DePaul-Universität am Pranger: Jüdische Studenten klagen wegen SicherheitsversagenDePaul-Universität am Pranger: Jüdische Studenten klagen wegen Sicherheitsversagen
Zwei jüdische Studierende klagen gegen die DePaul-Universität in Chicago – sie werfen der Hochschule vor, sie nicht vor einem antisemitischen Übergriff bewahrt zu haben. Maskierte Angreifer schlugen zu, Sicherheitskräfte blieben untätig.
Die DePaul-Universität in Chicago sieht sich mit einer schwerwiegenden Anklage konfrontiert: Am Mittwoch, dem 2. April 2025, reichten zwei jüdische Studierende, Max Long und Michael Kaminsky, eine Klage gegen ihre Hochschule ein. Sie fordern über 50.000 Dollar Schadensersatz und behaupten, dass die Universität sie am 6. November 2024 nicht vor einem brutalen antisemitischen Angriff geschützt habe. Der Vorfall ereignete sich vor dem Studierendenzentrum auf dem Lincoln-Park-Campus, als maskierte Täter die beiden attackierten, während sie ihre Unterstützung für Israel öffentlich zum Ausdruck brachten. Die Klage, eingereicht beim Cook County Circuit Court, zeichnet ein alarmierendes Bild von den Zuständen an der katholischen Hochschule – und wirft fundamentale Fragen zur Sicherheit an akademischen Einrichtungen auf.
Max Long, ein ehemaliger Soldat der Israelischen Verteidigungsstreitkräfte (IDF), der während des Hamas-Massakers am 7. Oktober 2023 im Einsatz war, wollte mit Kommilitonen über Israels Selbstverteidigung diskutieren. Plötzlich wurden er und Kaminsky, der ihm beistand, von maskierten Männern überfallen. Long verlor das Bewusstsein und erlitt eine Gehirnverletzung, Kaminsky zog sich eine Handgelenksverletzung zu, die eine Operation erforderlich machte. Laut der Chicagoer Polizei riefen die Angreifer antisemitische Parolen, bevor sie zuschlugen – ein klarer Fall von Hasskriminalität. Besonders empörend für die Kläger: Ein Sicherheitsbeamter der Universität, nur zehn Meter entfernt, soll tatenlos zugesehen haben. Ein zweiter Beamter hielt einen der Täter kurz fest – ließ ihn dann jedoch entkommen. Diese Passivität bleibt unerklärlich und schürt den Zorn der Betroffenen.
Die Klage formuliert es unmissverständlich: „Die DePaul-Universität war und ist ein äußerst gefährlicher Campus, insbesondere für jüdische und israelische Studierende, aufgrund eklatanter Versäumnisse ihres Sicherheitsdienstes.“ Long und Kaminsky werfen der Hochschule vor, trotz bekannter antisemitischer Vorfälle untätig geblieben zu sein. Bereits im Mai 2024 hatte ein propalästinensisches Protestlager über zwei Wochen den Campus besetzt. Über 1.000 Beschwerden wurden registriert – darunter glaubwürdige Gewaltandrohungen und mindestens eine Todesdrohung. Die Chicagoer Polizei räumte das Lager schließlich, nachdem Messer und Luftgewehre entdeckt wurden. Kurz vor dem Angriff im November kündigte die Universität den Vertrag mit einer privaten Sicherheitsfirma – nur um sie nach dem Vorfall wieder zu engagieren. Ein gravierendes Versagen, das die Kläger als Beweis für die Nachlässigkeit der Hochschule werten.
Max Long zeigt sich tief erschüttert: „Ich sollte mich in einem Hörsaal in Chicago nicht verletzter fühlen als in einem Kriegsgebiet“, erklärte er vor dem Gerichtsgebäude. „Die DePaul-Universität hat mich nicht nur als Studierenden, sondern als Mensch im Stich gelassen. Hochschulen sollen Stätten des Wissens, der Sicherheit und des Diskurses sein – stattdessen sind sie zu Schauplätzen von Angst, Pöbelherrschaft und Schweigen geworden.“ Kaminsky ergänzt: „Jüdische Studierende müssen sich an ihren Universitäten sicher fühlen. Wenn Hochschulen diese Rechte missachten, müssen sie zur Verantwortung gezogen werden.“ Beide berichten von einer Atmosphäre der Einschüchterung: Long nimmt nicht mehr persönlich am Unterricht teil, sondern nur noch online – ein deutliches Zeichen für die tiefen Spuren, die der Vorfall hinterlassen hat.
Die Kläger stützen sich auf eine belastende Vorgeschichte. Long hatte bereits zuvor über Belästigungen und Drohungen bei Diskussionen über den Israel-Hamas-Krieg berichtet – ohne dass die Universität reagierte. Videoaufnahmen dokumentieren Teile des Angriffs, doch bislang wurden keine Täter gefasst. „Gewalt gegen Juden ist die absehbare Konsequenz einer vergifteten Campus-Atmosphäre, die Universitäten wie DePaul nicht bekämpfen“, schreibt Gerard Filitti, Anwalt des Lawfare Project, auf X. „Hochschulen tragen Verantwortung, wenn sie ihre Studierenden nicht schützen. Diese Klage geht um Gerechtigkeit für Max und Michael – und sendet eine unüberhörbare Botschaft: Die Rechte jüdischer Studierender zu ignorieren, hat Konsequenzen.“
Die DePaul-Universität äußert sich zurückhaltend. In einer Stellungnahme heißt es: „Die Sicherheit unserer Studierenden hat oberste Priorität. Wir haben diesen Angriff scharf verurteilt. Solche Taten widersprechen unseren Werten.“ Die Hochschule betont, Antisemitismus entschieden abzulehnen und mit lokalen sowie nationalen Vertretern zusammenzuarbeiten, um das Problem anzugehen. Doch für viele klingen diese Worte hohl. Die jüdische Gemeinde in Chicago ist alarmiert: Laut der Anti-Defamation League stieg die Zahl antisemitischer Vorfälle in der Stadt seit 2023 um 300 Prozent. Ist dies die neue Normalität an akademischen Einrichtungen?
Dieser Fall könnte weitreichende Auswirkungen haben – nicht nur für die DePaul-Universität, sondern für Hochschulen im gesamten Land. Wenn Sicherheitsversagen und Gleichgültigkeit gegenüber Hasskriminalität rechtliche Folgen nach sich ziehen, könnte dies ein Wendepunkt sein. Für Long und Kaminsky geht es um mehr als finanzielle Entschädigung: Es ist ein Kampf um Würde, Sicherheit und die Freiheit, ihre Identität ohne Furcht zu leben.
Autor: Redaktion
Bild Quelle: Screenshot X
Donnerstag, 03 April 2025