Israel steht vor bitterer Iran-Wahrheit: Der nächste Krieg könnte schon in zwei Jahren kommen

Israel steht vor bitterer Iran-Wahrheit: Der nächste Krieg könnte schon in zwei Jahren kommen


David Bitan spricht aus, was viele in Israel nicht hören wollen: Der Iran bleibt eine dauerhafte Bedrohung. Der Streit über den „vollständigen Sieg“ legt nun offen, wie gefährlich überzogene Erwartungen waren.

Israel steht vor bitterer Iran-Wahrheit: Der nächste Krieg könnte schon in zwei Jahren kommen
Bildnachweis: Symbolbild

Der Likud-Abgeordnete David Bitan hat in einem Radiointerview eine unbequeme Wahrheit ausgesprochen, die in Israel weit über die Tagespolitik hinausreicht. Nach dem Krieg gegen Iran, nach den großen Worten über Abschreckung, Schlagkraft und „vollständigen Sieg“, steht Israel vor einer nüchternen Frage: Was bedeutet Sieg gegen ein Regime, das weiter Raketen baut, weiter an seiner regionalen Macht arbeitet und dessen nukleare Frage nicht endgültig gelöst ist?

Bitan, Vorsitzender des Wirtschaftsausschusses der Knesset und Mitglied der Regierungspartei Likud, versuchte im Gespräch mit 103FM, die Erwartungen herunterzuschrauben. Auf die Frage, was aus den Versprechen eines „vollständigen Sieges“ geworden sei, antwortete er scharf: In Israel sei man mit nichts zufrieden und wisse nichts zu schätzen. Dieser Satz ist politisch riskant. Denn er richtet sich nicht gegen die Opposition, nicht gegen ausländische Kritiker und nicht gegen die internationale Presse. Er richtet sich gegen die israelische Öffentlichkeit, die nach Jahren von Terror, Krieg, Raketenalarm und existenzieller Unsicherheit wissen will, was die Regierung tatsächlich erreicht hat.

Gerade deshalb ist Bitans Aussage brisant. Sie zeigt die wachsende Spannung zwischen politischer Sprache und sicherheitspolitischer Wirklichkeit. Zu Beginn der militärischen Auseinandersetzung wurden große Erwartungen geweckt. Viele Israelis hörten Worte, die nach endgültiger Entscheidung klangen. Doch der Iran ist kein Gegner, der mit einem einzigen Schlag aus der Geschichte verschwindet. Sein Raketenprogramm bleibt eine strategische Bedrohung. Seine Stellvertreter in der Region bleiben Teil seiner Machtpolitik. Und die nukleare Frage bleibt, wie Bitan selbst einräumte, ungelöst.

Bitan sagte offen, Israel werde sich vermutlich alle anderthalb bis zwei Jahre erneut mit der iranischen Raketenbedrohung befassen müssen. Diese Einschätzung ist hart, aber sie ist nicht abwegig. Iran produziert weiter Raketen. Das Regime hat über Jahre gelernt, Verluste zu ersetzen, Strukturen zu verlagern und militärischen Druck mit politischer Geduld zu verbinden. Für Israel bedeutet das: Der Krieg mag militärisch beendet sein, die strategische Auseinandersetzung aber nicht. Der Feind zieht sich nicht zurück, weil er getroffen wurde. Er rechnet, baut nach und wartet auf die nächste Gelegenheit.

Das ist die bittere Wahrheit hinter Bitans Worten. Israel kann militärisch enorme Fähigkeiten zeigen, Anlagen zerstören, Kommandeure ausschalten, Produktionslinien treffen und die iranische Führung unter Druck setzen. Doch solange Teheran seine Raketenstrategie nicht aufgibt und solange das Atomprogramm nicht wirksam begrenzt wird, bleibt die Bedrohung bestehen. Bitan sprach sogar davon, dass Iran bei einer großen Zahl von Raketen im Fall eines neuen Krieges zu einer existenziellen Gefahr werden könne. Ein solcher Satz aus den Reihen des Likud ist mehr als eine beiläufige Warnung. Er ist ein Eingeständnis, dass Israel nicht nur über vergangene Erfolge sprechen darf, sondern über die nächste Runde nachdenken muss.

Besonders wichtig ist dabei seine Aussage zur Rolle der Vereinigten Staaten. Bitan machte klar, dass Israel vor allem in der Nuklearfrage nicht allein handeln könne und auf Washington angewiesen sei. Das ist keine Schwäche im moralischen Sinn, sondern eine strategische Tatsache. Israel ist eine regionale Militärmacht mit außergewöhnlichen Fähigkeiten, aber Iran ist ein großes Land mit tiefen militärischen Strukturen, geschützten Anlagen und einem über Jahrzehnte aufgebauten Netz aus Verbündeten, Milizen und politischen Hebeln. In der Frage, ob ein mögliches Abkommen zwischen Washington und Teheran die iranische Gefahr wirklich begrenzt oder nur verschiebt, liegt deshalb eine enorme Bedeutung.

Bitan formulierte seine Hoffnung deutlich: Er hoffe, dass Präsident Donald Trump verstehe, dass er nicht auf den derzeit kolportierten Rahmen einschwenken könne. Diese Aussage trifft einen wunden Punkt. In Jerusalem wächst die Sorge, dass ein amerikanisch-iranischer Deal am Ende vor allem Ruhe verspricht, aber die entscheidenden Fragen nicht hart genug beantwortet. Was geschieht mit der Urananreicherung? Was geschieht mit Raketen? Was geschieht mit der iranischen Unterstützung für Hisbollah und andere Terrorstrukturen? Und was geschieht, wenn Teheran jedes westliche Zugeständnis als Beweis eigener Stärke deutet?

Genau hier berührt Bitans Interview die größere israelische Debatte. Die Regierung wollte Stärke zeigen. Die Öffentlichkeit wollte Sicherheit. Doch zwischen beiden liegt ein Unterschied. Stärke kann sichtbar sein, Sicherheit muss dauerhaft sein. Ein erfolgreicher militärischer Schlag kann Zeit gewinnen. Er kann Fähigkeiten zerstören. Er kann dem Gegner Grenzen zeigen. Aber er ersetzt keine langfristige Strategie. Wer in der politischen Sprache Erwartungen weckt, als sei die iranische Bedrohung nach einer Operation grundsätzlich gebrochen, muss sich später erklären, wenn sich zeigt, dass die Bedrohung weiterbesteht.

Bitan versuchte, diese Erwartungslücke zu erklären. Die Menschen wollten sofortige Ergebnisse, sagte er sinngemäß, doch das sei nicht immer möglich. Das stimmt. Aber es ist nur die halbe Wahrheit. Denn die Erwartungen entstanden nicht im luftleeren Raum. Sie wurden durch politische Führung, große Versprechen und harte Formulierungen mitgeprägt. Wenn die Bevölkerung nachfragt, ob der „vollständige Sieg“ wirklich erreicht wurde, ist das keine Undankbarkeit. Es ist demokratische Kontrolle in einem Land, dessen Bürger seit Jahren enorme Opfer tragen.

Bitan widersprach auch der Darstellung, ein Sturz des iranischen Regimes sei ein definiertes Ziel Israels gewesen. Auch das ist politisch bedeutsam. Denn in jeder Auseinandersetzung mit Iran gibt es zwei Ebenen: die militärische Schwächung des Regimes und die Frage, ob das Regime selbst fallen könnte. Israel kann Teherans Fähigkeiten treffen, aber es kann nicht allein die innere Zukunft Irans bestimmen. Ein Regimewechsel hängt von Entwicklungen im Inneren Irans ab, von Mut, Organisation, Angst, Repression, wirtschaftlichem Druck und historischen Momenten, die sich nicht einfach von außen anordnen lassen.

Am Ende wurde Bitan auch mit der Frage konfrontiert, ob seine politische Seite Verantwortung für den 7. Oktober immer wieder auf andere abschiebe: auf die Vorgängerregierung, auf die Justiz, auf die Proteste gegen die Justizreform. Seine Antwort fiel vorsichtiger aus als viele Stimmen aus dem politischen Lager. Der 7. Oktober sei durch viele Dinge verursacht worden, sagte er, durch Fehler anderer und durch eigene Fehler. In einem politischen Klima, in dem Verantwortung oft zur Waffe gemacht wird, ist selbst diese vorsichtige Formulierung bemerkenswert.

Der Kern bleibt jedoch Iran. Bitans Interview ist kein großer strategischer Plan. Es ist auch keine endgültige Abrechnung. Aber es legt offen, wie groß der Abstand zwischen politischer Siegesrhetorik und der langen Wirklichkeit israelischer Sicherheitspolitik geworden ist. Israel hat Iran schwer getroffen. Doch Iran ist nicht verschwunden. Israel hat Fähigkeiten gezeigt. Doch der Raketenbau geht weiter. Israel hat Washington an seiner Seite. Doch ein schlechtes Abkommen zwischen den USA und Teheran könnte Jerusalem vor neue Gefahren stellen.

Die israelische Öffentlichkeit hat jedes Recht, genau diese Fragen zu stellen. Sie ist nicht undankbar, wenn sie Klarheit verlangt. Sie ist nicht verwöhnt, wenn sie wissen will, ob ihre Kinder in zwei Jahren erneut vor iranischen Raketen geschützt werden müssen. Und sie ist nicht illoyal, wenn sie nach dem Unterschied zwischen einem militärischen Erfolg und einem vollständigen Sieg fragt.

David Bitan wollte möglicherweise die Erwartungen dämpfen. Tatsächlich hat er eine Debatte geöffnet, die Israel dringend führen muss. Nicht mit Parolen. Nicht mit Schuldzuweisungen. Sondern mit der nüchternen Erkenntnis, dass der Kampf gegen Iran nicht an einem Datum endet. Er endet erst, wenn Teheran seine Fähigkeit verliert, Israel mit Atomdrohung, Raketen und Terrorverbündeten dauerhaft zu bedrohen. Davon ist die Region noch weit entfernt.

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Autor: Redaktion
Montag, 25 Mai 2026

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