Rashida Tlaib: Antisemtische Geschichtsklitterung einer US-Demokratin

Rashida Tlaib: Antisemtische Geschichtsklitterung einer US-Demokratin


Eine im November neugewhlte Kongressabgeordnete der US-Demokraten steht wieder einmal wegen Aussagen zu Juden in der Kritik.

Von Stefan Frank

Regelmäßige Leser von Mena Watch werden ahnen, dass es sich eigentlich nur um Ilhan Omar, Rashida Tlaib oder Alexandria Occasio-Cortez handeln kann, die antisemitischen Jungstars der Demokraten. Es ist Rashida Tlaib. Tlaib, die im Repräsentantenhaus Michigan repräsentiert (obwohl sie sich nach eigenem Bekunden als Teil von „unserem palästinensischen Volk“ fühlt), den Staat Israel abschaffen möchte und dies auf ihrer Landkarte bereits vorweggenommen hat, sagte im Yahoo–Podcast Skullduggery, sie sei stolz, wie „ihre Vorfahren, Palästinenser“ den Juden nach dem Holocaust einen Zufluchtsort geboten hätten:

„Es gibt da eine Art beruhigendes Gefühl, von dem ich Leuten immer erzähle, wenn ich an den Holocaust denke und die Tragödie des Holocaust und die Tatsache, dass es meine Ahnen, Palästinenser, waren, die ihr Land und einige auch ihr Leben verloren haben, ihre Lebensgrundlage, ihre menschliche Würde, in vielerlei Weise wurde ihre Existenz ausgelöscht und die Reisepässe einiger Leute. Ich meine, all dies geschah im Namen des Versuchs, einen sicheren Hafen für Juden zu schaffen nach dem Holocaust, nach der Tragödie und der furchtbaren Verfolgung von Juden überall auf der Welt damals, und ich liebe die Tatsache, dass es meine Ahnen waren, die ihn zur Verfügung gestellt haben auf vielerlei Art. Doch sie haben das auf eine Art getan, die ihre menschliche Würde weggenommen hat, richtig, und es wurde ihnen aufgezwungen.“

Demnach hätten die arabischen Führer im britischen Mandatsgebiet Palästina also nichts anders im Sinn gehabt, als Juden zu retten, sie vor Verfolgung zu schützen und friedlich mit ihnen in Palästina zusammenzuleben. Die Juden aber waren dieser Erzählung zufolge so undankbar, dass sie den barmherzigen Samaritern, die sie bei sich aufgenommen hatten, alles raubten, inklusive ihrer menschlichen Würde. Der Fehler, den die Araber demnach gemacht hätten, wäre gewesen, zu nett zu Juden gewesen zu sein.

„Rashida Tlaib, Ihre Worte sind sowohl zutiefst antisemitisch als auch ignorant. Sie sollten sich etwas Zeit nehmen, Geschichte zu lernen, ehe Sie versuchen, sie umzuschreiben“, twitterte der israelische Botschafter in den USA, Danny Danon. Tlaib nahm jedoch nichts zurück, sondern griff, ebenfalls via Twitter, ihre Kritiker an:

„Meine Worte zu überwachen, sie zu verzerren und zu verdrehen, um bösartige Attacken auf mich zu starten, wird nicht funktionieren. All ihr, die ihr versucht, mich zum Schweigen zu bringen, ihr werdet kläglich scheitern. Ich werde nie erlauben, dass ihr meine Worte aus dem Zusammenhang reißt, um eure rassistische und hasserfüllte Agenda voranzubringen. Die Wahrheit wird immer siegen.“

Die Wahrheit? Selbst die linksgerichtete israelische Tageszeitung Haaretz, deren größte Befürchtung im Hinblick auf Rashida Tlaib ist, dass sie Donald Trump nützen könnte, hat diesmal keinen Spin finden können, der Tlaibs Äußerungen als die Wahrheit erscheinen lässt. „Rashida Tlaib ist entweder komplett unwissend über die Geschichte oder eine absichtliche Lügnerin“, sagte der Historiker Benny Morris gegenüber Haaretz. Er fügte hinzu, die Araber hätten

„nichts getan, um das Leiden der Juden unter den Nazis zu lindern. Eher das Gegenteil: Die Araber von Palästina haben in dieser ganzen Zeit – mit Unterstützung der benachbarten arabischen Staaten – alles ihnen Mögliche getan, um zu verhindern, dass Juden, die versuchten, vor den Nazis zu fliehen, die (relativ sichere) Küste Palästinas erreichten.“

Arabischer Krieg gegen jüdische Einwanderung nach Palästina

Jemand sollte Rashida Tlaib nach der „Struma“ fragen. Fast 800 jüdische Flüchtlinge ertranken am 24. Februar 1942 im Schwarzen Meer, als das Passagierschiff sank. Die kaum seetüchtige „Struma“ hatte sich am 12. Dezember 1941 von Rumänien aus auf den Weg nach Palästina gemacht. Wegen eines Motorschadens musste das Schiff am 15. Dezember von den türkischen Behörden in den Hafen von Istanbul geschleppt werden, wo eine Quarantäne verhängt wurde: Niemand durfte von Bord. Der britische Botschafter teilte dem türkischen Außenminister am 27. Dezember mit, dass die „Struma“ Palästina nicht ansteuern dürfe, und forderte die Türkei auf, alles Mögliche zu tun, um die „Struma“ zum Umkehren zu bewegen. Daraufhin ließ die Türkei das manövrierunfähige Schiff ins Schwarze Meer schleppen, wo es von einem sowjetischen U-Boot versenkt wurde. Die Briten handelten unter dem Druck der Araber, die zwischen 1936 und 1939 in Palästina einen Terrorfeldzug gegen Infrastruktur und Menschen unternommen hatten, den sogenannten „Arabischen Volksaufstand“. Der Amerikaner Walter Lowdermilk, der im Februar 1939 nach Palästina kam, schrieb:

„Der erste Eindruck, den das derzeitige Palästina auf uns machte, war ein deprimierender. Der Negev, jene dünn besiedelte halb wüstenartige Region im Süden Palästinas, wo wir zuerst ankamen, zeigte Spuren der lange andauernden arabischen Ausschreitungen, die damals kaum nachgelassen hatten. Telgrafenleitungen baumelten herunter, Grenzstationen waren zerstört und Brücken lagen in Trümmern.“

Für die britische Regierung war die Einwanderung von Juden nach Palästina die Ursache solcher „Spannungen“ und das Verhindern solcher Einwanderung die Lösung. Kein europäischer Jude sollte Palästina erreichen. Zu diesem Zweck kontrollierten die Briten während des Zweiten Weltkriegs die Seewege nach Palästina mit Patrouillenbooten, die sie im Krieg gegen Deutschland und Italien dringend an anderer Stelle benötigt hätten. So wollte die britische Regierung die Araber beschwichtigen. Im Mai 1939, am Vorabend des Zweiten Weltkriegs und des Holocaust, beschränkte sie die Einwanderung von Juden nach Palästina auf 10.000 pro Jahr. 1939 waren noch 19.005 Juden auf legalem Weg nach Palästina gelangt; 1940 fiel diese Zahl auf nur noch 8.398.

Der spätere israelische Ministerpräsident Ben-Gurion beschrieb die britische Strategie im April 1939 in einem Brief an seine Frau Paula: „Selbst wenn Großbritannien uns in Palästina Ärger macht, ist es undenkbar, dass die Juden auf Hitlers Seite gehen. … Nicht so die Araber. Sie müssen gekauft werden, weil sie es sich leisten können, auf Hitlers Seite zu sein.“ Der britische Premierminister Neville Chamberlain betonte in einer Kabinettssitzung am 20. April 1939, es sei von „großer Wichtigkeit, dass wir die muslimische Welt auf unserer Seite haben“. Er fügte hinzu: „Wenn wir eine Seite vor den Kopf stoßen müssen, dann lasst uns lieber die Juden vor den Kopf stoßen als die Araber.“

Der Großmufti von Jerusalem, Amin el-Husseini, tat alles, damit die Juden in Europa blieben. Am 28. Juni 1943 schrieb er Briefe an den rumänischen und den ungarischen Außenminister. Beide hatten denselben Inhalt:

„Ich bitte Ihre Exzellenz, mir zu erlauben, Ihre Aufmerksamkeit auf die Notwendigkeit zu lenken, die Juden daran zu hindern, Ihr Land Richtung Palästina zu verlassen. Sollte es Gründe geben, die ihre Entfernung notwendig machen, dann wäre es viel besser und absolut vorzuziehen, sie in andere Länder zu schicken, wo sie unter aktiver Kontrolle wären, z.B. in Polen. So kann der Gefahr vorgebeugt werden, die von ihnen ausgeht und gegenüber den arabischen Völkern eine gute Tat verübt werden, die sie zu schätzen wissen werden.“

„Nach grober Übersicht hat Hadsch Amin bis zu 100.000 slowakische, rumänische, bulgarische und insbesondere ungarische Juden, die vielleicht noch nach Palästina, Schweden, der Türkei und auch Südamerika hätten auswandern können, direkt an der Flucht vor den Gaskammern gehindert“, schrieb der Historiker und ehemalige Bevollmächtigte des deutschen Auschwitz-Komitees, Klaus von Münchhausen, 1990 in einem Beitrag für die Zeit. Selbst nach Kriegsende, als die Vernichtung von sechs Millionen europäischen Juden weltweit bekannt geworden war, war es Husseini wichtig, dass ihm das Verdienst gutgeschrieben wurde, die Flucht von Juden nach Palästina verhindert zu haben. In seinen Memoiren schrieb Husseini:

„Wir bekämpften dieses Vorhaben [die Auswanderung von Juden], indem wir an Ribbentrop, Himmler und Hitler schrieben, anschließend auch an die Regierungen Italiens, Ungarns, Rumäniens, Bulgariens, der Türkei und anderer Länder. Es gelang uns, die Initiative zu vereiteln, ein Umstand, der dazu führte, dass die Juden furchtbare Anschuldigungen gegen mich erhoben, in denen sie mich für die Liquidierung von 400.000 Juden verantwortlich machten, die in diesem Zeitraum nicht nach Palästina auswandern konnten.“

In ihrem Buch „Nazis, Islamists, And The Making of The Modern Middle East“ resümieren Barry Rubin und Wolfgang Schwanitz die Rolle Husseinis so:

„Und da jeder Jude, der aus Europa herausgelassen wurde, später nach Palästina hätte gehen können, machte al-Husseini klar, dass wenn Hitler die Muslime und Araber als Verbündete haben wolle, er den Ausgang für Juden aus Europa schließen musste. Gleichzeitig erklärten Husseini und die arabischen Herrscher den Briten, dass, wenn sie die Araber und Muslime nicht zum Feind haben wollten, sie den Eingang nach Palästina für Juden schließen müssten. Indem er an beiden Fronten erfolgreich war, hatte al-Husseini doppelten und direkten Anteil am Holocaust, von Anfang an.“

„Unsere fundamentale Bedingung für eine Zusammenarbeit mit Deutschland war, dass wir freie Hand erhalten müssten, jeden einzelnen Juden aus Palästina und der arabischen Welt auszumerzen“, schrieb Husseini in seinen Memoiren. Darum habe er Hitler „um ein Unternehmen“ gebeten, „das es uns erlauben würde, das jüdische Problem in einer Weise zu lösen, die unseren nationalen und rassischen Bestrebungen zugute käme und im Einklang wäre mit den wissenschaftlichen Methoden, die Deutschland bei der Behandlung der Juden entwickelt hatte“. Die Antwort, die er nach seinen eigenen Worten erhielt, lautete: „Die Juden gehören Ihnen.“

Da die Wehrmacht bei El-Alamein gestoppt wurde, kamen die Gaskammern nicht nach Palästina. Juden wurden dort auf andere Art ermordet, etwa durch Bombenanschläge oder Pogrome, wie sie es u.a. in Jerusalem 1920, in Jaffa 1921und 1929 in Jerusalem, Hebron und Safed gab. Über das Massaker, das am 2. Oktober 1938 gegen die Juden in Tiberias verübt wurde, schrieb der britische Diplomat Sir Alec Seath Kirkbride 1956 in seinen Erinnerungen an seinen Dienst in Palästina zu jener Zeit:

„Eines Nachts drangen Araber in die Stadt Tiberias ein und massakrierten etliche jüdische Frauen und Kinder mit großer Brutalität. … Wir brauchten zwei Stunden, um nach Tiberias zu gelangen, statt, wie normalerweise, 25 Minuten, und fanden dort Chaos vor. Das Distriktbüro, eine Synagoge und zahlreiche jüdische Wohnhäuser standen in Flammen, die Straßen waren gesäumt mit Toten.“

 Massaker dieser Art hörten nach dem Weltkrieg nicht auf, sondern wurden 1946/47 intensiviert und mündeten schließlich im Krieg von 1948, der von arabischer Seite mit der Unterstützung von Armeen der umliegenden arabischen Staaten geführt wurde. Jeglicher Kompromiss – wie etwa der 1937 von der Peel-Kommission vorgeschlagene Teilungsplan oder der UN-Teilungsplan von 1947 – wurde von der arabischen Seite abgelehnt.

Und Rashida Tlaib meint, die Araber Palästinas hätten versucht, einen „sicheren Hafen für Juden“ zu schaffen? Was soll man dazu sagen? „In meinen Ohren – und vielleicht bin ich zynisch – klingt das wie ein Versuch, ironisch oder sarkastisch zu sein“, sagte der Historiker Tom Segev gegenüber Haaretz. So wirkt es. Doch Tlaib meint alles bitterernst. Zwischen ihr und Ilhan Omar scheint es einen Wettbewerb zu geben, wer die groteskeren antisemitischen Lügen verbreitet. Schwer zu sagen, wer derzeit die Nase vorn hat. Für den Zeitraum vom 17. bis 22. August lädt Tlaib Kongressabgeordnete ein, sie bei einer Reise ins Westjordanland zu begleiten. Spätestens dann wird sie wohl mit weiterer Geschichtsklitterung von sich reden machen.

 

MENA Watch

 

 

 


Autor: Stefan Frank
Bild Quelle: Kristie Boyd; U.S. House Office of Photoraphy [Public domain]


Sonntag, 19 Mai 2019









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