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Hamas soll Pilgerreise nach Mekka für Geldtransfers nutzen: Vorwürfe treffen empfindlichen religiösen Bereich

Hamas soll Pilgerreise nach Mekka für Geldtransfers nutzen: Vorwürfe treffen empfindlichen religiösen Bereich


Ein israelischer Bericht wirft der Hamas vor, die Hadsch Pilgerreise für verdeckte Geldtransfers nach Gaza nutzen zu wollen. Belege liegen öffentlich bislang nicht vor. Die Vorwürfe berühren Religion, Sicherheit und Terrorfinanzierung zugleich.

Hamas soll Pilgerreise nach Mekka für Geldtransfers nutzen: Vorwürfe treffen empfindlichen religiösen Bereich
Bildnachweis: Symbolbild / KI

Die Hadsch nach Mekka gehört zu den zentralen religiösen Pflichten des Islam. Jedes Jahr reisen Millionen Muslime nach Saudi Arabien, um die Pilgerfahrt zu vollziehen. In diesem Jahr beginnt sie Ende Mai. Für viele Familien bedeutet sie eine einmalige spirituelle Erfahrung, auf die über Jahre gespart wird.

Genau diese enorme Bewegung von Menschen, Geld und persönlichen Wertgegenständen könnte laut einem Bericht des israelischen Senders KAN nach Einschätzung palästinensischer Quellen missbraucht werden.

Dem Bericht zufolge prüfe die Hamas Möglichkeiten, während der Pilgerzeit Spenden, Bargeld oder Schmuck einzusammeln, die zunächst religiös oder humanitär wirken könnten. Anschließend sollen diese Werte über Zwischenstationen, insbesondere über Ägypten, nach Gaza gelangen. Dort könnten sie laut den Vorwürfen zur Finanzierung von Strukturen der Organisation verwendet werden.

Öffentlich bestätigt sind diese Angaben bislang nicht. Dennoch passen sie zu einem Thema, das Sicherheitsbehörden seit Jahren beschäftigt: Wie finanzieren bewaffnete Gruppen ihre Aktivitäten unter wachsendem internationalem Druck?

Terrorfinanzierung verändert sich, wenn klassische Wege blockiert werden

Frühere Untersuchungen westlicher Behörden zeigten wiederholt, dass sanktionierte Gruppen oder Organisationen auf alternative Finanzwege ausweichen. Dazu gehören informelle Geldtransfersysteme, sogenannte Hawala Netzwerke, digitale Wallets, Zwischenhändler, Bargeldtransporte oder die Aufteilung größerer Summen in viele kleinere Transaktionen.

Laut dem Bericht könnten genau solche Methoden genutzt werden.

Genannt werden elektronische Überweisungen, Wechselstuben, digitale Zahlungswege sowie Strohleute, die Beträge aufteilen, um Kontrollen zu erschweren. Zusätzlich sollen Gold oder Schmuck leichter transportierbare Vermögenswerte darstellen.

Besonders heikel ist die Behauptung, Finanzströme könnten in Ägypten umgeleitet oder gewaschen werden, bevor sie weiter Richtung Gaza gelangen. Auch hierfür gibt es bislang keine öffentlich vorgelegten Beweise.

Der Vorwurf berührt mehr als Sicherheitspolitik

Die politische Sprengkraft liegt nicht allein in möglicher Terrorfinanzierung.

Sie liegt darin, dass eine religiöse Pflicht von Millionen Menschen mit Sicherheitsfragen verknüpft wird. Das verlangt besondere Vorsicht. Einzelne Vorwürfe gegen Organisationen dürfen nicht auf Pilger oder religiöse Gemeinschaften übertragen werden.

Genau deshalb muss sauber getrennt werden:

Die Hadsch ist ein religiöses Ereignis. Der Bericht bezieht sich auf mögliche Aktivitäten der Hamas, nicht auf Pilger allgemein.

Hamas sucht nach dem Verlust von Führungspersonal neue Strukturen

Die Vorwürfe erscheinen in einer Phase interner Veränderungen innerhalb der Hamas.

Nach der Tötung des früheren Hamas Führers Yahya Sinwar im Jahr 2024 blieb die politische Führung der Organisation instabil. Am Wochenende wurde bekannt, dass die Hamas vorerst keinen neuen politischen Leiter wählen konnte. Berichten zufolge gelten im Ausland lebende Hamas Figuren wie Khaled Mashal oder Khalil al-Hayya als mögliche Nachfolger.

Gleichzeitig erklärte ein Hamas Sprecher laut Medienberichten, israelische Tötungen von Führungspersonal hätten organisatorische Umstrukturierungen erzwungen.

Hier entsteht ein weiterer Zusammenhang:

Wenn Organisationen unter militärischem Druck stehen, verändert sich oft nicht nur Führung, sondern auch Finanzierung. Genau deshalb beobachten Sicherheitsdienste Geldflüsse besonders aufmerksam.

Die größere Frage betrifft Gaza nach dem Krieg

Israelische Sicherheitsanalysen argumentieren seit Monaten, dass die Hamas trotz militärischer Verluste weiterhin Einnahmequellen aufrechterhalte. Genannt wurden zuvor lokale Steuern, Gebühren, Kontrolle über Märkte oder indirekte Finanzierungssysteme.

Sollten die aktuellen Vorwürfe zutreffen, würde dies auf ein Muster hindeuten:

Finanzierungswege werden angepasst, nicht aufgegeben.

Ob die behaupteten Transfers rund um die Hadsch tatsächlich stattfinden, bleibt offen. Klar ist jedoch: Der Kampf gegen bewaffnete Gruppen wird längst nicht nur über Waffen geführt.

Er wird über Geld geführt.

Und dort, wo Finanzströme kaum sichtbar sind, beginnen häufig die schwierigsten Ermittlungen.




Autor: Redaktion
Sonntag, 17 Mai 2026

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