die Kontrolle über die Straße von Hormuz, eine der wichtigsten Handelsrouten der Welt.
Marom beschreibt eine Lage, in der die Vereinigten Staaten ihre militärische Dominanz zur See konsequent ausnutzen. Die oft von Teheran betonte Kontrolle über die Meerenge stellt er offen infrage. Aus israelischer Sicht ist klar: Ohne stillschweigende Duldung Washingtons bewegt sich dort kaum ein Schiff. Diese Einschätzung ist brisant, weil sie den Anspruch des Iran auf strategische Kontrolle faktisch entwertet.
Gleichzeitig deutet sich eine überraschende Dynamik zwischen Washington und Peking an. Trotz politischer Rivalität könnten beide Seiten in Energiefragen pragmatisch handeln. China, abhängig von stabilen Energiezufuhren, orientiert sich demnach stärker Richtung Russland, um mögliche Engpässe zu kompensieren. Das Ergebnis ist eine Verschiebung der globalen Energieströme, die den Druck auf den Iran erhöht, ohne dass es einer offenen Konfrontation bedarf.
Für Israel ist diese Entwicklung von zentraler Bedeutung. Der Iran, ohnehin durch frühere militärische Auseinandersetzungen geschwächt, gerät zunehmend in eine wirtschaftliche Sackgasse. Einnahmen aus Öl und Gas sind für das Regime überlebenswichtig, sowohl zur Stabilisierung der eigenen Bevölkerung als auch zur Finanzierung regionaler Stellvertreter. Wenn diese Einnahmequellen eingeschränkt werden, trifft das Teheran im Kern seiner Macht.
Strategische Enge für Teheran
Die maritime Situation entwickelt sich zu einem stillen, aber wirkungsvollen Druckmittel. Laut Marom profitieren vor allem die Vereinigten Staaten und Russland von der Lage. Beide können ihre Energieexporte ausweiten, während Iran und auch Katar unter den Einschränkungen leiden. Besonders deutlich wird dies an den iranischen Häfen, deren Aktivität stark eingeschränkt erscheint.
Die Strategie von US-Präsident Donald Trump setzt genau hier an. Durch die faktische Kontrolle über zentrale Seewege wird ein wirtschaftlicher Hebel geschaffen, der ohne groß angelegte militärische Operationen wirkt. Für Israel bedeutet dies eine indirekte Entlastung, da der Druck auf den wichtigsten regionalen Gegner steigt, ohne dass Jerusalem selbst aktiv eingreifen muss.
Auch die Lage im Roten Meer zeigt eine bemerkenswerte Entwicklung. Die Huthi-Miliz im Jemen, eng mit dem Iran verbunden, agiert auffallend zurückhaltend. Marom deutet an, dass es möglicherweise informelle Absprachen mit den USA gibt. Die Miliz erfüllt demnach lediglich das Minimum, um ihre Verbindung zu Teheran aufrechtzuerhalten, vermeidet jedoch eine Eskalation, die den Schiffsverkehr im Bab al Mandab ernsthaft gefährden würde.
Diese Zurückhaltung ist kein Zufall. Sie zeigt, dass selbst Irans Verbündete die veränderte Machtbalance erkennen. Eine vollständige Blockade wichtiger Seewege würde eine Reaktion provozieren, die sie derzeit offenbar vermeiden wollen.
Israel zwischen Anpassung und Realität
Für Israel bleibt die Lage dennoch komplex. Der Hafen von Eilat ist weiterhin beeinträchtigt, doch die wirtschaftlichen Folgen sind begrenzt. Neue Handelsrouten und logistische Lösungen zeigen, dass sich der globale Handel schneller anpasst, als viele erwartet haben. Die Tatsache, dass die Energiepreise bislang nicht drastisch gestiegen sind, bestätigt diese Einschätzung.
Aus israelischer Perspektive ist dies ein entscheidender Punkt. Die Fähigkeit der internationalen Märkte, auf Krisen zu reagieren, schwächt den strategischen Hebel des Iran erheblich. Teherans Drohungen verlieren an Gewicht, wenn ihre Umsetzung keine globalen Schockwellen mehr auslöst.
Die kommenden Monate werden zeigen, ob der Iran bereit ist, sich auf neue Vereinbarungen einzulassen. Sollte dies nicht geschehen, dürfte der Druck weiter steigen. Die Vereinigten Staaten verfügen über die militärischen und wirtschaftlichen Mittel, eine langfristige maritime Isolation aufrechtzuerhalten. Für das iranische Regime würde dies eine zunehmend schwierige Lage bedeuten, in der Handlungsspielräume schrumpfen und interne Spannungen wachsen.
Für Israel ist die Entwicklung klar einzuordnen. Der Konflikt verlagert sich zunehmend in den wirtschaftlichen und strategischen Raum. Militärische Stärke bleibt entscheidend, doch der eigentliche Hebel liegt inzwischen in der Kontrolle globaler Strukturen. Genau dort wird der Iran derzeit getroffen.
Autor: Redaktion
Bild Quelle: By The White House - https://www.flickr.com/photos/202101414@N05/54890669668/, Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=177597749
Sonntag, 19 April 2026