Tiefer Hass auf offener Bühne: Antisemitismus in den USA erreicht historischen HöchststandTiefer Hass auf offener Bühne: Antisemitismus in den USA erreicht historischen Höchststand
Die neue ADL-Studie zeigt erschütternde Zahlen – Universitäten sind zum Brennpunkt des Judenhasses geworden

Symbolbild Pexels
Es sind keine Einzelfälle mehr. Es ist ein System. 9.354 antisemitische Vorfälle zählte die Anti-Defamation League (ADL) im Jahr 2024 in den Vereinigten Staaten – so viele wie noch nie seit Beginn der Erhebungen im Jahr 1979. Das ist nicht nur ein neuer Rekord, sondern ein dramatischer Ausdruck eines gesellschaftlichen Klimas, das für jüdische Menschen zunehmend lebensgefährlich wird.
Die Statistik ist ein Schock, aber längst keine Überraschung mehr: Nach dem 7. Oktober 20237. Oktober 2023: Das Hamas-Massaker, das Israel veränderteDer 7. Oktober 2023 war der Tag des Hamas-Massakers in Israel. Terroristen aus Gaza ermordeten etwa 1.200 Menschen, vor allem Zivilisten, und verschleppten mehr als 240 Geiseln in den Gazastreifen.Mehr lesen, dem Tag des grausamen HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen-Massakers in IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen, ist der AntisemitismusAntisemitismus: Judenhass in alten und neuen FormenAntisemitismus bezeichnet Judenhass und Feindschaft gegen Juden. Er reicht von Vorurteilen und Verschwörungserzählungen bis zu Ausgrenzung, Bedrohung und Gewalt.Mehr lesen in den USA nicht zurückgegangen, sondern explodiert. Besonders auf dem Campus. Eine Zunahme um 84 Prozent antisemitischer Vorfälle an amerikanischen Hochschulen markiert den traurigen Höhepunkt einer Entwicklung, bei der jüdische Studierende nicht mehr mit Diskussionen, sondern mit Morddrohungen konfrontiert sind.
Was als politische Kritik an Israel begann, ist längst in offenem Judenhass angekommen. Demonstranten rufen „Death to Israel“, tragen HisbollahHisbollah: Irans Terrorarmee im LibanonDie Hisbollah ist eine schiitisch islamistische Organisation im Libanon. Sie wurde in den frühen 1980er Jahren mit Unterstützung des Iran aufgebaut, verfügt über eine politische und militärische Struktur und wird von den USA, Israel und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen-Fahnen, feiern das Hamas-Massaker und vergleichen Davidsterne mit Hakenkreuzen. An der DePaul University wurde ein jüdischer Teilnehmer eines Pro-Israel-Gesprächs aufgefordert, „nach Polen zurückzugehen“ – eine antisemitische Parole aus dem Giftschrank der ShoahShoah: Der nationalsozialistische Mord an sechs Millionen JudenShoah ist der hebräische Begriff für die Katastrophe der Vernichtung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland und seine Helfer. Rund sechs Millionen Juden wurden ermordet.Mehr lesen. Ein anderer wurde bedroht: Man werde ihn enthaupten und „alle Juden wie dich sollten Amerika verlassen“.
Die Zahlen zeigen auch: Antisemitismus kommt heute nicht nur von klassischen Rechtsextremen. Zwar stammen 94 Prozent der antisemitischen Propagandamaterialien von Neonazi-Gruppen wie dem Patriot Front oder der Goyim Defense League. Doch die lauteste Bühne gehört heute oft radikalisierten antiisraelischen Aktivisten, die sich selbst als progressiv verstehen – und dennoch Slogans wie „From the River to the SeaFrom the river to the sea: Die Parole gegen Israels Existenz„From the river to the sea“ bezeichnet das Gebiet vom Jordan bis zum Mittelmeer. In antiisraelischen Kontexten wird die Parole häufig als Forderung nach einem Palästina anstelle Israels verstanden.Mehr lesen“ skandieren, ein Schlachtruf, der von der Auslöschung Israels träumt.
Fast jede zweite antisemitische Tat hatte 2024 einen Bezug zu Israel oder ZionismusZionismus: Das Recht der Juden auf SelbstbestimmungZionismus bezeichnet die jüdische Nationalbewegung, die für die Rückkehr des jüdischen Volkes in seine historische Heimat und für jüdische Selbstbestimmung im Land Israel eintrat. Der moderne Zionismus entstand im 19. Jahrhundert als Antwort auf Antisemitismus, Verfolgung und Entrechtung.Mehr lesen. Die ADL zählt darunter die Verherrlichung der Hamas, das Feiern des 7. Oktobers, die Verwendung antisemitischer Verschwörungsmythen und die bewusste Dämonisierung Israels als angeblich „genozidales Regime“. Was hier geschieht, ist keine politische Kritik. Es ist die Dämonisierung jüdischer Existenz inmitten westlicher Demokratien.
Auch die Zahlen der körperlichen Übergriffe sprechen eine klare Sprache: 196 antisemitische Angriffe, 2.606 Fälle von Vandalismus – darunter Angriffe auf Synagogen, Friedhöfe, jüdische Schulen. Die Zahl der Bombendrohungen gegen jüdische Einrichtungen liegt bei 627. Die Täter? Nicht nur Verwirrte oder Trolle – sondern zunehmend auch organisiert agierende Extremisten, die sich in Onlineforen und auf Protestcamps radikalisieren.
Der Angriff in Brooklyn, bei dem ein jüdischer Mann nahe dem Chabad-Hauptquartier niedergestochen wurde, ist kein Einzelfall. Der Täter rief „Free PalestinePalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen“ – und fragte dann: „Willst du sterben?“ Diese Worte sollten uns alle aufschrecken. Denn sie zeigen, wie aus Parolen tödliche Gewalt wird.
Während an Grund- und weiterführenden Schulen die Zahl antisemitischer Vorfälle um 26 Prozent zurückging, bleibt der universitäre Raum ein Pulverfass. Die Bundesregierung unter Präsident Donald Trump hat begonnen, gegen antisemitische HetzeVolksverhetzung: Wenn Hass strafbar wirdVolksverhetzung ist eine Straftat nach § 130 StGB. Gemeint sind unter anderem Hassaufrufe, Gewaltforderungen oder menschenwürdeverletzende Hetze gegen nationale, religiöse, ethnische oder andere geschützte Gruppen.Mehr lesen auf dem Campus vorzugehen, Fördergelder zu streichen und über die Ausweisung ausländischer Extremisten nachzudenken. Doch der Widerstand ist groß – oft ausgerechnet von jenen, die sich selbst als „antirassistisch“ verstehen, aber den Hass gegen Juden normalisiert haben.
Die ADL zieht eine klare Linie: Wer Terrororganisationen wie die Hamas feiert, wer Israel delegitimiert, dämonisiert und mit Nazis vergleicht, handelt antisemitisch. Das ist keine Frage der Meinung, sondern eine Frage des Anstands – und der Sicherheit jüdischen Lebens.
Autor: Redaktion
Mittwoch, 23 April 2025