Martha´s Vineyard : Willkommenskultur in Wokeland

Martha´s Vineyard : Willkommenskultur in Wokeland


Als am Donnerstag der letzten Woche 50 Venezolaner in der Luxus-Enklave Martha´s Vineyard vor der Küste von Massachusetts landeten, dauerte es keine 48 Stunden, bis die dort ansässigen Gut- und Bessermenschen die zu ihnen Geflüchteten von der US-Army abholen und in einer nahegelegenen Kaserne auf dem Festland einquartieren ließen – was vom linksalternativ gleichgeschalteten Rundfunk als Triumph des politisch-korrekten Bewusstseins gefeiert wurde.

Martha´s Vineyard :  Willkommenskultur in Wokeland

Von Ramiro Fulano

Meine Damen und Herren, man muss es sich wirklich auf der Zunge zergehen lassen :  Martha´s Vineyard, diese kleine Insel in der Nähe von Cape Cod, auf der Sie für unter eine Million Dollar nicht mal einen Gartenschuppen erstehen können, fühlt sich mit 50 Venezolanern „überfordert“ und am Ende seiner Kräfte. Knapp 18.000 Menschen leben ganzjährig in der exklusiven Sommerfrische drei Stunden außerhalb von Boston, aber in der Saison – die nun nach allem Dafürhalten seit zwei Wochen zu Ende ist – schnellt die Zahl der „Vineyarder“ auf rund 100.000. Weil dann bis zur letzten Gartenliege alles vermietet wird, worauf Touristinnen jederlei Geschlechts ihre müden Häupter betten können – zum Stückpreis von nicht unter 200 Dollar pro Nacht und Nase, versteht sich. Ein nettes Geschäft, in dem man und frau mit drei Monaten „Arbeit“ genug Asche für ein ganzes Jahr Müßiggang machen kann.

Aber was Martha´s Vineyard so anders, so besonders und so einzigartig macht, ist natürlich nicht die schamlose Abzocke durch seine Hoteliers (m, w, d, x). Sondern sein Bewusstsein, seine Ideologie, sein Vibe und sein Spirit :  Martha´s Vineyard strotzt nur so vor wokem, uffjeklärtem Beschweidwissertum aller Art. Emsig rührt das Publikum von Café Wichtig bei Tag und Nacht in den derzeit angesagten Milchschaumgetränken aus ökologischem Anbau und hat zu jedem Thema die passende Ansicht – die meist darin besteht, genau das nachzuplappern, was ihm auf der linksalternativen Papageienschule eingetrichtert wurde. Hier wird man noch gerne mit der New York Times gesehen – auch wenn man sie höchstens als Unterlage fürs Strandtuch benutzt. Und hier schaut man CNN nicht bloß, sondern verschlingt alles, was das amerikanische Einbildungsfernsehen behauptet, mit der Schale und dem Löffel. Ja, Martha´s Vineyard hat etwas Ungesundes, denn mit der ruhelosen Aufdringlichkeit eines selbsternannten Blockwarts wird jeder noch so minimalen Abweichung vom Kanon der „erlaubten“ Gedanken hinterhergeschnüffelt. Selbstverständlich wurde Joe Biden hier mit 80 % und Obama mit mindestens 120 % aller gültigen Stimmen zum US-Präsidenten gewählt.

So progressiv ist Martha´s Vineyard. Und es ist auch so weiß :  Rund 85 % der Einwohner zählen zu dem, was die US-Statistik als „kaukasisch“ bezeichnet. Um es mit den unsterblichen Worten von Tucker Carlson zu sagen :  Martha´s Vineyard ist so weiß wie ein schwedisches Sommerfestival (anscheinend war der Gottkönig des Fox-News-Kommentariats lange nicht in Schweden). Die 15 % nicht-kaukasischen Ortsansässigen schneiden den übrigen 85 % aller Vineyarder vermutlich den Rasen und die Haare, pflegen die Pools, putzen die Klos und passen auf die Kinder auf. Natürlich hat niemand in Martha´s Vineyard etwas gegen „Refugees“ – sie sind billig, willig und wenn sie nicht mehr können, holt man sich einfach ein paar neue – und zwar schneller, als Sie „Dekolonialisierung“ sagen können, meine Damen und Herren. Es gibt doch genug, der Zustrom reißt nicht ab. Und zu allem Überfluss kann man sich darauf auch noch jede Menge einbilden, denn man ist ja für die „Flüchtenden“ da (solange sie für einen die Drecksarbeit erledigen, zum Preis von 10 Dollar pro Stunde). So schlicht und simpel ist die Welt in der Ferienhauptstadt des amerikanischen Champagner-Sozialismus.

Bis Donnerstag der letzten Wochen sind man und frau auf Martha´s Vineyard mit diesem schamlosen Selbst- und Fremdbetrug bestens davongekommen, aber dann traf ein Charterflug aus Florida ein. An Bord :  50 Venezolaner, die über die Südgrenze eingewandert sind – ohne weitere Formalien als die üblichen fünfstelligen Geldbeträge an Schieber, Schmuggler und Menschenschinder zu bezahlen, deren Branche dank der Politik von US-Präsidement Biden und der Democrat Party floriert, wie noch nie (zum Preis von 700 toten „Refugees“ allein in diesem Jahr – und die Menschenschmuggel-Saison ist am Rio Grande noch lange nicht zu Ende).

Selbstverständlich hat man in Florida die 50 geflüchteten Venezolaner erst gefragt, bevor sie ins Flugzeug gesetzt wurden. Ob sie überhaupt nach Martha´s Vineyard möchten. Immerhin gab es verschiedentlich Beschwerden, weil New York und Chicago den vor „Krieg, Hunger und Verfolgung“ Geflohenen als zu unsicher und zu gefährlich erschienen. Das Gefährlichste, was einem in Martha´s Vineyard passieren kann, ist zum Glück kein bewaffneter Überfall am helllichten Tag auf offener Straße, wie er in „Defund the Police“-Manhattan derweil auf der Tagesordnung steht, sondern höchstens ein Dinkelkeks aus biologisch kontrolliertem Anbau. Und nachdem sie sich dank ihrer Smartphones ein wenig in den einschlägigen Online-Übernachtungsbörsen umgesehen hatten, waren die 50 Venezolaner vermutlich der Ansicht, dass ihnen in den USA etwas Schlimmeres passieren kann, als in einem Ferienort untergebracht zu werden, wo jede Übernachtung ein venezolanisches Monatsgehalt verschlingt.

An dieser Stelle hätten die Vineyarder – diese linksalternativen Gut- und Bessermenschen und ihr politisches Personal (darunter die Obamas) – sich eigentlich freuen müssen. Wurden nicht all ihre Gebete erhört? Sie wollten doch der Welt beweisen, dass kein Mensch illegal ist. Dass „Refugees“ bei ihnen willkommen sind. Dass ihr Herzilein für alle schlägt, ungeachtet von Hautfarbe und sexueller – wenngleich natürlich nicht politischer – Orientierung. Doch ach, was machten die selbsternannten Menschenfreundinnen jederlei Geschlechts, als 50 Venezolaner auf der Flucht vor dem Sozialismus des 21. Jahrhundert bei ihnen eintrafen? Machten sie trotz Saisonende ihre schicken Beherbergungsbetriebe wieder auf? Bezogen sie rund vier Dutzend ihrer inzwischen 100.000 freien Gästebetten? Luden sie die „Refugees“ zu einem vorgezogenen Thanksgiving-Dinner ein, oder grillten sie ihnen wenigstens ein paar Burger? Teilten sie ihren Akazienhonig aus biologisch-kontrolliertem Anbau mit ihnen, auf Pfannkuchen oder frischgebackenen Muffins? Nein, nichts dergleichen geschah. Es gab nicht mal eine armeselige Scheibe Toast oder eine jämmerliche Bratwurst für die 50 Venezolaner :  Ein führender Kongressabgeordneter der Democrat Party fertigte „seine“ Geflüchteten auf der Terrasse seiner Luxus-Immobilie mit Billig-Cerealien und Keksen von dubiosem Ernährungswert ab. Und brüstete sich mit seiner Selbstinszenierung in den sozialen Medien – nicht ohne dafür auch noch Applaus zu bekommen. Was man durch pure Armseligkeit nicht schaffte, erreichte man durch nackte Heuchelei. Denn wenn das moderne Gut- und Bessermenschentum nicht mit zweierlei Maß messen würde, hätte es gar kein Maß.

Währenddessen lief im Hintergrund zweierlei ab :  Die US-Army wurde nach Martha´s Vineyard beordert, um die 50 Venezolaner einzufangen und fortzuschaffen, bevor sie sich vor Ort breitmachten und das linksalternative Postkartenidyll stören konnten. Und es wurde eine Go-Fund-Me-Page organisiert – aber nicht zum Wohle der „Refugees“, meine Damen und Herren. Sondern um die 18.000 Vineyarder vor Gouverneur DeSantis aus Florida zu beschützen, der sie mit dem Geschenk der Diversität beglücken wollte. Diese armen Vineyarder in ihren Eine-Million-Dollar-Immobilien, die sie in der Feriensaison äußerst lukrativ (und vielleicht ein wenig steuerfrei?) vermieten, haben natürlich eines ganz besonders nötig :  noch mehr Geld. Zeitgleich bespielte die Bürgermeisterin den Medienzirkus und verkündete, man hätte keinen Platz (trotz 100.000 freien Betten) und auch gar nicht die notwendige Infrastruktur für „so viele“ Geflüchtete. Es war wie Büttenwarder, nur in echt. In Martha´s Vineyard – dieser marginalisierten Luxus-Enklave am Rande der menschenwürdigen Existenz – wären eben auch 50 „Refugees“ schon zu viel für die knapp 18.000 dort dauerhaft ansässigen Personen jederlei Geschlechts. Und das, während in El Paso, Texas, inzwischen auf 35.000 Einwohner rund 47.000 Geflüchtete kommen – ohne, dass jemand die Nationalgarde ruft und diese Menschen wegschaffen lässt.

Ach ja :  Und auf CBS wurde bereits ein Holocaust-Vergleich bemüht. Dazu ist folgendes zu sagen :  Natürlich ist Martha´s Vineyard auf eine bestimmte Art auch irgendwie furchtbar, aber es ist wirklich kein Auschwitz oder Treblinka. 50 Menschen auf eine Insel vor Cape Cod zu fliegen, ist auch nicht mit einer tagelangen Fahrt in Viehwaggons, sondern in etwa mit einer Bustour nach Heringsdorf oder Kampen auf Sylt vergleichbar. Womit ich nicht behaupten möchte, dass sie dort ebenfalls nach zwei Tagen von der Polizei abgeholt würden.

 


Autor: Ramiro Fulano
Bild Quelle: Gage Skidmore from Peoria, AZ, United States of America, CC BY-SA 2.0 , via Wikimedia Commons


Sonntag, 18 September 2022

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