Israel und die Araber: „Etwas Großes scheint hier zu geschehen“

Israel und die Araber: „Etwas Großes scheint hier zu geschehen“


Die Annäherung von Israel und den arabischen Staaten könnte die bedeutendste Veränderung in der modernen Geschichte des Nahen Ostens sein.

Israel und die Araber: „Etwas Großes scheint hier zu geschehen“

Etwas Großes scheint hier zu geschehen. Im Gegensatz zu den Friedenverträgen zwischen Israel und Ägypten, Israel und den Christen im Libanon und Israel und Jordanien, die von oben vorangetrieben wurden und sich weitgehend auf die Spitze beschränkten, werden die Öffnungen zwischen Israel und den Golfstaaten – obwohl auch sie von oben initiiert wurden, um eine Allianz gegen den Iran aufzubauen – mittlerweile mehr noch von unten vorangetrieben, von Touristen, Studenten und Unternehmen.

Wenn das Abraham-Abkommen gedeiht und sich zu einer Normalisierung zwischen Israel und Saudi-Arabien ausweitet, sprechen wir über eine der bedeutendsten Neuausrichtungen in der modernen Geschichte des Nahen Ostens, der viele Jahrzehnte lang weitgehend von Interventionen der Großmächte und den Dynamiken des arabisch-israelischen Konflikts geprägt war. Diese Zeit ist vorüber.

Heute „gibt es drei mächtige nicht-arabische Akteure in der Region – den Iran, die Türkei und Israel – und sie haben jeweils ihre eigene regionale Achse konstruiert“, argumentiert Itamar Rabinovich, der israelische Nahost-Historiker, der gerade „Syrian Requiem“, eine kluge Geschichte des syrischen Bürgerkriegs, mitverfasst hat. Diese drei Achsen, erklärt Rabinovich, sind die Türkei mit Katar und deren Handlanger Hamas; der Iran mit Syrien und Irans Stellvertretern, die den Libanon, den Irak und den Jemen kontrollieren; und Israel im Verbund mit den Vereinigten Arabischen Emiraten, Bahrain und stillschweigend auch Saudi-Arabien und Oman.

Es sind die Wechselwirkungen dieser drei Achsen, sagt Rabinovich, die die Nahostpolitik heute wirklich antreiben. Und weil die Achse VAE-Israel den erfolgreichsten arabischen Staat mit dem erfolgreichsten nicht-arabischen Staat zusammenbringt, strahlt sie eine Menge Energie aus. (…) Alle Nachbarn schauen gebannt zu – und sie schauen besonders darauf, wie der Iran und Saudi-Arabien reagieren.

Wenn Sie ein libanesischer Schiit sind, der in den armen südlichen Vororten von Beirut lebt und sich jeden Tag abrackern muss, um Eier gegen Fleisch zu tauschen, während die Wirtschaft am Rande des Zusammenbruchs steht, dann fragen Sie sich: Warum sitzen wir mit dem Iran und seiner Achse von versagenden Handlangern wie der Hisbollah fest, die weiter dafür sorgen, dass die Vergangenheit unsere Zukunft begräbt?

Das ist eine gefährliche Frage für den Iran und die Hisbollah, und jeden Tag wird sie von mehr und mehr Libanesen gestellt. Das mag erklären, warum dem freimütigen libanesische Anti-Hisbollah-Journalisten und Verleger Lokman Slim vor ein paar Wochen im Südlibanon in den Kopf geschossen wurde. Alle Finger deuten auf die Hisbollah als der Schuldige.

Und was Saudi-Arabien betrifft, so lässt das Königreich heute schon Israels nationale Fluggesellschaft El Al durch den saudischen Luftraum in die Vereinigten Arabischen Emirate fliegen. Aber wird es diesen Weg weiterverfolgen und offiziell die Beziehungen mit Israel normalisieren? Das wäre sowohl für die israelisch-arabischen als auch für die jüdisch-muslimischen Beziehungen von großer Bedeutung.

Diese Entscheidung wird größtenteils vom saudischen Kronprinzen, Mohammed bin Salman, getroffen. MbS ist der politisch repressivste, militärisch aggressivste und dennoch sozial und religiös fortschrittlichste Führer, den Saudi-Arabien je hatte. (…)

Ich respektiere die Sorge einiger, dass ein Friedensschluss Saudi-Arabiens mit Israel ein Mittel zur Rehabilitierung von MbS sein könnte. Aber ich glaube nicht, dass das ein Grund ist, dagegen zu sein. Im Nahen Osten kommt es oft zu wichitgen Veränderungen, wenn die großen Akteure aus falschen Gründen die richtigen Dinge tun.

(Aus dem Kommentar „Jumping Jehoshaphat! Have You Seen How Many Israelis Just Visited the U.A.E.?“, der in der New York Times erschienen ist. Übersetzung von Florian Markl von Mena-Watch.)

 

Autor: Mena-Watch
Bild Quelle: Archiv


Montag, 08 März 2021

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